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L 154 im Albtal bei Görwihl Unmut über gesperrte Straße immer lauter

Die L 154 ist eine Legende. Geliebt von den Touristen, geschätzt von den Einheimischen. Doch die Behörden haben diese Straße im unteren Abschnitt gesperrt – auf unbestimmte Zeit.

Die L154 führt von Sankt Blasien im Hochschwarzwald bis hinunter nach Albbruck am Hochrhein. Eine Straße wie aus dem Bilderbuch – atemberaubend und spektakulär. Ihr Problem sind die steilen Felswände. An zahlreichen Stellen hat sich der Stein gelockert, Geologen befürchten Schlimmes. Die Sicherung der Felswände würde viel Geld kosten, bezahlen will das Land bislang aber offenbar nicht und so bleibt die Straße weiter gesperrt. Das treibt inzwischen immer mehr Menschen auf die Palme.

4:38 min

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L 154 bei Görwihl

Gesperrte Straße treibt Albtäler auf die Palme

Christof Gerlitz

Die L 154 ist eine Legende. Geliebt von den Touristen, geschätzt von den Einheimischen. Doch die Behörden haben diese Straße im unteren Abschnitt gesperrt – auf unbestimmte Zeit.

Wild und romantisch schlängelt sich die L 154 durch das tief eingeschnittene Albtal. Aber die L154 ist dicht, aus Sicherheitsgründen gesperrt, seit 13 Monaten schon. Ein Kamera-Team des SWR darf sie zu Fuß betreten, auf eigene Gefahr, versteht sich. Der Chef des Straßenamtes soll für das Team die Absperrung aufschließen, sofort wird klar, was die Einheimischen von der Sperrung ihrer Straße halten.

Die Allermeisten in der Gegend sind nicht einverstanden und ihr Unmut wird immer lauter. Man kann die Betroffenheit fast greifen. Es ist, als hätte man den Menschen etwas ganz Persönliches weggenommen und jetzt leiden sie darunter. Dutzende wären gekommen, wenn man gewollt hätte, um ihrem Protest Ausdruck zu verleihen. Die Sperrung der L 154 ist ein Stich tief ins Herz des idyllischen Albtals.

Als die Sonne am Morgen des Drehs über die dunkle Felskante bricht, trifft das SWR-Team Paul Eisenbeis. Er war Geschichtslehrer, jetzt will er von der Gesichte dieser Straße erzählen. Wer von der Vergangenheit nichts weiß, sagt Eisenbeis, lebt blind in die Zukunft. Etwa drei Millionen Euro würde Sanierung der Straße kosten. Und die Menschen hier fragen sich: Was sind schon drei Millionen im Vergleich zu den Milliarden von Stuttgart 21?

Doch auf dem weiten Weg in die Hauptstadt verhallen Fragen wie diese bislang ungehört. Die L 154 gehört für die Albtäler zu ihrem Leben, wie das Elternhaus, der kleine Garten, der Fluss. Die L 154 war eine Attraktion für die Touristen. Die Einheimischen hat sie auf schnellstem Weg nach Hause gebracht, im Winter sicherer als andere Straßen, weil sie kaum Steigung und Gefälle hat.

Der Weg führt das Kamera-Team drei Kilometer das Albtal hinauf, durch insgesamt fünf Tunnel, jeder einzelne mühsam aus dem Fels geschlagen und gesprengt, vor mehr als 150 Jahren. Auch das obere Gitter muss niemand mehr aufschließen, es wurde längst aufgebrochen. Jenseits der Absperrung sind die Fernseh-Leute mit einem Bürgermeister verabredet – drei stehen plötzlich da, von den Gemeinden Görwihl, Dachsberg, Albbruck. Mit großen Sorgenfalten und der Angst davor, dass die Region ganz langsam ausblutet.

Die L 154 – diese Straße ist mehr als Romantik und Asphalt. Sie ist wie eine Lebensader, verbindet die Menschen, ist ein Teil von ihnen. Seit 13 Monaten ist sie nun schon gesperrt. Weit weg von Stuttgart ist das vermutlich kein gutes Zeichen. Doch wenn eines sicher ist, dann dies, dass die Menschen rund ums Albtal weiter für "ihre" Straße kämpfen werden.