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Kreis Rottweil will Tafelläden fördern Wachsende Armut

Die Zahl der Kunden in den 45 südbadischen Tafelläden nimmt zu. Immer häufiger kommen Rentner, Vollzeitkräfte im Niedriglohnsektor und Asylbewerber zum Einkaufen.

Leere Regale für Frischprodukte im Tafelladen

Kühlregal im Tafelladen (Symbolbild)

Dreimal die Woche hat der Tafelladen in Villingen zwei Stunden lang geöffnet. Die Rentnerin Olga Beck, 81 (Name geändert) trägt eine Stofftasche raus. "Ich hab allerhand gefunden, Brötchen und Karotten." Auch Helene Seiler, 74 Jahre alt, geht seit Jahren im Tafelladen einkaufen.

"Es ist für uns Rentner sehr günstig. Mein Mann und ich haben eine kleine Rente. Wir haben 1.100 Euro und davon gehen schon 450 Euro für die Miete ab. Das Einkaufen im Tafelladen macht aber fast keinen Spaß mehr. Es ist einfach so überfüllt. Man kriegt einen Joghurt für zehn Cent und sonst zahlst man das Drei- oder Vierfache. Es macht halt doch was aus und man spart etwas ein."

Kundenstamm hat sich verändert

Die Armut hat sich verändert, sagt Helgina Zimmermann. Sie leitet den Trägerverein der Tafel in Villingen-Schwenningen, der fünf Läden unterhält, auch noch in Triberg, St. Georgen und Donaueschingen.

Es käme die Altersarmut dazu, es gebe Rentner, die ihre ganze Lebensstrategie darauf ausgerichtet haben, dass sie in der Tafel einkaufen können. Außerdem kämen Alleinerziehende hinzu, und jetzt aktuell auch viele Flüchtlinge. "Das Elend hat einfach kein Ende.", sagt sie.

Aktuell sind rund 1.000 Einkaufsausweise ausgegeben für die Tafelläden im Schwarzwald-Baar-Kreis. Das sind zehn Prozent mehr als im Jahr 2013. Einen Ausweis kann bekommen, wer als Einzelperson weniger als 900 Euro Einkommen im Monat hat, bei Ehepaaren sind es 1.300 Euro, und pro Kind kommen 250 Euro hinzu. Hinter jedem Ausweis steht meist eine sogenannte Bedarfsgemeinschaft, weitere Personen, die von den günstigen Nahrungsmitteln leben. Und die Zahl der Einkäufe steigt: 16.800 waren es 2013, dieses Jahr war man schon Ende Oktober bei über 16.000 Einkäufen.

Helgina Zimmermann rechnet hoch, dass auf diese Weise rund 50.000 Mal im Jahr Menschen mit preisgünstigen Lebensmitteln versorgt werden. Immer häufiger seien auch Personen dabei, die zwar Arbeit hätten, aber von ihrem Lohn nicht leben könnten.

"Sie arbeiten acht Stunden arbeiten, liegen aber immer noch unter diesen 900 Euro für Einzelpersonen. Sie stocken beim Jobcenter auf, und bekommen einen Einkaufsausweis. Lange war das überhaupt kein Thema bei uns." Bis vor etwa zwei Jahren. Als die Anträge kamen und die Lohnbescheinigungen dazu, war Helgina Zimmermann und ihre Mitarbeiter sehr geschockt. "Das darf es doch nicht geben!"

Kreis Rottweil will Tafelläden bezuschussen

Die meisten Tafelläden sind rein ehrenamtlich organisiert, sie leben von Geld- und Nahrungsmittelspenden und bekommen keine öffentlichen Zuschüsse. Im Kreis Rottweil soll sich das ändern. Dort sollen von kommendem Jahr an die vier Tafelläden mit insgesamt 10.000 Euro aus dem Kreisetat bezuschusst werden. Ein entsprechender Antrag wurde nahezu einstimmig angenommen.

"Die Tafelläden machen eine tolle Arbeit", sagt Kreisrätin Ruth Hunds, "und übernehmen ja auch vieles, was vielleicht eine Aufgabe für den Landkreis oder auch für die Städte wäre. Und insofern ist es nur recht und billig, dass man einfach jetzt auch versucht, die Tafelläden in ihrer Arbeit zu unterstützen. Ich freue mich auch, dass in allen Fraktionen die Bereitschaft da war, Tafelläden zu fördern."

Nach Auskunft des Landesverbands der Tafelläden wäre Rottweil der erste Landkreis in Baden-Württemberg, der die Tafelläden direkt fördert.