Nur noch wenig Grün ist in einem brandenburgischen Kiefernwald zu sehen (Foto: dpa Bildfunk, Ralf Hirschberger)

Vor allem Fichten betroffen Wald in Baden-Württemberg: Hitzejahr 2018 wirkt sich aus

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Dem Wald in Baden-Württemberg geht es schlecht: Das Hitzejahr 2018 wirkt sich jetzt aus. Forstminister Peter Hauk (CDU) will gegensteuern – doch Naturschützer sehen seine Pläne kritisch.

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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen BW

Auch wenn es 2019 viel geregnet hat, die Bäume in Baden-Württemberg sind noch geschwächt von der Trockenheit des vergangenen Jahres und damit ein leichtes Opfer für Pilze und Schädlinge. Laut der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt (FVA) Baden-Württemberg sind rund 100.000 Hektar Wald im Land gefährdet.

Vor allem Fichten sind betroffen. Sie haben flache Wurzeln, mit denen sie bei Trockenheit nicht mehr an Wasser kommen. 2018 steckt ihnen noch im Holz. Jetzt sind sie so gut wie wehrlos gegen Borkenkäfer. Aber auch Tannen, Buchen und Eichen geht es mittlerweile schlecht. Über alle Baumarten hinweg sind seit vergangenem Jahr in Baden-Württemberg fast drei Millionen Kubikmeter Holz der Trockenheit und Schädlingen zum Opfer gefallen. Das teilte das Landwirtschaftsministerium mit.

Sollte sich die Durchschnitts-Temperatur im Land bis zum Jahr 2100 weiter erhöhen, könnte es laut FVA soweit kommen, dass Tannen nur noch auf 10 Prozent der Waldfläche im Land wachsen können. Bisher sind 70 Prozent der Fläche geeignet. Bei Buchen könnte sich die mögliche Fläche von 90 auf 40 Prozent verringern.

Douglasien und Roteichen als Rettung

Helfen könnten aus Sicht der FVA andere Baumarten, die mit dem veränderten Klima besser umgehen können. Auf solche Arten will Forstminister Peter Hauk (CDU) künftig verstärkt setzen. Kandidaten sind zum Beispiel Douglasien aus Nordamerika oder Roteichen aus Südeuropa.

Exotische Arten in Baden-Württemberg? Kritik vom BUND

Naturschützer sehen den Einsatz exotischer Arten allerdings kritisch. Sylvia Pilarsky-Grosch vom BUND Baden-Württemberg fordert, stattdessen verstärkt auf heimische Laubarten zu setzen und auch Absatzmärkte dafür zu schaffen. "Wir gehen im Moment davon aus, dass das auch die Bäume sind, die sich am besten an den Klimawandel anpassen können." Bei fremden Baumarten wisse man gar nicht, wie sie hierzulande klarkämen.

Politik halte an alten Konzepten fest

Ähnlich sieht das Claus-Peter Hutter von der Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg. Er kann sich ein Aufforsten mit einheimischen Baumarten oder Arten aus Südeuropa vorstellen. Keinesfalls dürften aber Arten aus anderen Kontinenten hergebracht werden. Stattdessen müsse man der Natur Zeit geben: "Wie brauchen auch den Wirtschaftswald, also eine Holzproduktion. Auf der anderen Seite brauchen wir stabile, wilde Wälder, wo Bäume auch noch 400, 500 Jahre alt werden dürfen." Wald sei mehr als das Holz, das man ernten könne. "Wald liefert frische Luft, stabilisiert das Klima, schützt den Boden, hält Wasser zurück." Die Politik halte aber an alten Konzepten fest.

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