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Familie Herder Eine Verlegerfamilie in Freiburg

Grenznähe immer im Bewusstsein

Die Herders gehören zu den vornehmsten Familien Freiburgs. In dritter Generation leitet Hermann Herder (geboren 1864) das christlich geprägte Verlagshaus mit mehreren hundert Angestellten. Seine Frau Charlotte Herder (geboren 1872) widmet sich ihrer Familie und repräsentativen Aufgaben.


Das Ehepaar Herder hat viele internationale Kontakte und ist dennoch wie die meisten Angehörigen des Bürgertums patriotisch-national gesinnt. Im Juli 1914 weilt Charlotte Herder auf dem Feldberg im Schwarzwald, um sich von einer schweren Bronchitis zu erholen. Immer wieder kommen ihr Mann und Tochter Elisabeth zu Besuch. Sie berichten von den Ereignissen auf dem Balkan. Die Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand und seiner Frau Sophie am 28. Juni 1914 in Sarajewo löst zunächst keine Panik in Freiburg aus.

Erst das Ultimatum Österreich-Ungarns an Serbien am 23. Juli 1914 versetzt die Einwohner der Universitätsstadt in große Unruhe. Abends versammeln sich Hunderte vor den Redaktionen der Lokalzeitungen, um sich über die neuesten Entwicklungen zu informieren. So auch am 28. Juli 1914, als die Kriegserklärung der Doppelmonarchie an Serbien bekannt wird.

Die Grenznähe schürt Ängste


In der Tat ist kaum eine Gegend so nah am drohenden Kriegsgeschehen wie der Südwesten Deutschlands. Berichte in den örtlichen Zeitungen Südbadens schwanken zwischen Hoffen und Bangen. Zunächst glauben viele Menschen an die Vermeidbarkeit und später wenigstens an die Begrenzbarkeit des Krieges. Dennoch befürchten die Menschen einen möglichen Einmarsch der Franzosen im benachbarten Elsass, das damals noch zum Deutschen Reich gehört, sowie - schlimmer noch - auch in Südbaden.

Charlotte Herder hat Alpträume:



Als wenig später der Krieg beginnt, bleibt die Grenznähe immer im Bewusstsein der Menschen. Im gesamten Deutschen Reich ist die Mehrheit der Bevölkerung überzeugt, das Vaterland führe aus "Notwehr" einen Verteidigungskrieg. Gerade aber die geografische Nähe zu den einsetzenden Kämpfen in den Vogesen gibt dieser allgemeinen Überzeugung eine zusätzliche Bedeutung: Der Krieg dient auch ganz konkret dem unmittelbaren Schutz der eigenen badischen Heimat.