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Unterbrochener Funkkontakt zu einem Flugzeug AKW wegen Terror-Voralarm geräumt

Ein vorsorglicher Terror-Alarm in deutschen Atomkraftwerken am Freitag hatte offenbar eine größere Dimension, als bisher gedacht. Nach WDR-Recherchen waren auch baden-württembergische Meiler betroffen.

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1:10 min | Do, 16.3.2017 | 19:30 Uhr | SWR Fernsehen BW

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Atomkraftwerk Philippsburg

Für eine Stunde evakuiert

Wegen eines vorsorglichen Terroralarms am vergangenen Freitag sind bundesweit mehr Atomkraftwerke evakuiert worden als zunächst bekannt war. Auch der Atomstandort Philippsburg wurde für eine Stunde geräumt.

Insgesamt seien in Deutschland sieben der acht noch in Betrieb befindlichen Meiler und mehrere stillgelegte Kraftwerke von dem bundesweiten "Renegade"-Voralarm betroffen gewesen, so der Westdeutsche Rundfunk (WDR). Das bestätigten die AKW-Betreiber RWE, PreussenElektra und EnBW dem WDR. Die meisten Anlagen wurden demnach für eine Stunde evakuiert. Insgesamt seien 17 Reaktoren an zwölf Standorten betroffen gewesen, meldet der WDR. Bislang sei lediglich von fünf Anlagen in Norddeutschland die Rede gewesen.

Um diese Kernkraftwerke geht es nach WDR-Recherchen:

  • In Baden-Württemberg wurde nach Angaben des Betreibers EnBW der Standort Philippsburg für etwa eine Stunde evakuiert. Der Standort Neckarwestheim sei nicht geräumt worden. Man habe "die dafür vorgesehenen Maßnahmen eingeleitet ...", zitiert der WDR die EnBW.
  • Evakuiert wurden die Kernkraftwerke Gundremmingen (nahe Ulm), Biblis, Emsland, Brokdorf, Grohnde, Unterweser, Lingen, Brunsbüttel, Grafenrheinfeld. In Krümmel sei das Personal in dem Bunker am Kraftwerk untergebracht worden.

Nach Recherchen des WDR hatte Flug Nummer AI 171 der indischen Fluggesellschaft "Air India" auf dem Weg vom indischen Ahmedabad nach London am Freitag gegen 9 Uhr deutscher Zeit auf Funksprüche der Luftüberwachung nicht mehr geantwortet. Daraufhin haben zuerst tschechische und anschließend deutsche Kampfflugzeuge Sichtkontakt zu der Boeing 787 aufgenommen. In solchen Fällen werde per Sichtkontakt überprüft, dass es keine ungewöhnliche Situation an Bord gibt. Warum der Funkkontakt für 22 Minuten unterbrochen war, ist unklar.

Was ist ein "Renegade"-Alarm?

AKW in Philippsburg

Das AKW in Philippsburg (Archiv)

"Renegade"-Fälle sind solche, in denen möglicherweise ein Luftfahrzeug aus terroristischen oder anderen Motiven als Waffe verwendet werden könnte. Der Alarm war 2003 eingerichtet worden, um den Luftraum vor solchen Bedrohungen zu schützen. Hintergrund sind die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA. Bei dem Alarm beginnt ein standardisiertes Verfahren. Die Betreiber der Anlagen haben aber einen Ermessensspielraum, wie konkret sie die Gefahr einschätzen.

Die Evakuierungen waren dem WDR zufolge nur zufällig öffentlich geworden, weil Demonstranten während einer Mahnwache vor dem AKW Brokdorf den Alarm auf dem Kraftwerksgelände und entsprechende Gespräche der Polizei mitbekamen.

AKW nicht gesichert gegen gezielte Attacke per Flugzeug?

Der WDR berichtet, dass keines der deutschen Atomkraftwerke nach Einschätzung vieler Fachleute gegen eine gezielte Attacke mit einem großen Passagierflugzeug gesichert sei. Allein die Energie durch den Aufprall könne zu erheblichen Schäden an der Reaktorhülle und anderen sicherheitstechnischen Einrichtungen führen, erklärt der frühere Leiter der Abteilung Reaktorsicherheit im Bundesumweltministerium, Dieter Majer, gegenüber dem WDR. Hinzu käme die Feuergefahr durch die großen Mengen an Treibstoff.

Der niedersächsische Umweltminister, Stefan Wenzel (Grüne), fordert im WDR als Konsequenz, künftig in solchen Fällen mit der Öffentlichkeit anders umzugehen. Der Bund müsse "jederzeit sicherstellen, dass die Bürgerinnen und Bürger rechtzeitig über Maßnahmen informiert werden", so Wenzel wörtlich.

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