Gustavo Bebianno Rocha (2.v.r), Präsident der Rechtspartei PSL, spricht bei einer Pressekonferenz zur Verkündung der Wahlergebnisse, an der der Spitzenkandidat seiner Partei, Bolsonaro, nicht teilnimmt. (Foto: picture-alliance / dpa, Ian Cheibub)

Erfolg für Rechtspopulist in Brasilien Kann Bolsonaro gezähmt werden?

Politische Beobachter hoffen auf Kompromissbereitschaft von Jair Bolsonaro. Der Rechtspopulist hat gute Chancen, neuer brasilianischer Präsident zu werden.

"Was uns hoffnungsvoll stimmt, ist die Möglichkeit einer Mäßigung", sagt die Amerika-Expertin bei der Stiftung Wissenschaft und Politik, Claudia Zilla, im SWR. Denn Bolsonaro habe im Parlament keine absolute Mehrheit. Der umstrittene Politiker sei auf Koalitionen angewiesen.

Zilla: "Bolsonaro hat aggressive Haltungen salonfähig gemacht"

Allerdings sei der Rechtspopulist verantwortlich für die Polarisierung der brasilianischen Gesellschaft. Auch dem politischen System habe er bereits geschadet: "Eine Person, die die Militärdiktatur relativiert, die Aussagen von sich gibt, die Tabubrüche und zum Teil menschenverachtend sind, ist keine Garantie für eine Konsolidierung der Demokratie und eine Stärkung des Rechtsstaates", ergänzte die Amerika-Expertin. Bolsonaro habe viele aggressive Haltungen und problematische Ansichten salonfähig gemacht.

Wahl hat Auswirkungen auf ganz Südamerika

Der Ausgang der brasilianischen Präsidentschaftswahl hat nach Einschätzung von Claudia Zilla politische Auswirkungen über das Land hinaus. Brasilien habe eine regionale Führungsrolle in Südamerika übernommen: "Das kann man nicht von einer Regierung erwarten, bei der der Präsident den Slogan hatte: Brasilien über alles." Ein möglicher Wahlerfolg Bolsonaros führe diese Führungsrolle ein Stück weit ad absurdum. Die zweite Runde der Präsidentschaftswahl findet am 28. Oktober statt. Dann treten der Rechtspopulist Bolsonaro und Fernando Haddad von der linken Arbeiterpartei gegeneinander an.

AUTOR/IN
STAND