Jan Seidel (Foto: SWR, © SWR/Christian Koch, honorarfrei - Verwendung gemäß der AGB im Rahmen einer engen, unternehmensbezogenen Berichterstattung im SWR-Zusammenhang bei Nennung Bild: SWR/Christian Koch (S2+), SWR Presse/Bildkommunikation, Baden-Baden, Tel: 07221/929-24429, foto@swr.de)

"Zwei Minuten": Die Kolumne zum Wochenende

Die vergangenen Tage

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Jan Seidel

Berlin steht Kopf und die Republik fiebert mit. Ein Wahlausgang, der vieles verändern könnte, ein Selfie und viele, viele Möglichkeiten. Unser Kolumnist Jan Seidel muss nach dieser aufgeregten Woche nachhaken.

Nach dieser Wahl am vergangenen Wochenende – und der darauffolgenden Woche – bleiben dann doch ein paar Fragen. Erstens – natürlich: Darf man Politik mit Handyfotos machen, oder ist das schon Inszenierung und verstößt gegen den gesetzlich festgelegten Mindest-Bierernst, der in solchen Dingen zu herrschen hat? Die Antwort: Ein klares Like vom Erstwähler und Desinteresse vom Nichtwähler, weil ja auch Handyfotos nichts ändern werden.

Die Kolumne von Jan Seidel können Sie hier auch als Audio hören:

Spannender die Frage: Was wird es und wie kann es aussehen? Jamaica mit Union, Grünen und FDP: Das wäre quasi ein etwas schnelleres "Weiter so" mit der Hoffnung auf Wunderlösungen für unsere Öko-Probleme, die aber nach dem Corona-Impfstoff auch nicht ganz unbegründet wäre. In der Steuerpolitik deutet vieles auf die Pippi-Langstrumpf-Rechenmethode hin – oder aber auf einen Fonds außerhalb des Haushalts. Damit wären alle Positionen unter einen Hut zu bringen. Dazu wahrscheinlich ein Tempolimit auf Autobahnen von zwei bis vier Uhr nachts auf der rechten Spur.

Wer soll Kanzler werden?

Die "Ampel" wäre dagegen ein Etwas anderes "Weiter", mit einem Mindestlohn von 12 Euro – den übrigens eine Kommission festlegen soll und keine Regierung – mehr Öko, mehr Vorgaben, aber dem tollen Gefühl, etwas Gutes zu tun – für den, der das mag. Kostet natürlich, ist aber auch für die nachfolgenden Generationen, inklusive der Schulden. Tempolimit: 130 ganztags und Vorfahrt für Lastenräder, auch auf der Autobahn. Die Frage, wer Kanzler werden sollte, hat Armin Laschet im Wesentlichen allein entschieden, aber nicht zu seinen Gunsten.

Bleibt noch: Die Frage nach Berlin – oder einfacher: Wie viele Wahlzettel braucht ein Wahlberechtigter im Wahllokal? Und auch, falls die Wahlen in Berlin ungültig sind: Was ist dann mit dem Ergebnis des Marathons? Zu allerletzt: Was hat Edmund Stoiber zum Achtzigsten bekommen? Gut: Besuch von Markus Söder, deshalb mussten die schwarz-gelben Sondierungen verschoben werden, aber Geburtstag ist halt auch nur einmal im Jahr und achtzigster ist noch seltener. Da muss man auch mal Prioritäten setzen. Am Ende einer spannenden Woche stellen wir fest: Wir sind mal wieder auf dem schmalen Grat zwischen historisch und hysterisch.

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