Bild von Stefan Giese  (Foto: SWR, SWR/Christian Koch)

Impfanreize gegen Corona. Ein Kommentar

Bratwurst statt Impfpflicht

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Sonneberg in Thüringen lockt mit einer Bratwurst zur Corona-Impfung. Anreize statt Druck auf Ungeimpfte, dieses Modell sollte unbedingt Schule machen, meint Stefan Giese.

Eine Bratwurst für eine Corona-Impfung, das ist der Deal, den die thüringische Stadt Sonneberg am Freitag Ungeimpften angeboten hat - mit großem Erfolg: Statt der üblicherweise circa 140 Impfwilligen täglich haben rund 250 Menschen ihren Oberarm der Spritze entgegengestreckt. Ich finde, dieser Ansatz sollte in Deutschland endlich Schule machen.

Ein wahrer Corona-Schreck: die Bratwurst (Foto: dpa Bildfunk, arifoto UG)
Ein wahrer Corona-Schreck: die Bratwurst arifoto UG

Während die ganze Republik darüber streitet, ob und wie auf „Impfunwillige“ mehr Druck ausgeübt werden kann, um es dem Coronavirus möglichst schwer zu machen, beweist Sonneberg, dass es einen wesentlich sympathischeren Weg gibt, diesem Ziel näher zu kommen. Anreize statt Druck. Bratwurst statt Impfpflicht. Das steht einer sich freiheitlich verstehenden Gesellschaft ungemein besser zu Gesicht.

Für den Bratwurst-Ansatz spricht außerdem ein Argument, dass aus meiner Sicht mindestens genauso wichtig ist. Vor allem in den Bevölkerungsschichten, die wir uns angewöhnt haben, „sozial schwach“ zu nennen, sind überdurchschnittlich viele Menschen nicht geimpft. Der Autor Erik Flügge, der Armut am eigenen Leib erleben musste, weist vollkommen zurecht daraufhin, welchen Wert ein kostenloses Mittagessen für ärmere Menschen hat – und genau deswegen bei der Impfentscheidung den Ausschlag geben kann.

Erik Flügge über die "Bratwust-Impfung"

Ob es unbedingt eine Bratwurst sein muss, darüber lässt sich natürlich streiten. Ein Blick in andere Weltregionen, wo die Bürgerinnen und Bürger schon länger mit Anreizen zur Impfung gelockt werden, zeigt, dass der Kreativität hier keine Grenzen gesetzt sind – von Ziegen über Joints bis Sonderurlaub ist alles dabei.

Sonneberg

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