Eine Mitarbeiterin hält in einem Speziallabor des Landesumweltamtes eine Petrischale mit Proben von Legionellen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Federico Gambarini)

Behörden stehen vor einem Rätsel

Auffälliger Anstieg der Legionellenfälle in BW: Darauf müssen Sie achten

STAND

In Baden-Württemberg gibt es derzeit ungewöhnlich viele Infektionen mit Legionellen. Darunter seien auch sieben Todesfälle. Um sich zu schützen, muss man bestimmte Dinge beachten.

Die Zahl der Legionellen-Erkrankungen in Baden-Württemberg steigt nach Angaben des Landesgesundheitsamts (LGA) derzeit auffällig. Von etwa Mitte Juni bis zum 6. August seien 97 Fälle mit Erkrankungsbeginn ab dem 1. Juni registriert worden. Sieben Menschen seien daran gestorben. Das sei die höchste Anzahl an Erkrankungen im Vergleich zu den gleichen Zeiträumen der Jahre 2001 bis 2020.

Legionellen werden häufig über das Einatmen von feinem Wasserdampf oder Sprühnebel übertragen - etwa beim Duschen. Lässt man Duschen über längere Zeit ungenutzt, können sich Bakterien ausbreiten und der Gesundheit schaden. Auch Belüftungssysteme, Luftbefeuchter und Klimaanlagen können feine Tröpfchen mit Bakterien verteilen. Die Erreger können grippeartige Beschwerden bis hin zu schweren Lungenentzündungen auslösen.

Ursache für immer mehr Legionellen-Infektionen unklar

Ein Grund dafür sei noch nicht auszumachen, sagt Jens Fleischer, Labor- und Sachgebietsleiter Wasserhygiene im LGA. Ob der monatelange Stillstand in manchen Einrichtungen dazu geführt habe, dass sich Legionellen ausbreiten konnten, sei noch unklar. "Wir vermuten, dass Rückkühlwerke oder Kühltürme von Industrieanlagen oder Warmwasserinstallationen in Gebäuden nicht so gewartet wurden, wie sie sollten. Dies wäre eine mögliche Erklärung."

Die Fälle traten ohne erkennbares Muster in Baden-Württemberg auf. Betroffen sind 31 der 44 Stadt- und Landkreise. Im Landkreis Ortenau und im Landkreis Ludwigsburg gab es jeweils acht Erkrankte im genannten Zeitraum. "Wir wissen nicht, wo sich die Menschen angesteckt haben. Bisher haben wir keinen gemeinsamen Nenner ausgemacht", sagt Fleischer. Auch könne man nicht von einem Ausbruch sprechen, sondern von einer Häufung von Erkrankungen, die im gleichen Zeitraum stattfanden. Die betroffenen Gesundheitsämter der Kreise seien gerade dabei, Fragebögen des LGA zu beantworten. Danach wisse man vielleicht mehr.

Keine Übertragung von Mensch zu Mensch

Es bestehe auch die Möglichkeit mittels eines bundesweiten Katasters - also eines Bestandsverzeichnisses von Grundstücken - die technischen Anlagen mit den Fällen geografisch abzugleichen, um festzustellen, ob sie im Umkreis dieser Anlagen aufgetreten seien, sagte Fleischer. "Sollte dies der Fall sein, wird man sich die Anlagen genauer anschauen."

Besonders für ältere Menschen und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem können Legionellen gefährlich werden. Auch Raucher haben ein erhöhtes Risiko. Männer sind deutlich häufiger betroffen als Frauen - warum, ist nicht klar. Die Behörden gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. Da die Ansteckung übers Einatmen läuft, gibt es auch eine gute Nachricht: Wer Legionellen-haltiges Wasser schluckt, braucht sich in der Regel keine Sorgen zu machen - es sei denn, man verschluckt sich.

Fleischer vom LGA wies zudem darauf hin, dass Legionellen nicht von Mensch zu Mensch übertragen werden können: "Insofern hat es immer einen technischen Hintergrund." Es gelinge nur in seltenen Fällen, eine Quelle festzustellen.

