Flaggen für die Fußball-WM 2022 in Katar sind an der Corniche Promenade zu sehen. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Christian Charisius)

Kretschmann will trotz Bedenken Spiele anschauen

Anhaltende Kritik an bevorstehender Fußball-WM in Katar - VfB-Boss fordert FIFA zum Handeln auf

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In wenigen Tagen beginnt die Fußball-WM im Wüstenstaat Katar. Die Debatte um das Ausrichterland geht indes weiter - auch weil ein WM-Botschafter mit einem ZDF-Interview für Schlagzeilen sorgt.

Ein Interview im Rahmen der ZDF-Dokumentation "Geheimsache Katar" im Vorfeld der am 20. November beginnenden Fußball-Weltmeisterschaft in Katar sorgt weiter für Wirbel. Der Vorstandschef des VfB Stuttgart, Alexander Wehrle, hat die Ethikkommission des Fußball-Weltverbandes FIFA zu einem entschiedenen Vorgehen gegen WM-Botschafter Khalid Salman aufgefordert. Nach den homophoben Äußerungen Salmans könne man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, so Wehrle beim TV-Sender Sky. "Das hat, wie gesagt, nichts mit unserer Weltanschauung zu tun. Eine sexuelle Orientierung mit einer Geisteskrankheit gleichzusetzen, das ist weit weg von jeder Vorstellung, die wir hier in unserem kulturellen Kreis haben", sagte Wehrle, der seit langem offen zu seiner Homosexualität steht. "Hier muss einfach Klartext gesprochen werden."

WM-Botschafter von Katar: Schwulsein ein "geistiger Schaden"

Salman, der zu den offiziellen Botschaftern des am 20. November in Katar beginnenden Turniers zählt, hatte in der ZDF-Doku gesagt, dass Schwulsein eine Sünde sei, weil es ein geistiger Schaden sei. "Der WM-Gastgeber hat uns ganz klar signalisiert, auch über die FIFA, dass jeder Fußballfan, egal welche sexuelle Orientierung er hat, dort ein sicheres Erlebnis haben wird", sagte Wehrle mit Blick auf die kurz bevorstehende Weltmeisterschaft. "Daran muss sich der Gastgeber messen lassen und da müssen wir auch Vertrauen haben."

Sehen Sie hier die Aussagen im Interview mit ZDF-Journalist Jochen Breyer

Das Auswärtige Amt hat durch eine Sprecherin indes am Mittwoch die abwertenden Äußerungen des katarischen WM-Botschafters über Homosexuelle verurteilt. Eine Warnung für LGBTIQ+-Personen für Reisen in das Emirat während der Fußball-WM plane das Außenministerium aber derzeit nicht. Die Regierung Katars habe zugesichert, dass alle Fans bei der am 20. November beginnenden WM willkommen seien. "Darauf verlassen wir uns", meinte die Sprecherin weiter. Generell werde vor Reisen nach Katar nicht gewarnt.

Wenig Interesse an Fußball-Weltmeisterschaft 2022 in Katar

Generell ist das Interesse an der bevorstehenden WM in Baden-Württemberg gering. In weiten Teilen von Baden-Württemberg sind keine öffentlichen Veranstaltungen und kein Public Viewing geplant, Kneipen beteiligen sich an einer Boykottaktion. Viele aktive Fanszenen baden-württembergischer Vereine haben ebenfalls zum Boykott der WM aufgerufen.

Laut einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage im Auftrag eines Zusammenschlusses der privaten Radiosender im Land (Privat.Radio) wünscht sich jede zweite Person in Baden-Württemberg einen Boykott der WM durch die deutsche Nationalmannschaft, nur etwa jeder Fünfte möchte sich die Spiele anschauen. Demnach freuen sich nur acht Prozent der Befragten auf die Weltmeisterschaft in Katar.

Werden Sie die Spiele der Fußball-WM in Katar verfolgen?

Kretschmann will WM-Spiele in Katar anschauen

Auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat sich am Dienstag gegen die WM in dem Wüstenstaat positioniert. "Die Spiele in Katar durchzuführen war jetzt nicht meine Idee", so der Regierungschef. Wenn sich allerdings die Zeit ergebe, werde er sich auch mal das eine oder andere Spiel anschauen. "Das ist ja noch das Schöne am Fußball: Er findet auf dem Feld statt", betonte Kretschmann.

Sein Parteikollege und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, der am Dienstag ebenfalls in Stuttgart zur Thematik befragt wurde, lobte dagegen die politische Debatte um die Situation in Katar. Allein diese werde die Lage im Land beeinflussen "und hoffentlich auch verbessern", so Habeck. Privat werde er allerdings wohl kaum dazu kommen, ein Spiel zu verfolgen, betonte er. "Ich würde mich aber freuen, wenn ich mich eines Besseren belehren könnte."

Bedauern über ausbleibende Positionierung der DFB-Spieler gegenüber WM in Katar

Der ehemalige deutsche Nationalspieler Thomas Hitzlsperger, Vorgänger von Wehrle beim VfB Stuttgart, äußerte Bedauern darüber, dass die Nationalspieler nicht klar Position zur Fußball-WM und zu dessen umstrittenen Gastgeber Katar beziehen. Zugleich zeigte er in einem Interview mit der "Zeit" auch Verständnis für die Zurückhaltung seiner früheren Berufskollegen. Für die ARD-Reportage "Katar - warum nur?", die am kommenden Montag im Rahmen eines Thementags in der ARD laufen wird, hatte der 40-Jährige unter anderen mit Nationaltorwart Manuel Neuer und Mittelfeldspieler Ilkay Gündogan über die WM und Katar gesprochen.

Sehen Sie hier den Trailer zur Doku:

"Das sind hochanständige Jungs, im privaten Gespräch offen und zugänglich. Sobald die Kamera läuft, lassen sie Vorsicht walten, zum Beispiel mit Statements wie: 'Ja, wir sind für die Einhaltung der Menschenrechte'", sagte Hitzlsperger, der sich vor einigen Jahren öffentlich als Homosexuell outete. "Die Diskussionen rund um diese WM strengen sie sichtlich an, daher bleiben am Ende oftmals nur Allgemeinsätze." 

Er hatte auch im Rahmen einer Informationsveranstaltung des DFB-Teams zu den Spielern gesprochen. "Ich war per Video zugeschaltet. Eine Reaktion habe ich leider nicht bemerkt", berichtete der frühere Vorstandschef des VfB Stuttgart. "Sie werden das schon zur Kenntnis genommen haben, aber am Ende sind Spieler umgeben von ihrem engen Beraterumfeld. Dort wird oftmals bestimmt, was sie wann sagen, welche Botschaften sie senden", meinte er weiter. "Und - das weiß ich aus meiner eigenen Profizeit - dieses Umfeld ist an einer solchen Positionierung nur selten interessiert." Es gehe darum, "möglichst nicht anzuecken, um die Karriere und alles, was damit verbunden sein könnte, nicht zu gefährden". 

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