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Dass die CDU-Fraktionsvorsitzenden im baden-württembergischen und rheinland-pfälzischen Landtag nach der Wahlschlappe an ihren Stühlen kleben, macht die Zunge von Martin Rupps spitz.

In einem Affenzahn hat die CDU-Fraktion im rheinland-pfälzischen Landtag die historische Wahlschlappe – das schlechteste Ergebnis ihrer Geschichte – für einen personellen Neuanfang genutzt. Ihr bisheriger Fraktionsvorsitzender Christian Baldauf, der auch Spitzenkandidat seiner Partei war, musste widerwillig sein Amt räumen für – jawohl - das Fraktionsmitglied Christian Baldauf. Einstimmig. Erich Honecker auf seiner Wolke ist beeindruckt. Dem bisherigen Parlamentarischen Geschäftsführer Martin Brandl wurde nicht die vollkommene Liebe der Fraktion zuteil, er erhielt nur 93 Prozent der Stimmen. Artig versicherte der Gewählte hinterher, ein  "Weiter so" werde es nicht geben.

Die CDU Trier hat nach der Wahlniederlage bei der Landtagswahl eine "ungeschönte Aufarbeitung" angekündigt. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Die Südwest-CDU erlebt dunkle Zeiten, doch in Rheinland-Pfalz ist der alte Fraktionsvorsitzende im Landtag auch der neue Picture Alliance

Christian Baldaufs Pendant an der Fraktionsspitze in Stuttgart, Wolfgang Reinhart strebte ebenfalls bereits seine Wiederwahl an. Sogar unverzüglich. Eigentlich sollte die geschlagene Fraktion am Dienstag zusammentreten, doch der Chef trommelte sie bereits am Montag - ein Tag nach der Wahlniederlage – zusammen. Sein Plan, sich im Handstreich für weitere drei Jahre einen Dienstwagen zu sichern, scheiterte. Wolfgang Reinhart darf das Auto immerhin vorläufig bis Ende der Sondierungsgespräche behalten.

Das Verhalten der CDU-Fraktion ihrem Chef gegenüber kann ich nur wirklich überhaupt nicht billigen. Wolfgang Reinhart hat natürlich zu keiner Zeit beabsichtigt, dass die CDU in Baden-Württemberg derart unter die Räder kommt. Und er um seinen Dienstwagen bangen muss. Die pietistisch Strenggläubigen aus Württemberg sollten sich vielleicht am unbedingten Gottesglauben der Mainzer Christdemokraten ein Beispiel nehmen.

Auch bei allerbestem Willen vermag ich nicht das Signal des unumkehrbaren, vitalen Aufbruchs erkennen, das von den Personalien Christian Baldauf und Wolfgang Reinhart ausgeht. Ein Freund erklärte es mir: Die beiden Herren stellen ihren tiefen Schmerz über das Wahldesaster und persönliche Interessen hintan aus staatsmännischer Verantwortung für Ihre Partei und das Land. Christian Baldauf und Wolfgang Reinhart – zwei moderne Märtyrer kurz vor ihrer politischen Heiligsprechung.

Rheinland-Pfalz

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