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Eine Chronik Skandal um Tübinger Affenversuche

Im September 2014 erschütterten Bilder von blutverschmierten Affen die Öffentlichkeit. Sie stammten aus dem Tübinger Max Planck-Institut. Eine Protestwelle folgte.

Ende September 2014 werden in der Fernsehsendung Stern TV heimlich aufgenommene Bilder von blutverschmierten Versuchstieren gezeigt: Zu sehen sind Affen, die Gewinde im Kopf implantiert haben. Ihre Operationswunden sind offenbar nicht richtig verheilt. Die Tiere scheinen zu leiden.

Heimliche Aufnahmen

Die Organisation Soko Tierschutz hat diese Aufnahmen im Max-Planck-Institut für biologische Kybernetik in Tübingen gemacht. Die Tierschützer werfen den Forschern Tierquälerei vor.

Erste Überprüfungen im September

In einer ersten Reaktion weist die Pressestelle des Instituts die Vorwürfe zurück: "Die Implantate verursachen dem Tier keinen Schmerz. Es verhält sich damit völlig normal und zeigt keinerlei Beeinträchtigung." Das Institut erforscht mit seinen Versuchen den grundlegenden Aufbau des Gehirns

Das Regierungspräsidium Tübingen beginnt nur einen Tag später, das Tübinger Max Planck-Institut zu überprüfen. Wenige Tage nach den ersten Vorwürfen bescheinigt der Göttinger Hirnforscher Prof. Stefan Treue, dass die Tierversuche der Tübinger vorbildlich abliefen. Die Bilder seien in Ausnahmesituationen entstanden.

Hirnforscher bescheinigt Unbedenklichkeit

Die Max Planck-Gesellschaft hatte den Göttinger Wissenschaftler vom Deutschen Primatenzentrum um eine Bewertung gebeten. Die Tübinger Hirnforscher kündigen daraufhin an, mehr Personal einzustellen. Auch eine bessere ärztliche Betreuung ist geplant.

Tausende Tierschützer protestieren

Ende September und noch einmal im Dezember 2014 demonstrieren tausende Tierschützer mehrmals in Tübingen und in Stuttgart. Sie fordern ein sofortiges Ende der Affen-Experimente.

Die Wissenschaftler am Tübinger Max Planck-Institut werden nach eigenen Angaben immer wieder bedroht und beleidigt. In Emails und Telefonanrufen erhalten sie demnach auch Morddrohungen.

Behörde erkennt keine Fehler

Im Januar 2015 gibt das Regierungspräsidium Tübingen erste Ergebnisse ihrer Überprüfung bekannt. Sie hat keine Verfehlungen nachgewiesen. Das Max Planck-Institut für biologische Kybernetik kann weiter wie bisher an Affen forschen. Die Forscher behalten alle Genehmigungen.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Ende Januar 2015 durchsucht die Staatsanwaltschaft Tübingen das Max Planck-Institut. Sie ermittelt gegen das Institut wegen Tierquälerei. In mehreren Anzeigen wird dem Institut vorgeworfen, mit ihren Versuchen gegen das Tierschutzgesetz verstoßen zu haben. Ein Gutachten wird in Auftrag gegeben. Am Institut wurde nach den Vorfällen ein zusätzlicher Tierarzt eingestellt.

Hirnforscher gibt auf

Anfang Mai 2015 teilt die Max Planck-Gesellschaft mit, dass der zuständige Professor Nikos Logothetis die Affen-Experimente beenden wird. Künftig will er nur noch Versuche mit Nagetieren machen. Logothetis ist Direktor des Tübinger Max Planck-Institutes für Biologische Kybernetik. Dem Hirnforscher war der öffentlich Druck und die Drohungen zu groß geworden.

Angestellte erfindet Angriffe

Logothetis kritisiert daraufhin seinen Arbeitgeber, er habe ihn und seine Mitarbeiter im Streit um die Tierversuche zu wenig unterstützt. Die Behörden hätten es außerdem nicht geschafft, persönliche Drohungen gegen die Mitarbeiter zu verhindern.

Im Dezember 2015 bekommt eine Tübinger Angestellte des Instituts für Biologische Kybernetik eine Geldstrafe. Sie hatte Übergriffe von Tierschützern auf sich erfunden.

Anzeige wegen Strafvereitelung

Tierschützer haben in Tübingen immer wieder gegen die Affenversuche protestiert. Im Mai 2016 gehen 500 Tierschützer in Tübingen auf die Straße.

Im August 2016 bestätigt die Tübinger Staatsanwaltschaft eine Anzeigen wegen Strafvereitelung. Die Soko Tierschutz hat den Leiter des Instituts angezeigt, weil er vor einer Hausdurchsuchung der Staatsanwaltschaft das Bildmaterial über die umstrittenen Affenversuche vernichtet haben soll. Das Max Planck-Institut für biologische Kybernetik weist die Vorwürfe zurück.

Gutachten verzögert sich

Die Staatsanwaltschaft teilt auf Anfrage des SWR mit, dass sie erst in ein paar Monaten mit einem Gutachten rechnet. Es sollte im Herbst 2016 vorliegen. Der Gutachter habe aber so viel zu prüfen, dass er frühestens Anfang 2017 Ergebnisse vorlegen könne.

Beendigung der Affenversuche

Ende Oktober verkündet das Max Planck-Institut, dass die Affenversuche Ende 2016 auslaufen. Im November korrigiert sich das Institut: Jetzt sollen im April 2017 die letzten drei Versuchsreihen beendet werden.