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Aufklärungsprozess um Missbrauchsfälle in Korntal Mehr als 70 ehemalige Heimkinder melden sich

Seit April können sich Opfer der Missbrauchsfälle in Heimen der Evangelischen Brüdergemeinde in Korntal (Kreis Ludwigsburg) bei einer Aufklärerin melden. Die Gemeinde hat nun erste Zahlen veröffentlicht.

Kinderheim von oben

Ein Kinderheim der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal (Archiv)

Bereits mehr als 70 ehemalige Heimkinder sind auf die für die Aufklärung zuständige Richterin Brigitte Baums-Stammberger zugekommen. Das teilte die Brüdergemeinde mit. Bis Jahresende sollen demnach rund 30 weitere Gespräche mit Baums-Stammberger stattfinden. Außerdem habe der Erziehungswissenschaftler Benno Hafenegger bis Oktober 15 Gespräche mit ehemaligen Mitarbeitern der Brüdergemeinde geführt.

In den Heimen der Gemeinde wurden in den 50er bis 70er Jahren Kinder misshandelt und sexuell missbraucht. Auch die Brüdergemeinde geht mittlerweile davon aus, dass die Vorwürfe stimmen. Betroffene sollen in der Regel 5.000, maximal 20.000 Euro als sogenannte Anerkennungsleistung von der Gemeinde bekommen. Strafrechtlich sind die Taten verjährt. Die Brüdergemeinde plant, den Aufklärungsprozess im Frühjahr 2018 abzuschließen.

Kritik am Aufklärungsprozess

Der Aufklärungsprozess wurde immer wieder scharf kritisiert. Im November war die ehemalige Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) aus einer Korntaler Vergabekommission zurückgetreten. Dort hätte sie mitentscheiden sollen, wie viel Geld die Brüdergemeinde einzelnen Opfern zahlen muss.

Altpeter bezeichnete den Aufklärungsprozess als intransparent und berichtete von einem Klima, in dem das Hinterfragen bestimmter Dinge als Irritation gelte. Unter diesen Umständen könne sie nicht sinnvoll arbeiten.

Ehemaliges Heimkind bezeichnet Aufarbeitung als "verlogen"

Auch mehrere ehemalige Heimkinder sind offenbar nicht mit der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle einverstanden. Der prominenteste unter ihnen, Detlev Zander, hatte die Missbrauchsvorwürfe 2014 öffentlich gemacht. Er beteiligt sich nicht an der Aufklärung.

Den Rücktritt Altpeters schreibt er dem "Diktat der Brüdergemeinde" zu. Er bezeichnete das Konzept der Aufarbeitung schon beim offiziellen Auftakt als "verlogen". Die Brüdergemeinde wolle nicht, dass alles auf den Tisch komme, und hauptsächlich bis zu ihrem 200. Jubiläum 2019 das Thema Missbrauch vom Tisch haben, lautet sein Vorwurf.

Die Aufklärer Hafenegger und Baums-Stammberger halten sich derweil zurück. Sie wollen sich bis zur Veröffentlichung des Abschlussberichtes nicht mehr äußern.

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