blauer Breifumschlag mit Aufschrift Stimmzettelumschlag für die Briefwahl (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Friso Gentsch/dpa)

Wählen in Pandemie-Zeiten

Briefwahl: Gute und sichere Alternative

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Für den Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider von der Uni Hohenheim Briefwahl eine gute und sichere Wahlmöglichkeit. Im Gespräch mit dem SWR verweist er auf die bundesweit guten Erfahrungen damit.

Gerade in Pandemie-Zeiten hält Brettschneider Briefwahl für sinnvoll. Erfahrungen aus vergangenen Wahlen zeigten auch, dass die Wahlbeteiligung steigt, "weil es insgesamt bequemer wird, an der Wahl teilzunehmen". Besonders Menschen, die Angst hätten, sich beim Wählen im Wahllokal möglicherweise anzustecken, könnten so risikolos ihre Stimme abgeben.

"Überall da, wo wir die Briefwahl sehr intensiv haben, ist auch die Wahlbeteiligung höher."

Briefwahl bevorzugt und benachteiligt niemanden

Seit 1957 kann man in Deutschland seine Stimme bei Wahlen auch per Brief abgeben. Bei der letzten Bundestagswahl lag der Anteil der Briefwähler laut Brettschneider bei etwa 30 Prozent. Im Gegensatz zu den USA, wo vor allem Wähler der Demokraten und Angehörige von Minderheiten Briefwahl nutzen, gebe es in Deutschland solche klaren Unterschiede nicht. In Städten sei der Anteil der Briefwähler etwas höher als auf dem Land, im Norden und Osten etwas niedriger als im Westen und Süden. "Das verteilt sich aber relativ gleichmäßig auf die Parteianhängerschaften", sagt Brettschneider.

Auch die Gefahr, dass die Briefwahl bestimmte Bevölkerungsschichten ausschließt, sieht er nicht und verweist auf die kommunalen Stichwahlen in Bayern, die dieses Jahr wegen Corona komplett per Briefwahl stattfanden: "Das hat nicht dazu geführt, dass die Ergebnisse wesentlich anders aussahen als sonst."

Keine Belege für Wahlbetrug

Behauptungen, Briefwahl wäre besonders anfällig für Manipulationen, wie sie US-Präsident Donald Trump seit Monaten äußert, hält Brettschneider für haltlos. Zumal Trump Belege für seine Anschuldigungen weitgehend schuldig bleibe: "Dabei geht es nicht darum, (…) ob man eine Briefwahl möglichst gut organisiert oder nicht, sondern es geht darum, das Ergebnis zu delegitimieren", so Brettschneider. Die Sorge, dass zum Beispiel Briefe verloren gehen, könne man leicht umgehen, indem man die Unterlagen vorher schon beim Wahlamt abgebe.

Möglichkeit der Briefwahl erleichtern

Im kommenden Superwahljahr mit mehreren Landtagswahlen und der Bundestagswahl dürfte uns die Corona-Pandemie weiter beschäftigen. Komplett auf Briefwahl umstellen sollte man deswegen nicht, meint Brettschneider. Er fände es allerdings gut, wenn die Briefwahl erleichtert würde: "Der beste Weg dafür ist, dass man nicht erst einen Antrag stellen muss, die Briefwahlunterlagen zu erhalten, sondern dass sie gleich mitgeschickt werden mit der Wahlbenachrichtigung."

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