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Neue Gefahren machen uns Angst, sagt der Psychiater und Psychologe Borwin Bandelow im SWR. Und wenn die Gefahr auch noch unbeherrschbar erscheint, spiele das Gehirn verrückt.

In unserem Kopf würden bei mutmaßlichen Bedrohungen zwei Bereiche gegeneinander arbeiten. Auf der einen Seite befinde sich das Angstgehirn. "Das ist relativ einfach strukturiert und erzeugt das Gefühl, dass das Ende naht", sagt der Angstforscher. Im Fall des Coronavirus verstärke sich dieser Eindruck wegen fehlender Therapie- und Behandlungsmöglichkeiten noch.

Dem gegenüber stehe das Vernunft-Gehirn. "Das hat schon längst verstanden, dass statistisch gesehen kaum Gefahr besteht und dass es häufig Leute trifft, die ein geschädigtes Immunsystem haben. Aber das Zentrum, das für Angst zuständig ist, ist nicht gut in Statistik", sagt Bandelow.

Keine Angst vor Grippe - wie passt das zusammen?

Rational seien die Abläufe im Gehirn deshalb nicht zu erklären. Denn wir wüssten ja, dass jedes Jahr bis zu 25.000 Menschen in Deutschland an einer normalen Grippe sterben würden. "Davor haben wir überhaupt keine Angst", ergänzt Bandelow. "Und wir gehen auch nicht alle zur Grippeschutzimpfung."

Nur die Zeit lindert das Angstgefühl

Das geeignete Gegenmittel gegen die Bedrohungslage ist nach Ansicht des Forschers nur die Zeit. "Solche Ängste gehen nach circa vier Wochen vorbei, selbst wenn dann noch vielmehr Corona-Verdachtsfälle in Deutschland gemeldet sind."

Borwin Bandelow ist Gastwissenschaftler an der Universitätsmedizin Göttingen.

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