Zwei Tote im Landkreis Heilbronn

So auch in Heilbronn: Auf der Suche nach der Quelle einer Legionellen-Infektion mit mehreren Infizierten und zwei Toten im Kreis Heilbronn sind die Behörden nicht weitergekommen. Experten des Heilbronner Gesundheitsamtes gehen nicht davon aus, dass verunreinigtes Trinkwasser die Ursache für die Infektionen ist. Die Erkrankten wohnten in unterschiedlichen Orten, es gebe mehrere Wasserversorger.

Weinsberg

Ermittlungen nach Todesfällen Legionellen-Infektionen im Raum Weinsberg: Drei Kühlanlagen im Fokus

Das Kreisgesundheitsamt Heilbronn konzentriert seine Ermittlungen wegen Legionellen-Infektionen im Weinsberger Tal auf drei Firmen mit Verdunstungskühlanlage. Zwei Menschen waren an einer Infektion gestorben.  mehr...

Man mutmaßt in Heilbronn, dass die Ursache in einer Verdunstungskühlanlage zu finden ist. "Aber nachweisen ließ sich das nicht, weil zum Zeitpunkt der Überprüfung die Anlagen routinemäßig bereits desinfiziert worden waren", sagt die Sprecherin der Behörde, Lea Mosthaf. Sie hoffe, dass nach dem Stillstand durch Corona alle Fitnessstudios, Unternehmen mit Betriebsduschen, Saunen und Freibäder ihre Anlagen legionellenfrei gemacht hätten. Sie appellierte an Urlaubsrückkehrer, ihr Leitungswasser im Haushalt auf über 60 Grad zu erhitzen oder heißes Wasser längere Zeit laufen zu lassen.

Nach Corona-Pause: Erhöhtes Risiko?

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hatte bereits im vergangenen Jahr vor einem möglichen Legionellen-Risiko gewarnt, infolge wochenlanger Schließungen von Hotels, Sportanlagen und Schwimmbädern. Bei unsachgemäßer oder fehlender Wartung könne es nach der Corona-Pause zu einem erhöhten Wachstum dieser Bakterien in Trinkwasseranlagen gekommen sein, schrieb das RKI im "Epidemiologischen Bulletin". Betreiberinnen und Betreiber sollten vor einer Wiedereröffnung ihrer Trinkwasseranlagen deshalb einen einwandfreien Betrieb sicherstellen.

Ideale Wachstumsbedingungen finden Legionellen bei Temperaturen zwischen 25 und 45 Grad. Bei Wassertemperaturen über 55 Grad wird das Wachstum der Keime nach RKI-Angaben gehemmt. Bei mehr als 60 Grad komme es zum Absterben der Keime.

Mehr zum Thema

Weinsberg

Weinsberg Keine neuen Legionellen-Fälle entdeckt

Keine neuen Legionellen-Fälle in WeinsbergNach einem Legionellen-Ausbruch mit zwei Toten im Weinsberger Tal (Kreis Heilbronn) sind am Wochenende keine neuen Erkrankten gemeldet worden.  mehr...

Weinsberg

Ermittlungen nach Todesfällen Legionellen-Infektionen im Raum Weinsberg: Drei Kühlanlagen im Fokus

Das Kreisgesundheitsamt Heilbronn konzentriert seine Ermittlungen wegen Legionellen-Infektionen im Weinsberger Tal auf drei Firmen mit Verdunstungskühlanlage. Zwei Menschen waren an einer Infektion gestorben.  mehr...

Weinsberg

Auffälliges Infektionsgeschehen im Weinsberger Tal Zwei Menschen sterben nach Legionellen-Infektion

Im Weinsberger Tal (Kreis Heilbronn) haben sich innerhalb einer Woche insgesamt fünf Menschen mit Legionellen infiziert. Wie das Gesundheitsamt Heilbronn berichtet, sind bereits zwei Menschen gestorben.  mehr...

STAND
AUTOR/IN