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Atomkraftwerk Philippsburg Ministerium sorgt sich um Erdbebensicherheit

Die Atomaufsicht im Umweltministerium hat Vorwürfe des BUND wegen gravierender Sicherheitsrisiken bei Block II in Philippsburg bestätigt. Und sorgt sich nun: Wie erdbebensicher ist der Atommeiler?

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1:16 min | Do, 23.2.2017 | 18:00 Uhr | SWR Fernsehen BW

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AKW Philippsburg

Mängel hätten zur Katastrophe führen können

Seit 32 Jahren gibt es im Atomkraftwerk Philippsburg Sicherheitsmängel. Die Atomaufsicht bestätigte am Donnerstag Vorwürfe des BUND. Verursacher ist ein unscheinbares Bauteil.

Das baden-württembergische Umweltministerium sorgt sich im Falle eines Flugzeugabsturzes oder eines Erdbebens um die Sicherheit des Atommeilers Philippsburg 2. Nach im Dezember entdeckten Mängeln im Notspeisesystem muss der Betreiber EnBW einen umfangreichen Fragekatalog des Ministeriums abarbeiten. Dieser solle sicherstellen, dass es nicht anderswo im Kraftwerk weitere Mängel gebe, sagte ein Sprecher am Donnerstag. Die EnBW untersucht derzeit die Ursache der Mängel.

Am 20. Dezember war bei einer Routinekontrolle festgestellt worden, dass Bolzen an einer Lüftungshalterung in zwei von vier redundanten Systemen der Notspeiseversorgung gebrochen waren. Die Lüftungsschächte sichern die Kühlung bei einem Störfall. Demnach war der Druckwasserreaktor seit seiner Inbetriebnahme vor 32 Jahren nicht ausreichend gegen extreme Störfälle gesichert.

"Das ist schon ein gravierendes Ereignis"

"Bei Erdbeben und bei einem Flugzeugabsturz hätte das System zur Verfügung stehen müssen", so ein Ministeriumssprecher. Die Untersuchung des von den Grünen geführten Umweltministeriums ergab aber, dass bei schweren Erschütterungen "möglicherweise alle vier Notspeisesysteme in ihrer Funktion (Kühlung des Reaktors) beeinträchtigt" gewesen wären. "Das ist schon ein gravierendes Ereignis", betonte der Sprecher.

Die EnBW hat nach eigenen Angaben "kurzfristig technische Ersatzmaßnahmen" für die defekten Teile geschaffen und will die Befestigung der Belüftungskanäle im Rahmen der Revision optimieren. Zugleich soll die Ursache der Mängel genau untersucht und bewertet werden. Dabei seien auch Gutachter eingebunden. Danach soll KKP 2 wieder ans Netz.

Störfälle nicht beherrschbar?

Der Regionalverband des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) spricht von einem "Skandal". Geschäftsführer Hartmut Weinrebe bekräftigte deshalb die Forderung nach Abschaltung aller Kernkraftwerke im Land: "Das Restrisiko ist nicht vertretbar." Die kaputten Bolzen zeigten, dass Störfälle nicht sicher beherrschbar gewesen wären.

Die Defekte hatten am 21. Dezember zur vorzeitigen Abschaltung des Meilers KKP 2 kurz vor der ohnehin geplanten Revision geführt. Wann der Block wieder ans Netz geht, ist noch unklar. Geplant war Ende März. Bevor nicht alle Fragen geklärt sind, bleibt KKP 2 abgeschaltet. "Wir werden uns die Antworten ganz genau anschauen", unterstrich der Ministeriumssprecher. Block 2 soll bis maximal Ende 2019 Strom produzieren. Der ältere Meiler in Philippsburg, KKP 1, war schon im Zuge des Atomausstiegs 2011 abgeschaltet worden.

Die EnBW hatte die Defekte im Dezember unter anderem damit begründet, dass die Decke an einzelnen Stellen auf der Halterung aufliegt und sie so beschädigte. Das Unternehmen stufte die Störung als Sofortmeldung und in der internationalen Bewertungsskala als Kategorie 1 auf der siebenstufigen Ines-Skala ein.

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