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"Betonmord"-Prozess in Stuttgart wieder aufgerollt Staatsanwalt hält Deniz E. weiter für gefährlich

Zehn Jahre nach dem Urteil gegen die Mörder des Schülers Yvan Schneider wird nun über die Freilassung des letzten Haupttäters verhandelt. Die Staatsanwaltschaft hält neue Gewalttaten für möglich.

2:04 min | Mo, 5.3.2018 | 18:00 Uhr | SWR Fernsehen BW

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Neuer Prozess in Stuttgart

Sicherungsverwahrung für Betonmörder?

Vor über zehn Jahren wurde ein 19-jähriger Schüler in Kernen-Rommelshausen (Rems Murr-Kreis) getötet und seine Leichenteile einbetoniert im Neckar versenkt. Fast alle Mörder sind längst wieder frei - seit Montag wird aber verhandelt, ob der Haupttäter dauerhaft in Haft bleibt.

Das am Montag begonnene Verfahren vor dem Landgericht Stuttgart dreht sich im Kern um die Frage, welche Gefahr von dem verurteilten Mörder heute ausgeht. Die Staatsanwaltschaft hält den heute 29-Jährigen nach wie vor für gefährlich und will ihn nach Verbüßen seiner Jugendstrafe in Sicherungsverwahrung wegschließen lassen.

Zu Prozessbeginn wollte sich Haupttäter Deniz E. vor Gericht nicht äußern. Das gelte auch für die nächsten Verhandlungstage, wie eine seiner Anwältinnen bestätigte. Bei einer Vernehmung im November soll Deniz E. laut Gericht gesagt haben, dass er - wie seine Mittäter auch - eine zweite Chance verdient habe. Er wisse, was er damals getan habe, und dass das falsch gewesen sei. Das neue Verfahren gegen ihn, halte er aber für eine "Frechheit", weil er damit zwei Mal wegen derselben Tat bestraft werden solle.

Einbetonierte Leichenteile im Neckar versenkt

Der zugrundeliegende grausame "Betonmord" hatte vor knapp elf Jahren für Schlagzeilen gesorgt. Der damals 19-jährige Yvan Schneider war im August 2007 auf eine Wiese in Kernen-Rommelshausen (Rems-Murr-Kreis) gelockt worden. Eine 17-Jährige hatte ihrem eifersüchtigen Freund von einem angeblichen intimen Verhältnis mit dem Opfer erzählt. Dieser habe sie entjungfert. Die beiden jungen Männer töteten den Gymnasiasten mit einem Baseballschläger und Fußtritten vor den Augen des Mädchens. Seine Leiche wurde anschließend zerstückelt und die einbetonierten Leichenteile im Neckar versenkt.

Staatsanwaltschaft sieht neue schwere Gewalttaten möglich

Zweieinhalb Stunden lang wurden am Montag Akten verlesen. Beschlüsse, Auszüge aus Urteilen, Protokolle von Vernehmungen. Sieben Prozesstage soll es bis zum 9. April geben, vier Zeugen gehört werden. Entscheidend werden aber die Gutachten von zwei Sachverständigen sein. Wie schätzen sie die Gefahr ein, die nach zehn Jahren Haft von dem 29-Jährigen ausgeht? Die Staatsanwaltschaft ist sich sicher: Eine Aufarbeitung der Tat sei in der Haft nicht gelungen. Eine psychische Störung mache den Mann zu einer Gefahr, neue schwere Gewalttaten seien nicht auszuschließen.

Der Tatort bei Rommelshausen im Remstal wurde zur Gedenkstätte.

Der Tatort wurde damals zur Gedenkstätte.

Angeklagter ist in Psychiatrie

Nach Ablauf der Jugendstrafe im vergangenen Sommer war der Angeklagte in eine geschlossene Psychiatrie verlegt worden. Allerdings wehrt er sich in einem anderen Verfahren in Karlsruhe dagegen.

Fest steht bislang, dass der Mörder nach seiner Freilassung in die Türkei abgeschoben wird, wo er mindestens zehn Jahre zu bleiben hat. Deniz E. stört sich daran, denn er würde in ein Land abgeschoben werden, dessen Sprache er nicht spreche.

Seine Komplizen von damals sind alle wieder frei: Sowohl der damals 18 Jahre alte Mittäter, der ebenfalls mit zehn Jahren Haft bestraft wurde, als auch eine damals 17-Jährige und ein 23-Jähriger, die 2008 zu neun und drei Jahren verurteilt worden waren.

Der Prozess wird am 8. März fortgesetzt.