Bitte warten...

Kampf gegen den Klimawandel Die Stromrebellen von Mörlenbach

Wer nicht auf die Energiewende warten will, muss selbst aktiv werden - so wie Hermann Lihl. Mit einer neuartigen Photovoltaik-Anlage will er den Energie-Riesen Paroli bieten.

Die Stromrebellen von Mörlenbach

Hermann Lihl und seine Schwester setzen auf selbstproduzierten Strom

Hermann Lihl strahlt mit der Sonne um die Wette. Der ehemalige Fernmeldetechniker aus Mörlenbach hat auf dem Balkon seiner Schwester Ute ein High-Tech-Gerät installiert, mit dessen Hilfe er Vattenfall, Eon und Co in die Knie zwingen will. Dabei handelt es sich um eine neuartige Photovoltaik-Anlage, die in der Lage ist, bis zu 250 Watt Strom zu produzieren und ins Hausnetz einzuspeisen.

Klein aber effektiv

Das Gerät ist ungefähr so groß wie eine Tischplatte und mit knapp 700 Euro auch bezahlbar, sagt Hermann Lihl. Entwickelt wurde das die Miniatur-Anlage von einem Ingenieur aus Neustadt an der Weinstraße. Der Clou: Die Montage ist ganz einfach: Das Modul wird wie ein Blumenkasten über die Brüstung gehängt, festgeschraubt und einfach in eine spezielle Außensteckdose gesteckt. Dann muss eigentlich nur noch die Sonne scheinen. Große Mengen an Strom werden dadurch zwar nicht erzeugt, räumt Ute Lihl ein, aber immerhin so viel, dass ihr Energieversorger stundenweise leer ausgeht.

Genehmigung mit Widerständen

Ein neuartiges Photovoltaik-Modul versorgt das Haus mit Strom

Ein neuartiges Photovoltaik-Modul versorgt das Haus mit Energie

Es gibt aber auch einen Haken: Da die Klein-Module noch nicht lange auf dem Markt sind, sind viele Fragen noch ungeklärt. Hermann Lihl musste mehrere Monate lang immer wieder beim Netzbetreiber nachhaken, bis er vergangene Woche endlich die offizielle Genehmigung zur Inbetriebnahme im Briefkasten hatte. Die einzige Auflage: Ute Lihl muss ihren alten Stromzähler gegen einen neuen austauschen, der über eine so genannte "Rücklaufsperre" verfügt.

Stromrevolution aus der Bürgerschaft

Es gab aber noch ein weiteres Problem: Die Anlage muss durch einen Elektriker genehmigt werden. Mehrere Handwerker, sagt Hermann Lihl, lehnten diesen Auftrag aber ab. Seine Vermutung: Die Elektriker wurden durch den Netzbetreiber eingeschüchtert. Ein Elektromeister aus Lindenfels erklärte sich dann aber schließlich zur Installation bereit. Jetzt hofft Familie Lihl darauf, dass möglichst viele Menschen ihrem Vorbild folgen - und die Stromrevolution aus der Bürgerschaft vorantreiben.