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Talk im Tübinger Museum Neue Musik in kleinen Clubs

Erinnerungen an die 60er Jahre: Im Tübinger Stadtmuseum ging es um den musikalischen Aufbruch. Nicht auf den großen Bühnen, sondern in kleinen Clubs. Motto: Träume aus dem Untergund.

Jürgen Sturm, Thomas Hagenauer, Michael Stoll und Christoph Wagner

Jürgen Sturm, Thomas Hagenauer, Michael Stoll und Christoph Wagner (von links)

So heißt auch ein Buch des Balinger Journalisten und Szenekenners Christoph Wagner. Der Talk lockte viel Publikum ins Museum. Beat-Rhythmen, Free-Jazz oder harter Rock - es war eine Reise in die Vergangenheit. Mit vielen Geschichten.

Auflehnung war angesagt

Zum Beispiel über Saalschlachten, die bei Konzerten immer dann drohten, wenn das Publikum euphorisch und der Beat mitreissend waren. Nach wenigen Takten, weiß Wagner, stand das ganze Publikum, später wurde - zum Beispiel bei einem Konzert in Ravensburg 1967 - die Saaldeko zerstört. Und das, obwohl die Musiker damals durchaus noch mit Schlips und Anzug auftraten.

Sänger im Publikumsklo

Je weiter die 60er fortschritten, desto mehr schüttelte man den spießigen Muff, das Konventionelle ab, wagte Neues, sagte der Reutlinger Bassist Michel Stoll. Und man wollte sich damit auflehnen. Schüler- und Studenteninitiativen entstanden, dazu kleine Clubs. Sie holten die neuen Bands aus England.

Und hier in der Region schossen Bands wie Pilze aus dem Boden. Konzerte machen war meist Sache engagierter Amateure. Selbst berühmte Bands waren noch nicht abgehoben, erzählte der Tübinger Musiker Jürgen Sturm. Die damals schon berühmte Band "The Who" blieb nah an den Fans - Sturm traf den Sänger ganz selbstverständlich auf dem Klo.

Beat wird historische Musik

Das änderte sich mit dem Kommerz. Aus der Musik der Revolte wurde im Laufe der 70er Jahre ein großes Geschäft. Der Musikgeschmack änderte sich, die Hippiegedanken wurde abgelöst von anderen Musik-Protestformen, etwa dem Punk. Aber, sagte dazu Christoph Wagner, auch die Barockmusik sei irgendwann aus der Mode gekommen und werde heute als historische Kunstform gespielt. Genau so ergeht es dem Beat - und wird es auch den aktuellen Trends ergehen.