Martin Rupps (Foto: SWR, SWR/Kristina Schäfer)

Bundeskanzler Olaf Scholz. Ein Kommentar

Überraschen Sie mich, Herr Bundeskanzler!

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Intellektuell stark und in hohen Ämtern erfahren, aber in Politikverständnis und Stil ein Mann von gestern: Martin Rupps ist froh und traurig zugleich über Bundeskanzler Olaf Scholz.

Froh und traurig habe ich am Mittwoch die Kanzlerwahl im Deutschen Bundestag verfolgt. Froh darüber, dass der Nachfolger von Angela Merkel über einen scharfen Verstand verfügt. Er macht den Eindruck, komplexe Sachverhalte selbst zu durchdringen und nicht nur Sprechzettel herzusagen. Weiter strahlt er mit seiner Erfahrung in hohen Ämtern, zuletzt als Vize-Kanzler, Autorität aus. Diese Autorität hätten sich seine Mitbewerber im Bundestagswahlkampf, Annalena Baerbock und Armin Laschet, erst erwerben müssen.

Bundeskanzler Olaf Scholz am Mittwoch auf der Regierungsbank vor seiner Vereidigung (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa | Michael Kappeler)
Bundeskanzler Olaf Scholz am Mittwoch auf der Regierungsbank vor seiner Vereidigung picture alliance/dpa | Michael Kappeler

Traurig war ich, weil dieses Land nach 16 Regierungsjahren von Angela Merkel einen Neustart braucht wie 1969 mit dem sozialdemokratischen Bundeskanzler Willy Brandt und 1998 mit seinem Parteifreund Gerhard Schröder. Einen neuen Geist, der durch Kanzleramt und Ministerien weht. Die Leidenschaft eines Regierungschefs, die auf viele Menschen überspringt. Das klappt mit Olaf Scholz nicht. Nach meinem Dafürhalten ist er in seinem Politikverständnis und seinem Stil ein Mann von gestern. Er machte eine Frau zur Bundestagspräsidentin, damit mutmaßlich Parteifreund Frank-Walter Steinmeier, weder jung noch Frau, Bundespräsident bleiben kann. Auch das Schwurbel-Deutsch einer Angela Merkel bleibt uns mit ihrem Nachfolger erhalten.

Natürlich, auch unter einem Bundeskanzler Olaf Scholz geht ein Signal des Aufbruchs aus. Zwei der drei Regierungsparteien haben viele Jahre die Oppositionsbänke gedrückt. Ihre Protagonistinnen und Protagonisten werden sich ins Zeug legen, nicht so bald dorthin zurückzukehren. Die bisherige Regierungspartei SPD selbst hat neues, unverbrauchtes Personal benannt. Ich bleibe trotzdem skeptisch. Auch weil drei völlig eigenständige Parteien in einer Regierung einander mehr ausbremsen als zwei.

Aber wer weiß - Olaf Scholz hat viele Deutsche, auch mich, mit seinem Wahlsieg überrascht. Vielleicht bekommt er auch das Kunststück hin, dass seine Regierung trotz schwieriger Bedingungen viel reißt. Überraschen Sie mich, Herr Bundeskanzler!

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