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Besuch im Buckingham Palace Millimeterarbeit beim Staatsbankett

Die Queen ist im Sommerurlaub in Schottland. Somit steht der Buckingham Palace in London nun bis September wieder für Touristen offen. Die dürfen sich erstmals wie echte Staatsgäste fühlen.

Militärkapelle vor dem Buckingham-Palast

Beliebtes Touristenziel: Der Buckingham Palast in London.

Von Gabi Biesinger, SWR-Korrespondentin in London

Begrüßt werden die Palast-Besucher in diesem Jahr von Prinz Charles höchstpersönlich, der einen schönen Aufenthalt wünscht, zumindest per Audio-Guide. "Ladies and gentlemen, I should like to welcome you at the Buckingham Palace and I very much hope, that you will enjoy your visit."

Fühlen dürfen sich die Touristen dieses Mal wie echte Staatsgäste, denn erstmals hat der Palast den Haupteingang geöffnet, erklärt Kuratorin Anna Reynolds vom Royal Connection Trust: "Durch diesen Eingang kommen alle Gäste der Queen und der Königsfamilie. Dort haben wir auch die australische Staatskutsche geparkt, so dass die Besucher sich fühlen können, als seien sie selbst damit angekommen und jetzt auf dem roten Teppich."

Drei Tage dauert das Eindecken

Der Platz von Königin Elizabeth II. im Festsaal

Der Platz von Königin Elizabeth II. im Festsaal

Über die Prunktreppe geht es hinauf durch diverse Salons, den Thronsaal und die Gemäldegalerie in den Ball-Saal, zur prächtig gedeckten königlichen Tafel. Drei Tage dauert allein das Eindecken des riesigen Tisches in Hufeisen-Form für 170 Gäste.

Blumenschmuck, kunstvoll gefaltete Servietten, Tischkärtchen, Silberbesteck und pro Person sechs Gläser: für Sekt, Wasser, Weiß-, Rot-, Dessert- und Portwein. Alles wird erst mal grob auf dem Tisch platziert. Dann kommt ein Palastmitarbeiter mit einem speziellen Lineal und macht die Millimeterarbeit.

Jeder Gast hat genau 46 Zentimeter Platz. Beim Menü werden spezielle Eigenheiten des Gastlandes berücksichtigt. "Normalerweise gibt es einen Fischgang, Fleisch, Dessert und Früchte", so Reynolds.

Ein Blick hinter die Kulissen

Ein Blick in den Festsaal des Buckingham Palastes

Ein Blick in den Festsaal des Buckingham Palastes

Einen Blick hinter die Kulissen erlaubt die Ausstellung. Im Audio-Guide erzählt ein Diener vom Besteck-Polieren in der Silberkammer. Ein anderer schildert das rot-grüne Ampelsystem, mit dessen Hilfe das Essen für die Gäste von der Küche sekundengenau an den Tisch gebracht wird. In einem Glaskasten ist ein Nachbau des Arbeitsplatzes der Konditorin zu sehen, die je nach Gast passende Petit Fours kreiert.

Die Besucher können auch einen Blick in einen Nachbau des Weinkellers werfen oder in das Arbeitszimmer der Ankleidedame mit Nähmaschine für letzte Änderungen. Zu sehen sind auch einige Kleider, die von der Queen bei Staatsbanketten getragen wurden. Und es werden Gastgeschenke gezeigt: Etwa ein versilbertes Tempelmodell, das der nepalesische König mitgebracht hat oder eine perlmuttverzierte Bibel vom König von Jordanien.

Immer das gleiche Ritual

Königin Elizabeth II. empfängt Gäste

Königin Elizabeth II. empfängt Gäste

Staatsbankett ist übrigens Staatsbankett. Da gibt es keine kleine Version für Gäste aus kleinen Ländern. Ob nun US-Präsident Obama kommt oder der Herrscher eines wenig bekannten Mini-Staates - alle Besucher sind gleich wichtig, versichert Kuratorin Reynolds.

Die Queen hat im Laufe ihrer Regierungszeit schon 110 Staatsoberhäupter zu Staatsbesuchen empfangen. Alle Staatsbankette laufen genau gleich ab, was das Menü und die Anzahl der Gäste angeht. Niemand wird hier bevorzugt.

Online-Redaktion: Peter Mühlfeit und Martina Schlick