Kontaktdaten-Erfassung mit der Luca-App (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Moritz Frankenberg)

Nachverfolgung von Corona-Kontaktpersonen

Nach Experten-Treffen zur Luca-App: Breite Ablehnung in BW

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Wie soll es mit der Luca-App weitergehen? Vor der Entscheidung über den Weiterbetrieb ist die Ablehnung groß. Nutzer und Kritiker nannten die Anwendung am Montag in Stuttgart überflüssig.

Baden-Württemberg muss entscheiden, ob es die Luca-App zur Kontaktverfolgung in der Corona-Pandemie weiter nutzen will. Zuvor hatte die Landesregierung am Montag zu einem öffentlichen Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern von Gesundheitsämtern, Software-Entwicklungsunternehmen, vom Freiburger Chaos Computer Clubs und dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband geladen.

Nicht alle Gesundheitsämter sehen Nutzen von Luca-App

Viele Gesundheitsämter in Baden-Württemberg sehen keinen Gewinn bei der Nachverfolgung von Corona-Ausbrüchen durch die App. Eine Umfrage, an der sich 34 von 38 Gesundheitsämtern beteiligten, habe ein heterogenes Bild abgegeben, so Landesgesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) am Montag. Ein Viertel der Ämter habe keine Aussage zur App gemacht. Von den restlichen Ämtern habe die Hälfte angegeben, dass die App die Kontaktverfolgung erleichtere. Die andere Hälfte gab jedoch an, dass die App keine oder kaum Erleichterung bringe.

Die Luca-App soll Restaurantbesitzern und Event-Veranstaltern helfen, die gesetzlich vorgeschriebene Erfassung der Kontakte der Besucher ohne Zettelwirtschaft zu erledigen. Sie kann direkt mit den Gesundheitsämtern verbunden werden. Da aber viele Menschen vergessen würden, sich wieder abzumelden, führe das zu langen Listen mit Hunderten Kontaktpersonen. Diese abzuarbeiten sei mühsam und oft wenig ertragreich. Die Ämter forderten eine digitale Lösung, bei der die räumliche und zeitliche Nähe zu einem infizierten Besucher schneller und klarer erfasst werden könne.

Chaos Computer Club nennt Kontaktverfolgung über Luca-App einen Witz

Die Hackervereinigung Chaos Computer Club (CCC) sieht keinen Sinn in der weiteren Verwendung der Luca-App. Bei der Nachverfolgung von Kontakten müsse man sehr schnell sein, sagte Jens Rieger, Vorstand des CCC Freiburg. Bundesweit gebe es pro Tag im Schnitt 10 bis 20 Kontaktverfolgungen über die App, berichtete Rieger - bei mehr als 320 angeschlossenen Gesundheitsämtern sei das "ein Witz". Die Kontaktnachverfolgung über die Luca-App finde de facto nicht statt.

DEHOGA fordert Abschaffung von Gäste-Kontaktdaten

Der Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) hat sich erneut dafür ausgesprochen, Gäste-Kontaktdaten in Gastronomie und Hotellerie nicht mehr zu erfassen. Entscheidend sei, erfasste Daten auch nachzuverfolgen und bearbeiten zu können, sagte Geschäftsführer Tobias Zwiener. Man dürfe jetzt nicht ein System mit einem anderen ersetzen, sagte er mit Blick auf die Corona-Warn-App.

Die Luca-App sei die einzige, die Bürger, Ämter und Veranstaltungsorte zusammenbringe, verteidigten sich dagegen die Betreiber.

Zukunft der Luca-App ungewiss

Gesundheitsminister Lucha sagte am Montag, man werde alle Hinweise mitnehmen und intensiv beraten. Bis Ende Februar will die Landesregierung entscheiden, ob die Lizenz mit den Software-Betreibern verlängert wird. Einige andere Bundesländer haben bereits beschlossen, nicht länger auf die App zu setzen.

Baden-Württemberg hatte die App ohne Ausschreibung und Wettbewerbsverfahren für 3,7 Millionen Euro erworben. Die Lizenz läuft nach früheren Angaben der Behörde Ende März aus und wird ohne eine fristgerechte Kündigung automatisch fortgesetzt.

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