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Boom der Fernbusse Erfolgsrezept Bus und Zug?

Fernbusse brauchen länger, sind aber billiger. Eine geschickte Kombination aus Bus und Zug könnte die Zukunft sein, meint Martin Rammensee vom Vergleichsportal busliniensuche.de.

Fernbusse

Der ADAC nahm sein Unternehmen ADAC Postbus im November 2014 wieder vom Markt

Die Bahn hat vor zwei Jahren, zumindest nach außen hin, gar nicht wahr haben wollen, dass die Fernbusse so boomen würden. Als Sie damals an den Start gegangen sind mit ihrem Portal, war Ihnen da schon klar, wie groß das Bus-Geschäft in Deutschland werden würde?

Es war klar, dass Fernreisen mit der Bahn recht teuer sind und waren - insbesondere für Leute, die selten fahren oder die es spontan machen wollen. Und es war klar, dass die Fernbus-Tickets recht günstig werden. Man sieht auch an dem Boom der Mitfahrgelegenheiten in den letzten Jahren, dass da eine große Nachfrage nach günstigem Reisen ist, also von daher würde ich schon sagen Ja.

Sie haben den Markt ganz gut im Blick auf Ihrem Vergleichsportal und im Moment sieht es so aus, dass die kleineren Anbieter aufgeben. MeinFernbus und FlixBus machen gemeinsame Sache. Waren das einfach nur zu viele oder sind die wirklich großen Boom-Zeiten womöglich sogar wieder vorbei?

Nach außen hin sieht es so aus, als ob es wirklich nur noch ein paar Anbieter wären. Aber in einem funktionierenden Wettbewerb ist es ganz klar, dass sich ab und zu Anbieter aus dem Markt zurückziehen oder fusionieren, Übernahmen stattfinden. Aber es treten ja auch neue ein. Wie jetzt neulich megabus, der seit Dezember die Strecke München-Stuttgart-Frankfurt-Köln fährt. Und nach wie vor gibt es auch recht lokale Anbieter, die immer ein bisschen untergehen in der Berichterstattung, wie die Linie von München nach Tübingen oder der publicexpress von Oldenburg nach Bremen. Da gibt es zahlreiche Beispiele, aber man erwähnt immer nur die Großen. Und natürlich hat auch die Bahn selbst jetzt schon Fernbus-Angebote, nämlich den IC-Bus und Berlin-Linienbus. Und die, vermute ich, werden jetzt verstärkt ausgebaut.

Wie wird sich dieses Angebot der Bahn insgesamt auf dem Markt auswirken?

Ich glaube, dass sie aus Kundensicht den Markt schon bereichern wird. Denn die Bahn hat ja die Möglichkeit diesen IC-Bus, den also günstigen Fernbus, mit dem schnellen IC zu kombinieren und so sehr günstige, sehr schnelle Angebote in den Markt zu bringen. Also insgesamt wird es auf jeden Fall aus Kundensicht eine Bereicherung.

Und aus Sicht der anderen Anbieter?

Die freuen sich natürlich weniger, wenn ein Konkurrent in den Markt kommt. Aber, damit müssen wir zurecht kommen.

Was für eine Lücke im Angebot gibt es nach Ihrer Meinung noch? Also, wo Sie sagen, da könnte die Bahn sogar ganz gut aufholen und das für sich nutzen?

Zum Beispiel die Verknüpfung mit dem Nahverkehr, das kann die Bahn natürlich sehr gut machen - oder Nachtfahrten oder Express-Fahrten, also Direkt-Verbindungen ohne Zwischenhalte. Da muss man ein bisschen schauen, wo die Nachfrage ist und dann ein entsprechendes Angebot schaffen.

Das heißt, die Bahn könnte tatsächlich mit ihrem neuen Buslinien-Konzept durchaus Erfolg haben?

Ja, wenn sie es richtig machen und eben auf ihre Stärken bauen, also die Verknüpfung von ihren verschiedenen Angeboten richtig hinkriegen und natürlich auch das Preis-Niveau halten oder senken, dann auf jeden Fall.


Das Interview führte Simone Franzke, Onlineredaktion: Biggi Hoffmann / Elke Harter