Gerhard Leitner (Foto: SWR, Oliver Reuther)

Zwei Minuten: Die Kolumne zum Wochenende

Meinung: Brennholz ist das neue Klopapier

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Gerhard Leitner

Wie soll man jetzt mitten in der Hitzewelle ans Heizen denken? Doch das sollte man besser, denn im Herbst wird die Energie knapp. Da kann man nur die Gemeinden beneiden, die Strom und Wärme selbst erzeugen und nicht auf "Russen-Gas" angewiesen sind, meint Gerhard Leitner.

Wahrscheinlich wird Brennholz das neue Klopapier. Also natürlich nicht im wörtlichen Sinn. Aber Sie wissen, worauf ich hinaus will: Im Herbst wird’s möglicherweise in vielen Wohnungen kalt, deswegen rennen jetzt viele Menschen in Baumärkte und besorgen sich Holzöfen und andere gasfreie Wärmequellen. Das ist natürlich hochgradig fragwürdig. Der Holzofen bläst in kürzester Zeit hinaus, was die Bäume in vielen Jahren an Kohlenstoff gespeichert haben – von der Feinstaubbelastung ganz zu schweigen. Theoretisch klimaneutral, aber eben nur theoretisch.

Die Kolumne von Gerhard Leitner können Sie hier auch als Audio hören:

Aber ich schweife ab. Mir geht’s gar nicht um Umwelt-Zeigefingerei - ich bin selbst alles andere als ein Umweltapostel. Mir geht’s einfach um die Vorstellung: Bei über dreißig Grad Hitze im Hochsommer schonmal ans Heizen zu denken, ist verrückt. Oder dass dann sogar beheizte Hallen oder öffentliche Räume für Wärmebedürftige zur Verfügung gestellt werden könnten. Und das, wo wir gerade eher Kühlräume bräuchten, wenn die nächste Hitzewelle nächste Woche kommt. Da wird mir heiß und kalt zugleich. Wer hätte gedacht, dass der Klimawandel und die Energiekrise zeitgleich dermaßen zuschlagen?

 Im Allgäu geht's auch ohne Russen-Gas

Ich glaube, ich ziehe nach Wildpoldsried. Die 2600 Einwohner-Gemeinde im Allgäu kann sich nämlich energiemäßig komplett selbst versorgen, mit Windrädern, mehreren Biogas-Anlagen und zwei Kleinwasserkraftwerken. Das kleine Dorf produziert siebenmal mehr Ökoenergie als es verbraucht. Wildpoldsried ist natürlich nicht die einzige Gemeinde, die Strom und Wärme selbst erzeugt und damit nicht auf Russen-Gas angewiesen ist, aber es liegt halt sehr idyllisch mit den Alpen im Hintergrund. Ich muss erst noch meine Familie fragen – aber Bayern wäre schon besonders schön.

Vielleicht mit so einem gemütlichen Holzofen in der guten Stube. Aber nein - Holz wollten wir ja gerade nicht verbrennen. Abgesehen davon: Jetzt ist erstmal ein cleveres Hitze-Management angesagt. Schade, dass man die Hitze dieser Tage nicht einfach konservieren kann, für die kalten Tage. Aber vielleicht ist im Herbst ja auch wieder alles ganz anders und wir müssen "nur noch" über Corona sprechen. Ich glaub, ich träum dann mal weiter.

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