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Seelsorger gehören in der Corona-Krise als erste geimpft. Martin Rupps denkt dabei nicht automatisch an Geistliche, auch wenn die Seelsorge in ihrer Arbeitsplatzbeschreibung steht.

Bischof Georg Bätzing, Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, hat eine frühe Corona-Impfung für bestimmte Berufsgruppen gefordert. Er nannte Ärzte, Pflegepersonal, Lehrer – und Geistliche, "die Dienst an den Menschen in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen tun". Bischof Bätzing erinnert daran, dass im ersten Lockdown Menschen zum Teil ohne Begleitung hätten sterben müssen. Das dürfe nicht wieder vorkommen.

Bischof Georg Bätzing plädiert für Corona-Gedenktag (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Arne Dedert/dpa)
Bischof Georg Bätzing plädiert für Corona-Gedenktag picture alliance/Arne Dedert/dpa

Richtig, Seelsorger gehören in dieser Krise als erste geimpft. Aber an katholische oder evangelische Geistliche denke ich dabei nicht automatisch, auch wenn die Seelsorge in ihrer Arbeitsplatzbeschreibung steht. Zweifellos tragen unzählige Geistliche mit der christlichen Botschaft und ihrem persönlichen Wirken dazu bei, dieses schwierige Jahr erträglicher zu machen. Der Glaube kann Heimat und Geborgenheit schenken – wenn er denn empfunden wird.

Unsere Gemeinschaft ist in der Fläche nicht mehr rein christlich und die Seelsorge immer häufiger auch nicht. Eine psychotherapeutische Vereinigung hat jüngst fünf Tipps gegen die Corona-Depression veröffentlicht. So etwas kann gläubige wie nichtgläubige Menschen erreichen. Auch Politiker und Virologen legen sich in der Pandemie für das Seelenheil der Gemeinschaft ins Zeug. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) tritt streitbar, aber mit erkennbarer Leidenschaft auf. Ein Christian Drosten hat in der Pandemie schon viele Seelen gerettet.

Und die Kirchen? Sie verkünden nach Kräften die frohe Botschaft, doch produzieren als Institutionen Enttäuschung um Enttäuschung. Darüber kann ich nicht hinwegsehen. Georg Bätzings Bischofskollege in Köln fiel gerade damit auf, dass er ein Gutachten über sexuellen Missbrauch durch Geistliche in seinem Bistum unter Verschluss halten wollte. Sein Kollege in Mainz kündigte die katholische Trägerschaft von Gymnasien und Bildungsstätten für Erwachsene auf. Ich finde es unverständlich, dass die großen Kirchen unverdrossen auf Privilegien pochen – beim Geld, in der Politik, jetzt in der Pandemie.  

Und was die Sterbebegleitung in Kliniken angeht: Bischof Georg Bätzing könnte Geistliche benennen, die für ihren Dienst selbstverständlich mit zuerst geimpft werden. Jesus hätte es vielleicht auch so gesehen.

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