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Die Audio-App Clubhouse mischt die Social Media Welt auf. Sie ist am ehesten mit einem Live-Podcast zum Mitmachen vergleichbar. Mitmachen geht nur auf Einladung. Und für die wird auf Ebay bis zu 50 Euro verlangt.

Bei Clubhouse können sich User in virtuellen Gesprächsräumen - den sogenannten "rooms"- zu unterschiedlichsten Themen äußern. Dabei gibt sich die App exklusiv: Grundvoraussetzungen sind ein iPhone und ein Einladungscode von einem bereits aktiven Nutzer. Bei allem Hype: Markus Beckedahl, Chefredakteur bei Netzpoliti.Org, hält die App für "sehr problematisch", weil sie viele Adressdaten ihrer Nutzer sammele.

So möchte Clubhouse das Adressbuch einsehen, inklusive aller Daten. Also eventuell auch Telefonnummer und Wohnadresse. Beckedahl sagte im SWR: "Wir können nicht ausschließen, dass Clubhouse möglicherweise heute schon oder in Zukunft die gesammelten Daten an Datenhändler weiterverkauft und somit die Adressdaten und Telefonnummern auf dem Markt erhältlich sind."

Jeder will mit dabei sein

Warum die App trotzdem so begehrt ist, erklärt Beckedahl mit dem Herdentrieb: "Das ist ein Prinzip, das viele Plattformen populär gemacht hat. Man bekommt mit, dass andere Menschen irgendwo sind, auch Prominente, die eine gewisse Sogwirkung haben, und möchte auch dabei sein."

Genutzt wird Clubhouse nach Ansicht Beckedahls vor allem von Prominenten, Journalisten und Podcastern. Dazu kämen viele aus dem Kommunikations- und Innovationsumfeld: "Menschen, die sich hauptsächlich Gedanken machen, wie sie Kommunikation professionell vermitteln können."

Dazu gehörten auch viele Politikerinnen und Politiker und deren Gefolgschaft. "Das ist ein Vorzeichen darauf, dass wir in diesem Jahr viele Wahlkämpfe erleben werden, die digital stattfinden", ist sich Beckedahl sicher.

Nutzer müssen für ihre Gäste bürgen

Eine weitere Schwachstelle sieht der Netzjournalist Beckedahl in der fehlenden inhaltlichen Regulierung. Früher oder später müsse sich Clubhouse damit auseinandersetzen, dass nicht alle User freundlich und nett seien: "Im Moment gibt es einen Mechanismus, dass diejenigen, die andere einladen, für ihre Gäste bürgen."

 Das heißt: Nicht nur die Eingeladenen würden herausrausfliegen, wenn sie Hass oder Verschwörungstheorien verbreiten, sondern auch ihre Bürgen.

"Hype Cycle" ist oft kurz

Beckedahl ist skeptisch, ob der Hype um Clubhouse von Dauer ist. Die App bediene eine "Sehnsucht, dass es auch eine andere Welt neben Facebook und Instagram geben könnte." Allerdings gebe es diesen "Hype Cycle bei vielen Apps. Und meist dauere er nur einen kurzen Moment an.

Noch profitiere Clubhouse vom Reiz des Neuen, "weil viele Menschen von Videokonferenzen müde sind, wo man sich die ganze Zeit beobachtet fühlt". Da sei ein Audio, das man beim Spazierengehen dabei haben kann, was ganz anderes. Die spannende Frage: "Werden bekannte größere soziale Netzwerke, wie Twitter oder Facebook, die Funktionalitäten in ihre Produkte einbauen, oder hat Clubhouse die Chance sich zu etablieren?"

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