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Belly Button Challenge Ess-Störungen aus dem Internet

Wer es schafft, seinen Arm in einem absurden Geschlängel um sich selbst nach vorne bis zum Bauchnabel zu bringen, gilt als dünn genug - wer nicht, als fett und unsportlich. Darüber lachen oder ernst nehmen? Experten warnen vor Ess-Störungen.

Bin ich schön? Bin ich zu dick? Werde ich mit diesem Körper jemanden finden, der mich liebt? Kaum ein Teenie, den diese Fragen nicht in irgendeiner Form umtreibt. Das Problem dabei: Wenn sie in der Gedanken- und Gefühlswelt einen zu großen Raum einnehmen, können sich daraus gefährliche Ess-Störungen entwickeln.

Fragen an Diplom-Psychologe Andreas Schnebel, Vorsitzender des Bundesfachverbandes Ess-Störungen

Wie ernst nehmen Sie diesen Netz-Trend Belly Button Challenge - gibt es wirklich Teenies, die ein Problem entwickeln, wenn sie so eine absurde Verrenkung nicht hinkriegen?

Ich fürchte, dass dieser neue Trend ernst zu nehmen ist, weil gerade viele Teenies sehr empfänglich sind für alle möglichen merkwürdigen Dinge im Internet und ja auch das Problem ist, dass sich das dann sehr schnell verbreitet. Dass heißt, es gibt immer genügend, die darauf einsteigen oder man könnte auch sagen, darauf reinfallen.

Wer ist besonders gefährdet, Ess-Störung zu entwickeln - weil er so ein Video auf Instagram oder Snapchat oder irgendwo sonst im Internet sieht?

Ein Model in Mailand auf dem Laufsteg

Superschlanke Models als Vorbild

Besonders gefährdet sind junge Mädchen in der Pubertät. Natürlich auch Jungs, die sowieso verunsichert sind mit ihrem Körper, die einer starken Konkurrenz ausgesetzt sind. Und auch ein Stück weit durch Sendungen wie "Germanys Next Topmodel" oder allgemein auch dem gesellschaftlichen Trend, dass alle schlank, schön, sportlich sein müssen. Die sind gefährdeter natürlich als Erwachsene, die schon mit sich selber etwas sicherer sind.

Aber gleicht sich nicht jeder Teenie ab? Auf wen muss ich besonders achten?

Abgleichen werden sich wahrscheinlich die meisten Menschen. Das ist auch ein Stück weit etwas normales. Aber: Das Problem ist, wenn jemand ohnehin schon verunsichert ist mit seinem Körper oder irgendwelche Mängel da empfindet, die meistens gar nicht wirklich da sind, dann sind natürlich solche scheinbar objektiven Geschichten, die dieser Test da vorgaukelt, gefährlich. Weil es dann bedeutet, wenn ich das nicht hinkriege, dann stimmt was nicht bei mir. Dieses Thema "es stimmt was nicht" ist ein ganz großes Thema - gerade in der Pubertät.

Verstärken sich Ess-Störungen bei Jugendliche durch diesen Druck in Sozialen Netzwerken?

Es kam ja bei der Studie zu "Germanys Next Topmodel" heraus, dass bei denen, die ohnehin schon essgestört sind, sich das Verhalten verschlimmert - aber auch bei Mädchen, die noch nicht essgestört sind, zumindest eine Gefährdung entsteht.

Was macht man da als Eltern? Meinem Kind Smartphone oder Tablet einfach wegnehmen, ist unrealistisch.

Entscheidend ist immer, dass sie vertraulich oder im vertrauten Gespräch mit ihrem Kind sind, weil sie sonst ohnehin wenig Chancen haben, etwas zu sagen. Und wenn sie dann im Gespräch sind, bringt es auch nichts, abwertend drüber zu reden oder zu sagen, was das für ein Unfug ist. Sondern einfach ein bisschen kritisch hinterfragen, was das überhaupt für einen Vorteil hat, selbst wenn man das hinbekommt. Vielleicht auch dieses Argument einwerfen, was jetzt auch durch die Presse geht, dass Menschen, die das können, gar nicht so besonders sportlich sind, sondern nur besonders schlechtes Bindegewebe haben.

Kein Trend ohne Gegentrend: Man sieht im Netz auch Bilder von dicken Jungs, die sich offenbar einen Spaß daraus machen, bei der Belly Button Challenge absichtlich oder einfach wegen ihres Körperbaus zu scheitern. Sind Jungs grundsätzlich selbstbewusster mit ihrem Körper?

Mann trainiert mit Gewichten. Er wird von einem Trainer bezüglich seiner Haltung korrigiert.

Junge Männer achten ebenso auf ihre Figur

Leider nicht. Diese Jungs, die das jetzt machen, das ist natürlich prima. Aber der Trend zu Ess-Störungen und natürlich zur Auseinandersetzung mit dem Körper, zum Beispiel Sixpack oder so, ist bei Jungs und jungen Männern auch sehr steigend.



Online: Heidi Keller, Christine Trück