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IQB-Bildungsstudie für BW Kretschmann warnt vor vorschnellen Schlüssen

In der Debatte um das schlechte Abschneiden von Baden-Württembergs Schülern in der IQB-Bildungsstudie hat Ministerpräsident Kretschmann vor Schuldzuweisungen gewarnt. Pauschale Kritik sei nicht sinnvoll, sagte der ehemalige Gymnasiallehrer.

Schlechte Noten für BW-Schulen: In der IQB-Studie kommt das Land auf den vorletzten Platz (Archivbild)

Archivbild

Es gelte, genau hinzuschauen, was die Gründe sein könnten, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Freitag in Stuttgart. "Ich kann nur allen raten, das wirklich sorgfältig zu machen." Das Kultusministerium müsse seine Kernaufgabe erfüllen, herauszufinden, warum "wir da so abgesunken sind". Das sei schwieriger als man glaube, so Kretschmann.

"Die Ergebnisse sind ernüchternd", sagte auch die Kultusministerin von Baden-Württemberg Susanne Eisenmann (CDU), die die Studie in ihrer Funktion als Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK) am Freitag in Berlin vorgestellt hatte. "Das zeigt einen bundesweiten Handlungsbedarf bei der Förderung in den Kernfächern Deutsch und Mathematik." Vor allem die heterogene Schülerschaft stelle die Länder vor große Herausforderungen.

Leistungen geflüchteter Kinder mehrheitlich noch nicht erfasst

Die Studienautorin Petra Stanat erläuterte, der gestiegene Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund sei vor allem auf im Land geborene Kinder zurückzuführen. "Wir haben die Schüler, die 2015 mit Fluchterfahrung ins System gekommen sind, überwiegend noch nicht drin." Erst nach einem Jahr würden diese Schüler in den Test einbezogen. Sie erwarte aber dadurch keine starken Änderungen, denn bezogen auf eine Jahrgangsstufe seien es nicht so viele.  

Stanat betonte gleichzeitig, der gestiegene Anteil an Zuwandererkindern sei nicht gleichbedeutend mit schlechteren Leistungen. Die Trends gingen bei deutsch- und migrationsstämmigen Kindern in eine ähnliche Richtung. Bei Zuwandererkindern sei oft auch die soziale Schlechterstellung der Hauptgrund für mögliche Probleme. 

Schlechte Noten für Baden-Württembergs Grundschulen

Nach der sogenannten IQB-Studie (Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen) belegen die baden-württembergischen Schüler im Fach Deutsch Platz 13 - nach dem fünften Rang im Jahr 2011. Der Anteil derer, die den Mindeststandard nicht erreichten, lag bei 13,4 Prozent.

Beim Zuhören kamen die im Jahr 2016 geprüften Viertklässler nur noch auf den neunten Rang, nachdem sie zuvor Zweitplatzierte waren. In Mathematik stürzte das Landesergebnis regelrecht ab: Nur 62 Prozent erreichten den Mindeststandard oder übertrafen ihn. Das ist ein Minus von zehn Prozentpunkten im Vergleich zu 2011. Im Ländervergleich wich Baden-Württemberg am stärksten vom Wert aus 2011 ab.

Sozialer Status wird noch relevanter

Auch ein altes Problem taucht in der Studie wieder auf: die Abhängigkeit des Bildungserfolgs vom sozialem Status. So waren in Baden-Württemberg die Kompetenzen im Lesen 2016 stärker an den sozialen Status gekoppelt als noch im Jahr 2011.

"Das Ergebnis der Studie ist verheerend"

Aus Regierungskreisen war bereits am Donnerstag durchgedrungen, dass Baden-Württemberg zusammen mit Bremen am stärksten abgerutscht ist. CDU-Landtagsfraktionschef Wolfgang Reinhardt hatte erklärt: "Das Ergebnis der Studie ist verheerend." Schuld sei nicht die aktuelle Landesregierung, sondern vor allem die grün-rote Vorgängerregierung. Möglicherweise hätten die grün-roten Reformen zu viel Unruhe ins System gebracht und somit auch die Grundschulen geschwächt, hieß es in der CDU-Fraktion.

Das sieht der frühere Kultusminister Andreas Stoch von der SPD anders: Grün-Rot könne gar nicht schuld an der Misere sein, denn die Grundschule sei gar nicht reformiert worden. Ähnlich die Haltung der Grünen.

Gleichzeitig diskutiert die grün-schwarze Koalition über Verbesserungen und hat bereits beschlossen, dass es künftig mehr Stunden für Mathe und Deutsch in den Grundschulen geben soll. Reinhart ist zuversichtlich: "Im Vergleich zum Schuljahr 2015/16 werden die Kinder in den Grundschulen künftig acht Stunden mehr Lesen, Schreiben, Rechnen lernen. Wir stärken die Kernfächer und die Lehrer."

Schon 2016 hatte eine IQB-Studie zum Stand der Neuntklässler für Aufregung gesorgt. Demnach rutschte Baden-Württemberg im Ländervergleich auf einen der hinteren Ränge ab. Statt Platz 2 im Fach Deutsch beim Zuhören erreichten die Schüler im Land nur noch Platz 14, beim Lesen statt Platz 3 nur noch Rang 13.