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AOK-Report zu Behandlungsfehlern Krankenhaus gefährlicher als die Straße

Deutlich mehr Menschen sterben durch Fehler im Krankenhaus als durch Unfälle im Straßenverkehr. Das besagt der neue AOK-Krankenhausreport. Bei etwa jeder 100. Behandlung geht offenbar etwas schief. Das geht von Infektionen bis hin zu im Körper vergessenem OP-Material. Die Dunkelziffer gilt als besonders hoch.

Für jeden tausendsten Patienten endet der Fehler tödlich, sagt der AOK-Report. Das wären pro Jahr in Deutschland 19.000 Tote durch Fehler in Kliniken - fünf Mal so viele wie es Verkehrstote gibt. 2013 kamen rund 3.300 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben.

Behandlungsfehler - damit meint das Wissenschaftliche Institut (WidO), das im Auftrag der AOK den Bericht erstellte, Fehler, die sich einzelnen Personen, Ärzten oder Pflegern zuordnen lassen. Hinzu kämen aber "unerwünschte Ereignisse". Das seien Mängel im System, etwa durch mangelnde Hygiene oder fehlende Zeit für Gespräche mit den Patienten.

Allergie nicht erkannt

In vielen Fällen seien Fehler vermeidbar, erklärte Max Geraedts, Leiter des Instituts für Gesundheitssystemforschung der Universität Witten/Herdecke und Mitherausgeber des Reports. Als Beispiel nannte er einen Patienten, der eine Medikamentenallergie erleidet, von dieser Allergie wusste, aber vorher nicht dazu befragt wurde.

Außer Fehlern bei der Medikamentengabe seien schadhafte Medizinprodukte und mangelnde Abstimmung unter den Klinik-Mitarbeitern Ursachen für "unerwünschte Ereignisse". Ärztevertreter betonen, dass es sich normalerweise nicht um Pfusch, sondern vielmehr meist um Organisationsmängel, zu komplizierte Eingriffe oder zu risikoreiche Operationen handelt. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft betont, dass die Sicherheitsstandards so hoch wie nie zuvor seien.

Die Politik will handeln

Allerdings sprechen die Zahlen eine andere Sprache: Insgesamt beanstanden nach Schätzungen rund 40.000 Versicherte pro Jahr ihre Behandlung bei Ärztestellen, Kassen oder direkt vor Gerichten.

Auch die Politik will sich dem Thema annehmen. Der neue Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hat angekündigt, dass er den Behandlungserfolg stärker zum Maßstab für die Patienten machen will. Ein neues Institut soll dabei die routinemäßig anfallenden Daten bei den einzelnen Behandlungen auswerten.

Schwächen im System

So soll es eine Vergleichsliste der Krankenhäuser geben und schlechte Qualität soll durch Abschläge bei der Finanzierung bestraft werden. "Das wird nicht leicht sein, Kriterien zur Bewertung zu erarbeiten", sagt Hedwig François-Kettner, Vorsitzende des Aktionsbündnis Patientensicherheit im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Auf die Frage, ob das Risiko für Patienten gewachsen sei, sagt sie: "Es wird genauer hingesehen." Namen von Ärzten oder Pfleger zu nennen, hält sie für falsch: "Wir wollen nicht Schuldige suchen, sondern Lösungen finden. Dazu ist es wichtig, Schwächen im System zu identifizieren."