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Europäischer Gerichtshof Richter blockieren in einem Grundsatzurteil den Weg für den breiten Einsatz eines umstrittenen Gentechnikverfahrens.

Auch für die neuen Methoden der der Genveränderung, für das so genannte Genome-Editing gelten die strengen europäischen Regeln in Sachen Gentechnik

Europäischen Gerichtshofs EuGH

Europäischer Gerichtshof (EuGH)

Von Gigi Deppe

Das Kürzel CRISPR klingt so als wäre es ein neues, knuspriges Müsli. Aber hinter der Abkürzung mit den Großbuchstaben C-R-I-S-P-R steckt viel mehr. Es geht um eine ganz grundsätzlich neue Form, Gene zu verändern – nicht, um unbedingt fremde Genbestandteile in eine Zelle zu schleusen. Sondern, um einen bestimmten Teil des Gens herauszuschneiden und dann bei der Reparatur durch die Zelle selbst, darauf zu warten, dass dieser Abschnitt des Gens nicht mehr lesbar ist. Oder sogar neue kleine Abschnitte an dieser Stelle „einzuflicken“. Der englische Oberbegriff: „Genome editing“, was Wissenschaftler teilweise mit „Genomchirurgie“ übersetzen.

Wie in der Natur?

Die zelleigene Reparatur, so sagen Befürworter, sei grundsätzlich auch der Weg, wie sich Erbgut in der Natur verändert. Oder was sich bei Züchtungen abspielt. Aber Züchtungen hatten in der Vergangenheit einen Haken: Die Bestrahlung oder die Behandlung mit Chemikalien war ziemlich ungenau. Meist veränderte sich zu viel am Gen, und die Züchter hatten viel Arbeit, die gewünschte Änderung durch Nachbearbeitung herauszufiltern. Im Jahr 2012 hatten aber zwei Forscherinnen in den USA herausgefunden: Es geht einfacher, schneller und billiger. Und zwar bei allen Lebewesen, bei Pflanzen und bei Tieren. Mit einem bestimmten Protein lassen sich relativ punktgenau einzelne Stellen im Genom ansteuern, dann quasi aufschneiden. Und durch die eigene Reparatur der Zelle verändert sich das  Erbmaterial.

Für den EuGH mit klassischer Gentechnik vergleichbar

Schnell stellte sich aber die entscheidende Frage: Ist das jetzt Gentechnik im klassischen Sinn oder nicht? Das heißt, müssen alle Verfahren und Sicherungen eingehalten werden, die die europäischen Gesetzen vorgeschreiben?
Das oberste Gericht der EU tritt jetzt auf die Bremse: Auch für die neuen Methoden der Genveränderung gelten die strengen europäischen Regeln in Sachen Gentechnik. Nur die schon bekannten Züchtungsmethoden, also Mutationen ohne fremdes Genmaterial, die dürfen nach wie vor grundsätzlich frei praktiziert werden. Aber, so die Richter, das Genom-Editing, das könnte massive Auswirkungen haben, könnte lebende Organismen über Landesgrenzen verbreiten. Die Auswirkungen könnten unumkehrbar sein. Nach dem Vorsorgeprinzip müssten aber menschliche Gesundheit und  Umwelt geschützt werden.

In Europa gelten damit andere Regeln als in den USA

Industrie und Landwirtschaft hatten sich zum großen Teil vom EuGH etwas anderes erhofft. In den USA werden jetzt schon Champignons verkauft, die mit Genome-Editing so verändert wurden, dass sie an Druckstellen nicht mehr braun anlaufen. Geringfügige Genveränderungen bei Weizen oder  Soja, aber auch Eingriffe in das Genmaterial von Tieren, all das hätte viel wirtschaftlichen Erfolg versprochen. Der EuGH hat sich jetzt den Gegnern angeschlossen: Auch wenn gezielt nur kleine Bestandteile  verändert werden, ohne fremdes Material, seien jedoch weitreichende Eingriffe in das Erbgut möglich, bei denen sich die Folgen schwer abschätzen ließen.