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Hintergrund Chronologie der Kosten-Explosion bei S21

Seit den ersten Plänen für eine Tieferlegung des Stuttgarter Hauptbahnhofs 1994 sind die prognostizierten Kosten für das umstrittene Bahnprojekt deutlich gestiegen. Wir dokumentieren die Kosten-Explosion.

Kostenexplosion bei S21

Die für S21 vorhergesagten Kosten steigen und steigen

  • November 1995: Bahn, Bund, Land und Stadt unterzeichnen eine Rahmenvereinbarung. Das Projekt soll rund fünf Milliarden Mark (knapp 2,6 Milliarden Euro) kosten.
  • September 2006: Eine Wirtschaftlichkeitsberechnung der Bahn gibt die neuen Kosten von Stuttgart 21 mit 2,8 Milliarden Euro an.
  • 19. August 2008: Die Landesregierung räumt Mehrkosten bei Stuttgart 21 ein. Das Vorhaben soll jetzt 3,076 Milliarden Euro kosten.
  • 3. November 2008: Der Bundesrechnungshof prophezeit Mehrkosten von mehr als zwei Milliarden Euro. Die Prognose des Finanzkontrolleure für Stuttgart 21 lautet auf mehr als fünf Milliarden Euro.
  • 2. April 2009: Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU), Bahn-Vorstand Stefan Garber sowie für den Flughafen Georg Fundel und Walter Schoefer unterzeichnen den Finanzierungsvertrag Stuttgart 21. Kostenstand für Stuttgart 21: gut drei Milliarden Euro.

Bahn definiert "Sollbruchstelle" für Stuttgart 21

  • 8. November 2009: Bahnchef Rüdiger Grube legt die "Sollbruchstelle" für Stuttgart 21 mit 4,53 Milliarden Euro fest. Werde diese Grenze überschritten, müssten die Projektträger erneut über die Finanzierung sprechen.
  • 10. Dezember 2009: Nach dem Bahnaufsichtsrat stellen auch die anderen Geldgeber Land, Stadt und Region Stuttgart trotz einer Kostensteigerung auf jetzt 4,1 Milliarden Euro die Weichen für Stuttgart 21.

Die Bauarbeiten beginnen im Februar 2010

  • 27. Juli 2010: Bahnchef Grube gibt für die Schnellbahntrasse nach Ulm eine Kostensteigerung um 865 Millionen Euro auf 2,9 Milliarden Euro bekannt.
  • 11. August 2010: Ein Gutachten für das Umweltbundesamt wird bekannt, das für Stuttgart 21 und die neue Schnellbahntrasse eine weitere Kostenexplosion auf bis zu 11 Milliarden Euro vorhersagt.
  • 8. September 2010: Auch nach einem neuen Gutachten des Münchner Ingenieurbüros Vieregg & Rössler droht eine Kostenexplosion. Danach werden sich die Ausgaben für die neue ICE-Trasse auf mindestens 5,3 Milliarden Euro belaufen. Für die Neuordnung des Bahnknotens Stuttgart kamen sie auf 6,7 bis 8,7 Milliarden Euro.
  • 30. November 2010: Stuttgart-21-Schlichter Heiner Geißler gibt der Bahn Nachbesserungen an Stuttgart 21 mit auf den Weg, deren Kosten nach Ansicht von Gegnern auf bis zu 500 Millionen Euro betragen könnten. Die Befürworter erwarten dagegen nicht mehr als 100 Millionen Euro Zusatzkosten.
  • 7. Dezember 2010: Die Bahn hat nach einem Zeitungsbericht schon bei der Unterzeichnung der Finanzierungsverträge über Stuttgart 21 im April 2009 deutliche Kostensteigerungen verschwiegen. Statt der im Vertrag genannten 3,076 Milliarden Euro hätten die Bahnplaner bereits Ende 2008 Kosten von 3,93 Milliarden Euro ermittelt.
  • 1. April 2011: Ein Brief des damaligen Bahn-Chefplaners Hany Azer an seinen Arbeitgeber nährt neue Zweifel an der Finanzierbarkeit. Geplante Einsparungen von 900 Millionen Euro, mit denen die Bahn die Kosten auf 4,1 Milliarden Euro drücken will, seien nur schwer realisierbar. Bekannt wird ebenfalls eine bahninterne Liste mit 121 Risiken in Höhe von 1,2 Milliarden Euro.
  • 14. August 2011: Das grüne Verkehrsministerium stellt Rechercheergebnisse vor, nach denen schon die schwarz-gelbe Koalition Zweifel an der Kalkulation der Bahn hatte. Demnach ist in einem Aktenvermerk von November 2009 festgehalten, die Kosten lägen nahe an fünf Milliarden Euro.

Grün-Rot: keine Finanzierung von Mehrkosten oberhalb des Kostendeckels

  • 13. September 2011: Das grün-rote Kabinett macht mit einem Beschluss deutlich, dass das Land maximal 930 Millionen Euro zahlt, selbst wenn der Kostendeckel von 4,5 Milliarden Euro gesprengt werden sollte.
  • 16. September 2011: Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) gibt in einer Sondersitzung des Landtags die Stuttgart-21-Kosten erneut mit bis zu sechs Milliarden Euro an.
  • 23. März 2012: Die Bahn gibt bekannt, dass der Bahnhof voraussichtlich erst mit einem Jahr Verzögerung im Jahr 2020 in Betrieb geht - und sieht die Bausumme nach wichtigen Vergaben bei 4,3 Milliarden Euro.
  • 23. Oktober 2012: Der Flughafenbahnhof wird teurer. Die Bahn beziffert die Kosten für den sogenannten "Filderbahnhof plus" auf 760 Millionen Euro, 224 Millionen Euro mehr als bisher genannt.
  • 3. Dezember 2012: Aus Kreisen des Bahn-Aufsichtsrats heißt es, Stuttgart 21 könne rund eine Milliarde Euro teurer werden.
  • 6. Dezember 2012: Noch einmal 500 Millionen Euro mehr. Ein Vertreter des Bahn-Konzerns sagt dem Hessischen Rundfunk: "Insgesamt läuft es auf Kosten von sechs Milliarden hinaus."

Mehrkosten in Milliardenhöhe

  • 12. Dezember 2012: Nach einer Neukalkulation der Bahn wird das Projekt Stuttgart 21 um mindestens 1,1 Milliarden Euro teurer und liegt damit bei Gesamtkosten von 5,6 Milliarden Euro. Die Bahn rechnet dabei auch einen "Risiko-Puffer" von 930 Millionen Euro ein. Weitere Kostenrisiken beziffert die Bahn auf 1,2 Milliarden Euro. Das Land geht deshalb von einer Verteuerung von insgesamt 2,3 Milliarden Euro aus und spricht folglich von offiziellen Gesamtkosten von bis zu 6,8 Milliarden Euro. Allerdings haben das Land und die Stadt Stuttgart die Ausführungen der Bahn als im Detail nicht nachvollziehbar bezeichnet und eine genauere Kostenanalyse gefordert.