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Billigfleisch-Produzenten gelten als herzlose Kapitalisten und Corona-Verbreiter. Dabei tun sie nur, was ihnen die Politik erlaubt, meint Martin Rupps.

Heute führe ich Sie zu meinem Kühlschrank. Dort finden Sie unter anderem Geflügel Jagdwurst, 200 Gramm, "Spitzenqualität", vom "Gut" Sowieso. Bacon Abschnitte, zweimal 150 Gramm, vom "Gut" Anderswo. Kein Zweifel, ich bin als Kunde von Billigwurst überführt. Die vermeintlichen Gutshöfe sind womöglich Fleischfabriken wie die der Firma Tönnies. Sie wissen schon, die mit den schlechten Arbeitsbedingungen und vielen Corona-Infizierten.

Billigfleisch in der Kritik (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Picture Alliance)
Billigfleisch in der Kritik Picture Alliance

Fleischfabrikant Clemens Tönnies gilt jetzt als herzloser Kapitalist und Corona-Verbreiter. Nach dieser Logik fiele eine Mitschuld auf mich, denn zusammen mit Millionen anderen Billig-Wurstessern in Deutschland stützte ich das "System Tönnies". Ein System, das Mitarbeiter ausbeutet und in Corona-Zeiten sogar in Lebensgefahr bringt.

Politik bestimmt Rahmenbedingungen

Dabei tut Herr Tönnies nur, was ihm Gesetze und Vorschriften erlauben. Er verhält sich wie ein Bauherr, der auf seinem Grundstück so breit und hoch baut, wie er kann. Ohne Rücksicht auf Nachbarn und das Landschaftsbild. Die Bauvorschriften hat seine jeweilige Landesregierung erlassen, nicht er.

Auch mein Griff zur Billigwurst verstößt nicht gegen Gesetze und Vorschriften. Mein Handeln mag unmoralisch sein. Aber Moral ist in einer freien Marktwirtschaft keine Kategorie. Und in meinem Magen schon gar nicht.

Es liegt nicht an Herrn Tönnies oder mir, diese frühkapitalistischen Verhältnisse zu ändern, sondern an den Ländern und der Bundesregierung. Sie bestimmen die Regeln. Sie allein können sie ändern. Clemens Tönnies wusste schon, weshalb er die Partei des nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) regelmäßig mit Spenden bedachte.

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