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Banken und Versicherungen Das Märchen vom ehrlichen Berater

Es war einmal ein Bankberater, der hat seinen Kunden das Blaue vom Himmel versprochen: Geldanlagen mit hoher Rendite und Null Risiko. Der Berater kassierte die Provision, die Anlagen floppten. Beratungsprotokolle von Banken und Versicherungen sind Pflicht - aber dennoch fehlerhaft.

Drei Menschen bei der Unterschrift eines Vertrags

Nur ein Bruchteil der Berater liefert auch ein Protokoll

Damit so etwas nicht mehr passiert, gibt es seit 2010 Protokolle bei Gesprächen mit Bankberatern; die sollen Kunden davor schützen, falsch beraten zu werden. Für Versicherungen gilt die Protokollpflicht schon seit 2008. Die meisten dieser Protokolle sind aber, wie wir inzwischen wissen, fehlerhaft. Das bestätigt auch eine neue Studie, die im Verbraucherschutzministerium vorgestellt wurde.

Die Ergebnisse der Studie

Großes Bankgebäude

Die Protokollpflicht gilt für Banken und Versicherungen

Viel Aufwand für die Berater, kaum Nutzen für die Verbraucher - so lassen sich die Ergebnisse der Studie im Auftrag des Justizministeriums zusammenfassen. Die Hauptkritikpunkte: In vielen Fällen werden Beratungsprotokolle gar nicht erst erstellt. In einer Stichprobe haben Testkunden 130 Beratungsgespräche geführt, im Anschluss erhielt nicht einmal jeder Vierte das eigentlich vorgeschriebene Protokoll.

Besonders nachlässig sind demnach die Versicherungen: in der Stichprobe kamen nur 15 Prozent ihrer Dokumentationspflicht nach. Die Banken schnitten bei Geldanlagen mit knapp 40 Prozent besser ab. Doch selbst wenn Protokolle erstellt werden, nützen diese dem Kunden oft wenig. Sie seien zu unübersichtlich, zu ungenau und häufig unverständlich, so die Kritik der Autoren der Studie.

Verhängnisvolle Unterschrift der Kunden

Hände schreiben mit einem Stift

Protokolle müssen nur vom Berater unterschrieben werden - nicht vom Kunden!

So werde zum Beispiel die Risikobereitschaft des Kunden im Beratungsgespräch abgefragt - im Protokoll erscheine hinterher aber oft nur ein allgemeiner Textbaustein, der wenig mit der individuellen Situation des Kunden zu tun habe. Darüber hinaus bemängeln die Studienautoren, dass die Kunden das Protokoll häufig unterschreiben müssten, obwohl das von Gesetzgeber gar nicht vorgesehen ist.

Eine solche Unterschrift kann dem Kunden zum Verhängnis werden, wenn bestimmte Passagen missverständlich formuliert sind oder das Beratungsprotokoll Fehler enthält. Eine Falschberatung ist dann später schwer nachzuweisen.

Was sich für Bankkunden ändern sollte

Die Ergebnisse der aktuellen Studie decken sich mit denen früherer Untersuchungen. Um die Kunden künftig besser zu schützen, schlagen die Autoren eine Reihe von Maßnahmen vor:

So sollten zum Beispiel die Berater strenger überwacht werden. Verstöße gegen die Dokumentationspflicht sollten durch höhere Geldbußen geahndet werden. Um die Protokolle übersichtlicher zu gestalten, könnten die Formulare standardisiert werden. Denkbar wäre aber auch, alle Beratungsgespräche aufzuzeichnen. Das wiederrum könnte aber datenschutzrechtlich problematisch sein.

Beratungsgespräch bei der Verbraucherzentrale

Verbraucherzentralen helfen

Das Bundesjustizministerium will die Studie nun auswerten und die Ergebnisse im Herbst mit Wissenschaftlern, Vertretern der Finanzindustrie und Verbraucherschützern diskutieren. Erst danach soll festgelegt werden, wie die Protokollpflicht im Einzelnen reformiert werden soll.

Beratungsprotokolle

Banken im Test

Checkliste

So minimieren Sie das Beratungsrisiko