Eine Stromleitung führt durch eine Landschaft. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/augenklick)

Kritik an schnellem Ausbau des Stromnetzes Stromnetzausbau: "Bauen ohne Planung und Verstand"

Schnelle Genehmigungen für Stromnetzausbau seien ein Problem für die Bürger, die dann nicht mehr gefragt werden könnten. Für die Energiewende brauche es einen Plan.


Das gestern verabschiedete Gesetz zum schnelleren Ausbau des Stromnetzes kritisiert Guntram Ziepel, Sprecher des Bundesverbands Bürgerinitiativen gegen Südlink, scharf.

Betroffene befragen, bevor alles zu spät ist


Im SWR sagte Ziepel: „Darunter leiden auf jeden Fall wir, die Kommunen, also auch die Bürgerinnen und Bürger. Die Übertragungsnetzbetreiber werden jeweils in die Lage versetzt, sofort mit ihren entsprechenden Planungs- und Baubeginnen anzufangen, ohne uns, die Betroffenen, zu befragen oder miteinzubeziehen." Die Bedenken der Betroffenen müssten an den Anfang gestellt werden."

Das gelte sowohl für das Thema Menschenrechte und Menschenschutz als auch für Umweltschutz, "und nicht erst ganz zum Schluss, wenn im Grunde genommen schon Fakten geschaffen sind, dass eigentlich alles zu spät ist."

Der Bundestag hatte gestern beschlossen, den Ausbau des Stromnetzes durch beschleunigte Genehmigungsverfahren voranzubringen, um durch Windkraft erzeugten Strom mit Stromtrassen aus Norddeutschland in den Süden zu transportieren.

Im Audio hören Sie, welche Bedenken Guntram Ziepel zum umstrittenen schnellen Stromausbau noch hat.

Ein Plan zur Energiewende statt Bauen ohne Planung und Verstand


Man müsse erst einmal feststellen, in welcher Form Leitungen überhaupt benötigt würden. Themen wie Verkehr, Energie, Heizung und Industriepolitik müssten miteinander "verknüpft" werden, sagte Ziepel: "Sie tragen zu dem Thema der Energiewende bei und somit auch zu der Einhaltung von Klimaschutzzielen." Das setzte aber voraus, dass man sich erst einen Plan machen müsse und erst anschließend über Strom- und Gasleitungen sprechen dürfe: "Genau da ist der Punkt, wenn man das den Menschen nicht rechtzeitig erklärt statt das Bauen anfängt ohne Planung und Verstand, da muss man sich nicht wundern, wenn es Widerstände gibt."

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