Corona Pandemie: Ein Wettlauf gegen die Zeit. Impfziel nicht mehr erreichbar! (Foto: Imago, photothek)

Corona-Pandemie: Wettlauf gegen die Zeit

Impfziel nicht mehr erreichbar

STAND
AUTOR/IN

Die medizinisch wünschenswerten Impfquoten sind bis zum Herbstbeginn kaum mehr zu erreichen. Eine SWR-Datenanalyse zeigt, dass sich in Deutschland bis zu fünf Mal mehr Menschen impfen lassen müssten.

Rund 100.000 Erstimpfungen pro Tag werden in Deutschland derzeit durchgeführt. Um das gewünschte Impfziel zu schaffen, müssten es aber mehr als eine halbe Million erste Impfungen pro Tag sein. Dann wäre die beste Schutzwirkung gegen die Vierte Welle der Coronavirus-Pandemie in Deutschland zu erreichen. Denn dafür müssten bis zum Herbst mindestens 85 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft sein, hat das Robert-Koch-Institut berechnet.

Impfbereitschaft sinkt - Vierte Welle droht hart zu werden

Eine SWR-Datenanalyse der aktuellen Impf-Statistiken zeigt, dass die Impfbereitschaft, gemessen an den durchgeführten Erstimpfungen, in Deutschland, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz eingebrochen ist. Es lassen sich derzeit so wenige Menschen impfen, dass die 85-Prozent-Quote außer Reichweite für den Herbst gerät. Wird die Impfquote nicht erreicht, rechnet das RKI mit einer starken vierten Infektionswelle im Herbst. Denn viele Menschen sind zwar durch die Impfung geschützt, das Corona-Virus kann sich aber trotzdem weiter ausbreiten.

Video herunterladen (4,2 MB | MP4)

Baden-Württemberg: Mehr als 80.000 täglich Impfungen nötig

In Baden-Württemberg müssten vier Mal mehr Menschen zur Erstimpfung kommen, nämlich täglich rund 80.000 anstatt aktuell rund 17.000.

Rheinland-Pfalz: Drei Mal mehr Impfungen nötig

In Rheinland-Pfalz müssten mehr als doppelt so viele zur Erstimpfung bereit sein: statt 10.000 Impfwilligen pro Tag, bräuchte es täglich 28.000.

Überalterung der Gesellschaft erhöht das Risiko

Deutschland ist ein vergleichsweise überaltertes Land. Der Anteil an Menschen um die 60 bis 75 Jahren ist verglichen mit England oder Israel besonders hoch. Für die Belastung des Krankenhäuser und die Risiken der Gesamtbevölkerung spielt die Altersstruktur eine große Rolle. Denn je mehr Menschen in der Kohorte der 40- bis 75-Jährigen nicht geimpft sind, desto wahrscheinlicher sind schwerer Verläufe. Ein Vergleich etwa mit England zeigt außerdem, dass dort die Impfquote der über 60-Jährigen bereits bei 91,5 Prozent liegt. Von solchen Immunisierungswerten sind wir in Deutschland noch weit entfernt.

Daten und Analyse

Wie wurde die nötige Zahl an Impfungen berechnet?
Zunächst berechnen wir vereinfacht 85 Prozent der Bevölkerung im jeweiligen Land als Impfziel. Anschließend wird die Differenz zwischen Impfziel und der Anzahl der tatsächlich Geimpften berechnet als fehlende Anzahl an noch notwendigen Geimpften. Diese Anzahl wird dann durch die verbleibende Anzahl an Tagen bis zur medizinisch sinnvollen Erreichung der Impfquote geteilt. Die tägliche Anzahl an notwendigen Impfungen ergibt sich also aus der Aufteilung der Restmenge an zu Impfenden auf den Restzeitraum bis zum Erreichen des Impfziels.
Im Mitte/ Ende September 85 Prozent vollständig Geimpfter zu erreichen, wird der Abschluss der notwendigen Erstimpfungen bis Anfang September vorausgesetzt.

Welche Daten wurden verwendet?
Als Datengrundlage dient der werktäglich veröffentlichte Datensatz des Digitalen Impfquotenmonitorings beim Robert-Koch-Institut.

Mehr zum Thema

Stuttgart, Mainz, Berlin

COVID-19: Impfungen im Südwesten Corona-Impfen: Aktuelle Zahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz

In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz wird seit Ende Dezember gegen das Coronavirus geimpft. Hier finden Sie die aktuellen Impfzahlen.  mehr...

Stuttgart, Mainz, Karlsruhe, Mannheim, Trier, Kaiserslautern, Ulm

SWR-Datenanalyse zum Coronavirus Aktuelle Zahlen aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz

Das Coronavirus breitet sich in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz aus. Hier finden Sie alle Zahlen und Daten zur aktuellen Lage.  mehr...

SWR Aktuell Corona-Newsletter Mit dem Corona Update bleiben Sie auf dem Laufenden

Sie möchten auf dem Laufenden bleiben, wie sich im Südwesten die Lage rund um das neue Corona-Virus entwickelt? Tragen Sie sich hier in unseren Verteiler ein.  mehr...

Meldekette der Corona-Zahlen So erfahren wir von Corona-Fällen

Jede Corona-Infektion muss dem Gesundheitsamt gemeldet werden. Bis der Fall öffentlich wird, vergeht eine gewisse Zeit. Wir erklären warum.  mehr...

Südwesten

Wie schütze ich mich? Wie ist die Lage in meinem Heimatort? Coronavirus: Alles Wichtige für Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg

Coronavirus: Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr? Wie kann ich mich schützen? Hier finden Sie alles Wichtige für Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.  mehr...

STAND
AUTOR/IN