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Existenzbedrohung wegen Rheintalbahn-Sperrung Eisenbahn-Unternehmen fordern Millionen

Wegen der siebenwöchigen Sperrung der Rheintalbahn bei Rastatt fordern mehrere Eisenbahn-Unternehmen von der Deutschen Bahn Schadenersatz in Millionenhöhe. Es ist nicht das erste Mal.

An der Baustelle des Bahntunnels Rastatt (Baden-Württemberg) finden am 27.09.2017 bei Niederbühl Arbeiten statt (Luftaufnahme).

Auf der Strecke fahren sonst täglich bis zu 200 Güterzüge

In einem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Schreiben an den Vorstand der DB Netz AG heißt es: "Bisher blieben alle Hilferufe des Sektors zur Bewältigung der finanziellen Folgen der Havarie unbeantwortet." Das Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE) hatte mit zwei Dutzend Verbänden wiederholt - und bislang vergeblich - um kurzfristige staatliche Hilfe unter anderem bei Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) gebeten.

Die Firmen beklagen teils existenzbedrohende Ausfälle wegen der noch bis Montag gesperrten wichtigen europäischen Transportroute, auf der sonst täglich bis zu 200 Güterzüge fahren.

Mehrkosten von rund 100 Millionen Euro

Das NEE pocht auf einen kurzfristigen Ersatz von einem "Großteil der durch die Havarie entstandenen Schäden". Erlösausfälle und Mehrkosten bei Umleitungen summieren sich nach Schätzungen des Verbands allein für die Bahn-Unternehmen im Güterverkehr auf rund 100 Millionen Euro.

Grundsätzlich haben Unternehmen, die bei der Bahn langfristig eine Trasse gebucht haben, nach NEE-Angaben einen Schadenersatz-Anspruch. Wenn dieser aber gerichtlich durchgesetzt werden muss, dürften Jahre ins Land gehen. Keine Chance auf Schadenersatz haben Betreiber von Zügen für kurzfristig beauftragte Transporte. In diesem wachsenden Segment würden aber Trassen bestellt, weshalb diese Firmen nun am stärksten betroffen seien.

"Rastatt darf nie mehr passieren"

Auch das Schweizer Transportunternehmen Bertschi prüft finanzielle Schadenersatzforderungen. Diese würden sich gegen Operateure des kombinierten Verkehrs richten, die entsprechende Züge über Rastatt anbieten, teilte Geschäftsführer Hans-Jörg Bertschi am Freitag mit. Er gehe davon aus, dass die Forderungen an die Deutsche Bahn (DB-Netz) weitergereicht würden, teilte Bertschi mit.

Der Unternehmer kritisierte die Bahn scharf, weil sie ein riskantes Tunnelbauverfahren ohne Risikoplanung eingesetzt habe und es außerdem an schnellem Krisenmanagement gefehlt habe. "Rastatt darf nie mehr passieren", ergänzte Bertschi.

Jan Arnet vom Transportunternehmen Bertschi sagte dem Schweizer Fernsehen, die siebenwöchige Sperrung der Rheintalbahn habe in seinem mittelständischen Unternehmen zu einem Umsatzverlust in Höhe von 44 Millionen Euro geführt. Der größte Schaden sei allerdings der Vertrauensverlust der Kunden in den Schienengüterverkehr, so Arnet.

Verbände wollen sich an die EU wenden

Der Landesvorsitzende Baden-Württemberg vom Verkehrsclub Deutschland (VCD), Matthias Lieb, forderte ebenfalls eine Entschädigung für die betroffenen Verkehrsunternehmen. "Es ist nicht akzeptabel, dass die Unternehmen hier keine Antwort bekommen", sagte Lieb im SWR-Interview. Der VCD und andere Verbände würden sich nun an die EU wenden, um Fortschritte für den grenzüberschreitenden Güterverkehr zu erreichen.

Lieb kritisierte insbesondere die Kommunikationspolitik der Deutschen Bahn: "Man hat einfach nicht den richtigen Zugang, wie man reagiert, wenn Störungen anstehen oder aufgetreten sind, wie man die Kunden, also Fahrgäste und Verkehrsunternehmen, schnell und umfassend informiert. Aber genau diese Information ist notwendig."

Die Strecke zwischen Rastatt und Baden-Baden ist nach einer Tunnel-Havarie seit dem 12. August gesperrt.

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