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Jede Corona-Infektion muss dem Gesundheitsamt gemeldet werden. Bis der Fall öffentlich wird, vergeht eine gewisse Zeit. Wir erklären warum.

Ärzte und medizinische Labore in Deutschland sind gesetzlich verpflichtet, eine Corona-Infektion zu melden, sobald sie festgestellt wird. Zuständig sind die Gesundheitsämter in den Stadt- und Landkreisen. Über diese gemeldeten Fallzahlen und damit über die Ausbreitung des Virus berichtet SWR AKTUELL täglich mit einer interaktiven Karte. Dafür verwenden wir immer die zuletzt veröffentlichten Zahlen der Sozialministerien von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Warum verwenden wir die Zahlen der Ministerien?

SWR AKTUELL setzt auf diese zentral erfassten Zahlen der Landesbehörden. Denn diese Quellen sind nach Einschätzung der SWR-Datenreporter in der momentanen Lage landesweit am verlässlichsten. Und das, obwohl die Meldestände manchmal irritieren. So kommt es vor, dass Landkreise zur gleichen Zeit bereits höhere Fallzahlen veröffentlicht haben. Das liegt daran, dass die Gesundheitsämter vor Ort als Erste von neuen Infektionen erfahren. Danach wandert der Fall eine behördliche Meldekette entlang. Dabei vergeht Zeit, und manchmal geht ein Fall auf dem Weg verloren. Das verursacht in der Öffentlichkeit ein Zahlenwirrwarr.

Wie genau verläuft die Meldekette?

Schritt 1: Meldung von Arzt oder Labor 

Ein Arzt stellt eine Corona-Infektion über eindeutige Krankheitssymptome fest oder ermittelt die Wahrscheinlichkeit empidemiologisch – also zum Beispiel, weil ein naher Familienangehöriger bereits positiv getestet worden ist. Das Labor identifiziert das Virus in der Probe. Ob Arzt oder Labor, beide machen für jeden festgestellten Infektionspatienten eine Meldung ans Gesundheitsamt. Diese Meldung erfolgt telefonisch oder mit einem Papierformular. Große Labore erstellen die Meldung automatisch, schicken sie aber in der Regel per Fax. Zuständig ist immer das Gesundheitsamt, in dessen Gebiet der Patient seinen Wohnsitz hat. (Ein Beispiel: Der erste amtliche Fall in Karlsruhe war ein Geschäftsreisender aus Nürnberg. Die Meldung erging also an das Gesundheitsamt in Mittelfranken.) 

Schritt 2: Prüfung im Gesundheitsamt des zuständigen Land-/Stadtkreises 

Das Gesundheitsamt erhält die Meldung und überprüft die Angaben. Jeder einzelne Fall wird dann im Gesundheitsamt von Hand elektronisch erfasst. Gespeichert werden alle Informationen, die für die medizinisch-wissenschaftliche Beobachtung einer Epidemie wichtig sind. Zum Beispiel auch, ob der Patient Kontakt mit anderen hatte, wo er sich aufgehalten hat, wie der Krankheitsverlauf bisher war etc. Dazu verwenden die Gesundheitsämter eine Software des Robert-Koch-Instituts (RKI). Jede Erhebung verursacht also mehrere Minuten händischen Arbeitsaufwand. 

Schritt 3: Übermittlung an die zuständige Landesgesundheitsbehörde 

Alle Gesundheitsämter übermitteln paketweise mehrmals am Tag die Falldaten an die Landesgesundheitsbehörde (in Baden-Württemberg das Landesgesundheitsamt, in Rheinland-Pfalz das Landesuntersuchungsamt). Das heißt, es werden immer mehrere Fälle gesammelt übermittelt. Außerdem werden bei der Übermittlung personenbezogene Daten entfernt. Das passiert ebenfalls in der Software des RKI. 

Schritt 4: Daten-Übermittlung an das Robert-Koch-Institut 

Zwei Mal pro Tag leitet die Landesgesundheitsbehörde die gesammelten Falldaten elektronisch weiter an das RKI und meldet damit die aktuellen Fallzahlen für das jeweilige Bundesland. 

Schritt 5: Veröffentlichung durch die Gesundheitsministerien 

Einmal pro Tag schickt die Landesgesundheitsbehörde einen Lagebericht an das Ministerium. Daraus verfasst die Pressestelle des Ministeriums eine Mitteilung und veröffentlicht die Zahlen. In Baden-Württemberg hier, in Rheinland-Pfalz hier.  

Schritt 6: Sofortige Veröffentlichung in der SWR-Karte 

Sobald die Meldung des Ministeriums veröffentlicht ist, wird die SWR-Karte automatisch aktualisiert.

Was beeinflusst die Meldestände?  

Die Gesundheitsämter arbeiten durch die aktuelle Lage am Anschlag. Die Amtsärzte müssen Prioritäten setzen und sich häufig zuerst um die konkreten Patienten und Maßnahmen kümmern, die elektronische Erfassung erfolgt nachrangig. So kann es sein, dass den Landratsämtern Meldungen aus dem Labor zu neuen Corona-Infektionen vorliegen, die noch nicht elektronisch erfasst sind, aber im Gesundheitsamt bereits gezählt wurden. Diese Fallzahlen kann dann auch nur der Landkreis veröffentlichen. Dem Gesundheitsministerium liegen diese Zahlen womöglich erst später vor. 

Warum hinken die Zahlen der Ministerien hinterher? 

Die Gesundheitsministerien erhalten die Daten zu einem bestimmten Zeitpunkt am Tag. In Rheinland-Pfalz ist das zum Beispiel 10.00 Uhr. Das Ministerium veröffentlicht diese 10.00 Uhr- Zahlen dann irgendwann zwischen 14.30 Uhr und 18.30 Uhr. Bis dahin gibt es natürlich bereits aktualisierte Fallzahlen in den Landkreisen, die diese eigenständig veröffentlichen. 

Warum sind die abweichenden Fallzahlen in den Landkreisen teils sehr viel höher? 

Das Virus breitet sich im Südwesten sehr schnell aus – Stichwort: exponentielles Wachstum. Die Fallzahl von 10 Uhr steigt also bis zur Veröffentlichung um 15.00 Uhr mit hoher Wahrscheinlichkeit in Wirklichkeit stark an. Nach SWR-Berechnungen lag die Steigerungsrate von einem zum nächsten Tag seit Ausbruch bei durchschnittlich 31 Prozent. In den vergangenen Tagen war sie sogar noch deutlich höher. Dadurch wird die Differenz zwischen amtlichen Fallzahlen am Morgen oder am Abend in Zukunft immer größer. Das ist eine normale Entwicklung dieser Epidemie.

Wir danken Dr. Philipp Zanger vom Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz für die Unterstützung bei der Recherche.

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