Reisende warten auf dem Bahnsteig auf dem Berliner Hauptbahnhof. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Carsten Koall)

Lokführerstreik bei der Bahn

Fragen und Antworten: Das sind Ihre Fahrgastrechte beim Bahnstreik

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Die Lokführergewerkschaft GDL streikt im Personenverkehr ab Donnerstag, 2. September, um 2 Uhr früh. Viele Züge werden erneut ausfallen oder sich verspäten. Fragen und Antworten zur Erstattung.

Wer zur Arbeit pendelt oder mit der Bahn in den Urlaub fahren wollte, wird sich nicht freuen: Zahlreiche Züge fallen vorerst aus und Kundinnen und Kunden müssen sich jetzt um einiges kümmern.

Wo kann ich mich informieren, ob ich vom Streik betroffen bin?

Die Deutsche Bahn informiert Reisende auf ihren Internetseiten darüber, ob Züge planmäßig fahren oder Verspätungen absehbar sind. Auch in der DB Navigator-App sind Informationen und ein Ersatzfahrplan abrufbar. Die Bahn hat angekündigt, im Fernverkehr werde das Angebot Montag und Dienstag auf ein Viertel reduziert. Priorität dürften besonders stark genutzte Strecken haben, genauso wie die Anbindung wichtiger Bahnhöfe und Flughäfen.

Auch für den Regional- und S-Bahnverkehr gibt es Ersatzfahrpläne. Ein Grundangebot von 40 Prozent der Züge soll beibehalten werden, allerdings kann die Zahl der Züge regional stark schwanken. Informationen gibt es auch auf den Internetseiten und in Apps von Verkehrsverbünden oder privaten Eisenbahnunternehmen.

Kann ich vor Abfahrt mein Bahnticket zurückgeben?

In der Regel gilt, dass Kundinnen und Kunden Tickets nicht vorab - sozusagen auf den Verdacht, möglicherweise betroffen zu sein - zurückgeben können. Die Deutsche Bahn kündigte aber wie beim letzten Streik an, sich gegenüber Fahrgästen „maximal kulant“ zu zeigen. Alle gebuchten Fahrkarten für Strecken, die im Streikzeitraum betroffen sind, könnten kostenfrei erstattet werden. Ansonsten bleiben Tickets für den Fernverkehr den Angaben zufolge bis 4. September gültig und können flexibel genutzt werden. Bei Sparpreisen und Super Sparpreisen muss die Fahrt am gebuchten Tag angetreten werden, die Zugbindung ist aber aufgehoben. Außerdem dürfen für die Weiterfahrt auch andere Züge genutzt werden.

Wann habe ich ein Recht auf Entschädigung?

Fahrgäste haben Anspruch auf eine Entschädigung, wenn ihr gebuchter Zug ausfällt oder stark verspätet am Zielort ankommt. Das ist über EU-Recht geregelt und gilt unabhängig davon, mit welchem Bahnunternehmen jemand unterwegs war. Pauschal lässt sich sagen: Kundinnen und Kunden können mit einer Erstattung von 25 Prozent des Ticketpreises rechnen, falls ihr Zug mindestens 60 Minuten verspätet eintrifft. Ab zwei Stunden Verspätung am Ziel muss die Hälfte der Fahrtkosten erstattet werden. Reisende sollten sich immer an das Unternehmen wenden, bei dem sie gebucht hatten.

Wie kann ich die Entschädigung für meine Fahrkarte beantragen?

Die Deutsche Bahn bietet zwei Wege für eine Erstattung an: Über das Fahrgastrechteformular per Post, oder online über das Kundenkonto auf den Internetseiten der Bahn beziehungsweise die App DB Navigator. Wer mit anderen Bahnunternehmen unterwegs ist, muss sich dort erkundigen. Manche Verkehrsunternehmen nehmen am Verfahren der Bahn teil, sie sind hier zu finden. Andere Anbieter haben eigene Formulare oder Erstattungsverfahren. Die Erstattung kann einige Wochen dauern.

Was gilt für Bahnpendler mit Zeitkarten?

Bei der Deutschen Bahn werden Streckenzeitkarten ab einer Verspätung von mehr als 60 Minuten am Ziel entschädigt – insgesamt maximal 25 Prozent des Zeitkartenwertes. Wer Wochen- oder Monatskarten des Nahverkehrs hat, soll sich nach Ablauf der Geltungsdauer beim Servicecenter Fahrgastrechte melden. Für Länder-Tickets, Quer-durchs-Land- und Schönes-Wochenende-Tickets gibt es eine vergleichsweise geringe Entschädigung von pauschal 1,50 in der 2. Klasse bzw. 2,25 Euro in der 1. Klasse.

Was, wenn eine Entschädigung abgelehnt wird?

Der Fahrgastverband Pro Bahn empfiehlt Reisenden in solchen Fällen, sich an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr zu wenden. Sie setzt sich kostenlos dafür ein, einen Streit zwischen Verkehrsunternehmen und Kundinnen und Kunden außergerichtlich beizulegen.

Kann ich Fahrräder mitnehmen?

Fahrräder mitnehmen ist keine so gute Idee. Die Regionalzüge sind wahrscheinlich voll, und im Fernverkehr geht das nur mit fest reserviertem Stellplatz. Sollte der Zug dann doch ausfallen, wird das Fahrrad aber kostenlos mit dem DB Gepäckservice verschickt. Das gilt allerdings nur für einfache Fahrräder und nicht für Pedelecs und E-Bikes.

Was, wenn ich nicht zum Flughafen komme oder meinen Ferienort nicht erreiche?

Hier kommt es drauf an: Wenn ich eine Pauschalreise gebucht habe – dann bin ich rechtlich abgesichert. Dann muss sich der Reiseveranstalter kümmern, dass ich auch ankomme. Wie er das löst, ist seine Sache: Es kann sein, dass ich auf einen früheren Zug umgebucht werde und einige Stunden früher los muss. Sollte ich den Flug trotzdem verpassen oder nicht in meiner Unterkunft ankommen, müsste er auch hier eine Lösung finden.

Wer allerdings Bahnticket und Flug oder Reise individuell gebucht hat, der muss sich um alles selbst kümmern – und auch mögliche zusätzliche Kosten selbst tragen.

RLP

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