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Doping-Studie der Uni Tübingen Ergebnisse nach langem Streit veröffentlicht

Im Spitzensport wird deutlich mehr gedopt, als durch Blut- und Urintests nachgewiesen werden kann. Das geht aus einer Studie hervor, die Tübinger Wissenschaftler nach jahrelangem Kampf mit dem Leichtathletik-Weltverband jetzt veröffentlicht haben.

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Laut Studie hat rund ein Drittel aller Teilnehmer im Jahr vor der Leichtathletik-WM 2011 gedopt. Von den Teilnehmern der Pan-Arabischen Spiele 2011 gaben sogar 45 Prozent an, zuvor gedopt zu haben.

Bei Verbandskontrollen bei der Leichtathletik-WM 2011 war jedoch gerade einmal ein halbes Prozent der Tests positiv.

Indirekte Fragen, ehrliche Antworten

Die Studie hatte eine indirekte Fragemethode genutzt, bei der die Sportler anonym bleiben konnten. Deshalb seien wohl die Antworten so ehrlich gewesen, erklärte der Studienleiter Rolf Ulrich dem SWR. Der Tübinger Psychologe war selbst über das Ergebnis überrascht: "Ich persönlich als Nicht-Mediziner habe gedacht: Hoppla, was geht hier los?"

Teile der Studie waren schon vor zwei Jahren an die Öffentlichkeit gelangt und hatten zu heftigen Diskussionen geführt.

Leichtathletik-Weltverband verhinderte Veröffentlichung

Die Studie des Teams um den Tübinger Psychologen ist im Auftrag der Welt-Anti-Doping-Agentur entstanden und bereits seit 2014 fertig. Doch bisher durfte sie nicht veröffentlicht werden. Die Wissenschaftler hatten eine Verschwiegenheitserklärung abgegeben – und der Leichtathletik-Weltverband hatte bis jetzt die Publikation verhindert.

Warum die Studie jetzt doch im Fachmagazin "Sports Medicine" erschienen ist, ist nicht bekannt. Die Uni Tübingen spricht von einem langwierigen Freigabeverfahren. Für Betrachter von außen sieht es so aus, als habe der Leichtathletik-Weltverband die unangenehmen Zahlen nicht so gerne in der Öffentlichkeit gesehen. Studienleiter Rolf Ulrich wollte sich dem SWR gegenüber dazu nicht äußern, sagte aber: "Ich glaube, es wird einfach zu viel Geld verdient in diesem Bereich. Das ist wahrscheinlich schädlich für die ganze Geschichte."

Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) begrüßte die Veröffentlichung der Studie. DLV-Präsident Clemens Prokop sagte dem SWR "Gerade im Bereich dieser Materie hilft nur eines weiter: nämlich absolute Transparenz." Welche Interessen hinter der Auseinandersetzung mit dem Leichtathletik-Weltverband standen, bleibt vorerst unklar.