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Unternehmen, die ihre eigene Belegschaft gegen Corona impfen wollen, stoßen aktuell auf mehr Hindernisse als Möglichkeiten. Dabei sind viele Betriebe auf Mitarbeiterimpfungen vorbereitet.

Beim Ventilatorenhersteller EBM-Papst mit Firmenstammsitz im baden-württembergischen Mulfingen (Hohenlohekreis) macht man sich schon seit Monaten Gedanken, wie die eigene Belegschaft geimpft werden könnte - rein organisatorisch. Die Pläne liegen längst in der Schublade, bis hin zum Shuttleservice. "Es geht um 3.500 Mitarbeiter, die aus unterschiedlichen Werken anreisen müssten", sagt Ralf Stehle von der Arbeitsgruppe "Pilot-Impfzentrum" des Unternehmens. "Wir haben unternehmenseigene Buslinien, die wollen wir dann dazu auch einsetzen".

Ministerium: Kein Modellprojekt in Unternehmen

Stefan Brandl, der Firmenchef von EBM-Papst, hat sich vergangenen Monat beim baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann beworben - als "Pilotunternehmen für Covid-19 Impfungen". Nach drei Wochen kam jetzt die Ablehnung. Die Betriebe sollten in die Impfungen einsteigen, wenn der Impfstoff keine Mangelware mehr sei, schreibt das Staatsministerium. Für ein Modellprojekt in Unternehmen sehe man keine Notwendigkeit. Die Eigeninitiative bei EBM-Papst scheint zumindest kurzfristig nicht gewünscht.

In den VW-Werken im Bundesland Sachsen wird dagegen schon gegen Corona geimpft. Ein Modellprojekt im Auftrag des Deutschen Roten Kreuzes, schreibt die Volkswagen AG in einer Pressemeldung. Dabei gehe es darum, eine klar definierte Risikogruppe in der Belegschaft aus dem Vogtlandkreis (Hochinzidenzgebiet) zu impfen. Betriebliche Impfungen können zur Beschleunigung der Durchimpfung der Bevölkerung beitragen, meint man beim Deutschen Arbeitgeberverband.

Betriebsärzte könnten beim Impfen helfen

Mit dem Einsatz von Betriebsärzten könnten nach Schätzung des BDA zusätzlich die Arbeitszeit von 6.000 Vollzeitärzten beigesteuert werden. Außerdem ließe sich das Impfen innerhalb der Unternehmen für die rund 31 Millionen Beschäftigten einfacher organisieren. Bewahrheiten sich die Prognosen von Fachleuten, wird ab Mai dieses Jahres mehr Impfstoff gegen das Corona-Virus verfügbar sein. Einer flächendeckenden Impfung auch in den Unternehmen stünde dann nichts mehr im Wege, meint man beim Verband der Deutschen Betriebs- und Werksärzte.

Allerdings sind nach über einem Jahr Corona-Pandemie viele Fragen noch offen. Nach wie vor sei noch nicht klar, wie Betriebsärzte honoriert werden sollen, wer haftet und wie der Impfstoff in die Betriebe gelangt, sagt Wolfgang Panter, Präsident vom Verband der Deutschen Betriebs- und Werksärzte.

Corona: Bislang in Unternehmen meist nur Selbsttests

Am EBM-Papst Firmenstammsitz in Mulfingen im Hohenlohekreis ist die Sehnsucht nach Normalität groß. Im Moment bekommen die Beschäftigten zweimal die Woche einen Corona-Selbsttest, montags und mittwochs. 50.000 Testkits liegen auf Lager, weitere 50.000 sind bestellt. Eine durchgeimpfte Belegschaft wäre dem Vorstandsvorsitzenden Stefan Brandl lieber. Er ist der Chef von insgesamt 15.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Werken in China und den USA. Im Ausland sind momentan erheblich mehr Betriebsangehörige geimpft als in Deutschland, so Brandl.

"Wir haben wahrscheinlich eine Kapazität mittlerweile von über 30 Prozent erreicht an unserem Standort in den USA. Daran erkennt man, die Amerikaner sind da wesentlich unbürokratischer, schneller und das wäre natürlich auch schön, wenn wir das in Deutschland hinbekämen."

Staatliches Impfzentrum in Shanghai, China. Unternehmen schicken ihre Beschäftigten in die staatlich organisierten Impfzentren. (Foto: SWR, SWR)
Staatliches Impfzentrum in Shanghai, China. Unternehmen schicken ihre Beschäftigten in die staatlich organisierten Impfzentren. SWR

Die Pilot-Impfzentrum-Arbeitsgruppe bei EBM-Papst rund um Ralf Stehle ist zwar von der Ablehnung für das eigene Pilotimpfzentrum enttäuscht, lässt sich aber dennoch nicht entmutigen. Auch wenn Impfstoffmangel und abgelehnte Pilot-Impfzentren sie vorerst zum Abwarten zwingt. Firmenchef Stefan Brandl macht unterdessen weiter Druck: "Wenn wir Geschwindigkeit in die Impfkampagne hineinbringen wollen, dann brauchen wir die Betriebe und da werden wir nicht nachlassen und weiterhin am Ministerium arbeiten, dass es schnell geht und dass wir auch schnell in diese Strategie mit einsteigen können."

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