Blick auf ein Emblem der Polizei in NRW an einem Polizeiauto. (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Friso Gentsch)

Missbrauchsfälle in Lügde BdK-Chef zu Lügde: "desaströse Personalsituation" der Polizei

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NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) spricht im Fall Lügde von Polizeiversagen. Diesen Vorwurf will die Kriminalpolizei nicht stehen lassen und kontert mit personellem Kahlschlag.

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) wirft der nordrhein-westfälischen Landesregierung vor, die Kriminalpolizei im Land ausbluten zu lassen. Im SWR reagierte der BDK-Bundesvorsitzende und Landeschef in NRW, Sebastian Fiedler, damit auf Anschuldigungen von Reul, nachdem Beweisstücke des massenhaften Kindesmissbrauchs auf einem Campingplatz in Lügde verschwunden waren.

"Wir müssen uns anschauen: In welchem Zustand befindet sich die Kriminalpolizei in Nordrhein-Westfalen und wie kann es da möglicherweise zu solchen Fehlern kommen", sagte Fiedler.

BDK spricht von Notlage bei der für Lügde zuständigen Polizei

Im Fall des Kindesmissbrauchs von Lügde müsse man sich die Kreispolizeibehörde Lippe mit Sitz in Detmold angucken, die für die Ermittlungen zuständig sei: "Gerade diese Behörde steht schon seit längerer Zeit bei uns im Fokus, weil sie bezogen auf die Situation des Personals desaströs dasteht."

Darauf habe der BDK-Verband vor Ort in offenen Briefen immer wieder hingewiesen. "Und da hat unser Verband im vergangenen Jahr vor einer Notlage gewarnt, in der sich die Kriminalpolizei dort befindet."

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Mit weniger Personal "belohnt"

Entstanden sei diese Notlage durch die paradoxe Situation, dass die Kreispolizeibehörde Lippe immer NRW-weit für ihre hervorragende Aufklärungsleistung gelobt worden sei.

Die Konsequenzen waren aus Sicht des BDK fatal: "Sie ist damit belohnt worden, dass sie weniger Personal bekommen hat, weil dort weniger Fälle gewesen sind", kritisierte der NRW-Landesvorsitzende vom Kriminalbeamtenbund.

Diese Tatsache gehört nach Ansicht von Sebastian Fiedler mit in die Waagschale. Wenn das Land NRW bei der Kriminalpolizei spare, dann steige die Fehleranfälligkeit. Das sei erst einmal eine grundsätzliche Feststellung, ohne zu wissen, ob sie in diesem Fall zutreffe.

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