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CDU-Parteitag in Reutlingen Strobl wiedergewählt - ohne Glanz und Gloria

So sieht kein strahlender Sieger aus. Zwar wurde Thomas Strobl von seiner CDU Baden-Württemberg auf dem Parteitag in Reutlingen mit 82 Prozent wiedergewählt - das aber ist deutlich weniger als noch vor zwei Jahren.

2:14 min | Sa, 9.9.2017 | 18:00 Uhr | SWR Fernsehen BW

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Landesparteitag der BW-CDU

In der Partei rumort's

Gerade einmal 82 Prozent der Stimmen hat Strobl bei seiner Wiederwahl als CDU-Landesvorsitzender bekommen. In seiner Partei scheint es durchaus einige Querelen zu geben.

Die Inszenierung vor der Bundestagswahl hat Tradition: Schon 2013 bestimmte die baden-württembergische CDU ihren Parteivorstand nur wenige Tage vor dem Wahltermin. Die Parteispitze verspricht sich davon nicht nur große öffentliche Aufmerksamkeit, zumal auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in Reutlingen vorbeigeschaut hat. Sie erhofft sich davon auch eine gewisse disziplinierende Wirkung. Geschlossenheit ist bei den Christdemokraten vor Bundes- oder Landtagswahlen Pflicht.

Beim Parteitag an diesem Samstag bekommt das Bild der Einigkeit aber feine Risse.

Gibt es Reibereien?

Zwar hat sich die Landes-CDU nach der schmerzhaften Niederlage bei der Landtagswahl 2016 gefangen und sich als Juniorpartner in der grün-schwarzen Koalition eingerichtet. Doch intern ist nicht alles toll. Davon zeugen zwei Ergebnisse bei den Vorstandswahlen: Landeschef Strobl wird erwartungsgemäß bestätigt. Doch mit seinen 82 Prozent liegt er unter den Ergebnissen seiner Wiederwahl von 2013 und 2015. Vor zwei Jahren hatte Strobl noch knapp 98 Prozent der Stimmen bekommen. Und der langjährige Parteivize Winfried Mack wird abgewählt - zugunsten des Europapolitikers Daniel Caspary.

Angela Merkel hält beim Landesparteitag der CDU eine Rede und Thomas Strobl schaut sie dabei von der Seite her an

Merkel schwört ihre Leute ein - und Strobl scheint zufrieden

Die parteiinterne Gemengelage ist kompliziert, persönliche Animositäten und alte offene Rechnungen sind vielfältig. Das Verhältnis des früheren Berliner Spitzenpolitikers Strobl zur Landtagsfraktion um deren Chef Wolfgang Reinhart ist nicht ohne Spannungen. Die vier baden-württembergischen CDU-Bezirke Südbaden, Nordbaden, Württemberg-Hohenzollern und Nordwürttemberg achten ebenso auf eine angemessene Vertretung in der engeren Parteiführung wie die CDU-Ebenen der Landes-, Bundes- und Europapolitik.

Mack muss weichen

Dass der Europapolitiker Caspary (Nordbaden) für das Amt des Parteivize kandidiert und gewinnt, und dafür der aus Nordwürttemberg stammende Mack, auch Fraktionsvize im Landtag, aus dem Amt gekegelt wird, werten manche in der Fraktion als Affront und auch als Strobls Schachzug. Kanzlerin Merkel sagte Caspary kurz vor der Wahl offen ihre Unterstützung zu - Strobl bestreitet, ihr das eingeflüstert zu haben. Mack gehörte zu denen, die im Landtagswahlkampf den glücklosen CDU-Spitzenkandidaten Guido Wolf unterstützten. Mack war es auch, der 2011 erfolglos gegen Strobl antrat, als es um den Parteivorsitz ging. Und er war bekanntermaßen kein Fan der grün-schwarzen Koalition.

So sieht's derzeit aus: Bei der Bundestagswahl 2013 hatte die CDU in Baden-Württemberg triumphiert. Sie holte mit 45,7 Prozent das zweitbeste Landesergebnis für die Union - nach der CSU in Bayern. Außerdem errang sie die Direktmandate in allen 38 Wahlkreisen. Insgesamt sitzen derzeit für die baden-württembergische CDU 43 Abgeordnete im Bundestag.

Wiedergewählt wurden die bisherigen Parteivize Thorsten Frei (69,1 Prozent) und Annette Widmann-Mauz (73,6 Prozent).

Merkel als Gastrednerin

Angela Merkel hält eine Rede beim Parteitag der CDU am 9.9.2017

Merkel ruft die Autoindustrie auf, Vertrauen wiederherzustellen

Merkel hatte am Samstagnachmittag die CDUler auf den Wahlkampfendspurt eingeschworen. Erneut forderte sie die Autoindustrie auf, zerstörtes Vertrauen wiederherzustellen. Sie sagte, der Dieselskandal habe große Schäden angerichtet.

"Keine Stimme zu verschenken"

"Ich sage ganz klar und deutlich: Rot-Rot-Grün ist schlecht für unser Land", so Merkel. In so unruhigen Zeiten wie diesen könne sich das Land keine Experimente erlauben. "Unser Land braucht in Zukunft vor allem Stabilität und Sicherheit." Die SPD schließe Rot-Rot-Grün aber nicht aus. "Wir haben gute Chancen, aber es ist nichts entschieden", sagte sie mit Blick auf die Bundestagswahl.

Bei der Wahl am 24. September will die CDU in Baden-Württemberg nach den Worten von Strobl "40 Prozent plus X" einfahren. Die Chancen dafür stehen gut: Nach einer jüngsten Umfrage von Infratest dimap im Auftrag des Südwestrundfunks und der "Stuttgarter Zeitung" steht sie bei 42 Prozent.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), Spitzenkandidat seiner Partei in Baden-Württemberg, mahnte, Umfragen könnten sich schnell ändern. "Wir dürfen auf keinen Fall glauben, die Wahl wäre gewonnen."

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