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Wenigstens der Umwelt geht es besser während der Corona-Krise - zuletzt wurde das angezweifelt. Dass die Luftqualität in den Städten tatsächlich besser ist, zeigt eine neue ARD-Studie.

Das öffentliche Leben stand durch Corona lange still. Anstregend für viele. Aber immerhin: Die Luft soll dadurch sauberer sein, weil weniger Autos fahren. Ob das wirklich stimmt, wurde immer wieder in Zweifel gezogen. Nun zeigt aber eine Recherche des ARD-Magazins "Kontraste" deutlich: Die Belastung mit Stickstoffdioxid (NO2) ist gesunken in vielen deutschen Städten. Aber nicht nur das NO2 ist wichtig, wenn es um die Luftqualität geht. SWR-Umweltredakteur Werner Eckert erklärt die Widersprüche.

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Wenn es weniger Stickstoffdioxid (NO2) in der Luft gibt, ist dann automatisch die Luft sauberer?

Es gibt zwei unterschiedliche Faktoren bei der Debatte, wie sauber die Luft ist: Stickstoffdioxid und Feinstaub. Die Luft ist jetzt sicher sauberer. Aber das heißt nicht, dass alle Schadstoffe zurückgehen. Feinstaub zum Beispiel ist nicht nur durch den Verkehr bedingt. Da spielen die sogenannten Wohlfühl-Kamine und andere Verbrennungsprozesse eine Rolle. Aber beispielsweise auch Saharastaub kann einen Anteil am feinstaub ind er Luft haben. Die Werte sind nicht so deutlich zurückgegangen. Beim NO2, also beim Stickstoffdioxid, hat sich in der Tat aber so langsam doch eine Verbesserung gezeigt.

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In Stuttgart, am bekannten Neckartor, fahren zwar in der Corona-Krise weniger Autos, aber der Stickstoffdioxidwert ist sogar gestiegen. Wie kommt das?

Das Problem ist, dass gerade auf Stickstoffdioxid das Wetter einen entscheidenden Einfluss hat. Das haben die zuständigen Ämter in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg bereits mehrfach versucht, zu erklären. Also wenn es, wie in diesem Jahr, im Februar stark regnet und bestimmte Wetterlagen vorliegen, dann gehen die Werte extrem runter. Im April - und teilweise auch im März - hatten wir dann starke Sonneneinstrahlung. Das führt dazu, dass viel Stickstoffdioxid gebildet wird aus Vorläufersubstanzen.

Unterm Strich hätte man, bei normalem Verkehr, erwartet, dass die Werte Ende März und im April drastisch nach oben gehen. Das haben sie aber nicht getan. Sie sind nur, in Anführungszeichen, gleichgeblieben. Für die Wissenschaftler ist das ein deutlicher Hinweis, dass sich die Eindämmung des Verkehrs durch den Corona-Lockdown eben doch auswirkt. Auch wenn es dem Laien so erscheint, als seien die Werte nicht zurückgegangen und es gäbe deswegen keinen Einfluss wegen Corona.

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Ist also unterm Strich die Luft durch die Corona-Krise besser geworden?

Das kann man pauschal so sagen. Das hängt nicht nur von den Messwerten ab. Denn die sind Immissionswerte, da wird an bestimmten Stellen der Eintrag gemessen. Wenn man aber auf die Emission schaut, also auf das, was aus den Autos rausgeht, zeigt sich: Wenn weniger Autos fahren, dann wird auch weniger Schadstoff emittiert. Und es sind in der Corona-Zeit schätzungsweise knapp die Hälfte der Autos weggefallen an diesen innerstädtischen Messstellen. Deshalb ist es egal, was die Immissionswerte zeigen - die Luft ist in Summe in den letzten Wochen besser geworden.

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