Studenten und Zugehörige der Hochschule laufen am Eingang der Hochschule der Medien durch die Eingangstür, nachdem sie diese mit einer persönlichen Zugangskarte geöffnet haben. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Bernd Weißbrod)

Unternehmen grundsätzlich fast alle zur Kontrolle bereit

3G-Regel darf nicht den Betrieb stören

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Baden-württembergische Unternehmen sind meist grundsätzlich für 3G-Regeln am Arbeitsplatz und begrüßen eine Impfstatus-Auskunftspflicht. Manche fürchten aber den hohen Aufwand.

Auch am Arbeitsplatz wird wohl künftig 3G für alle Beschäftigten gelten, die bei der Arbeit Kontakt zu anderen haben. Dies begrüßt der Baden-württembergische Industrie- und Handelskammertag. Präsident Wolfgang Grenke sagte, die vorgesehene Auskunftspflicht zum Impfstatus der Beschäftigten gegenüber ihrem Arbeitgeber sei im Grundsatz richtig. Wichtig für die vorgesehene tägliche Kontrolle sei eine praxisgerechte Lösung, die nicht zur Behinderung von Betriebs- und Arbeitsabläufen führe: Schlangen vor Werkstoren oder unverhältnismäßiger Organisationsaufwand müssten vermieden werden.

Baden-württembergischer Unternehmerverband begrüßt Fragerecht für Arbeitgeber

Der Arbeitgeberverband UBW (Unternehmer Baden-Württemberg) findet es gut, dass es mit Einführung von 3G am Arbeitsplatz nun offenbar auch ein faktisches Fragerecht des Arbeitgebers zum Impf-, Genesenen- bzw. Teststatus geben wird. Dies habe der Verband seit langem gefordert. Nur durch ein Fragerecht sei es möglich, 3G am Arbeitsplatz umzusetzen, betriebliche Abläufe und die Einsatzplanung optimal zu organisieren und entsprechende Hygienekonzepte passgenau umzusetzen.

Unterschiedliche 3G-Kontrollen auch durch Apps gefordert

Laut dem Verband Unternehmen Baden-Württemberg (UBW) werde die 3G-Umsetzung von Betrieb zu Betrieb sehr unterschiedliche Konzepte erfordern, je nach Größe und Struktur. In einem kleinen Laden mit fünf Beschäftigten könne sich der Chef morgens die Nachweise zeigen lassen. In einem großen Schichtbetrieb oder in einem Vertrieb, bei dem die Außendienstmitarbeiter gar nicht reinkommen, funktioniere das so nicht. "Klar ist, dass beispielsweise auch die digitale Übermittlung des Status oder die Nutzung von Apps möglich sein muss", heißt es in der UBW-Stellungnahme.

Impfpflicht der Gefährdeten besser als Prüfpflicht der Unternehmen?

Der Industrieverband WVIB sieht die Pläne kritisch. Eine tägliche 100-prozentige Kontrolle und passende Dokumentation seien immens aufwändig und störten den Betriebsablauf erheblich, sagte der Verbands-Hauptgeschäftsführer Christoph Münzer dem SWR. Es stelle sich die Frage, ob eine Impfpflicht der Gefährdeten nicht besser wäre als eine Prüfpflicht der Unternehmen. Viele Firmen betonen, es brauche klare Regelungen dazu, ob und in welcher Form sie den Impfstatus abfragen und speichern dürfen.

Impfquote bei Porsche ähnlich wie bei Gesamtbevölkerung

Zu künftigen neuen 3G-Regeln will sich der Sportwagenhersteller Porsche noch nicht äußern. Von Juni bis August seien an Porsche-Standorten mehr als 10.000 Impfungen vorgenommen worden. Es gäbe weiter Impfangebote und bald auch Booster-Angebote. "Wir gehen davon aus, dass die Impfquote im Unternehmen vergleichbar ist mit der allgemeinen Impfquote in Deutschland," so Porsche-Sprecher Mathias Rauter. Im Rahmen einer Sondervereinbarung ermöglicht die Porsche AG aktuell mobiles Arbeiten an bis zu fünf Tagen die Woche.

Trigema-Chef für Impfpflicht

Trigema-Chef Wolfgang Grupp geht mit dem Thema Impfungen in seinem Textilunternehmen sehr offen um. Er spricht direkt seine Beschäftigten an und fragt, ob sie geimpft sind oder nicht. Man sei ein großer Familienbetrieb mit 1.200 Mitarbeitern. Grupp hat ausgerechnet, dass rund 75 Prozent geimpft sind. Er könnte sich eine Impfpflicht gut vorstellen. Wenn 90 Prozent geimpft wären, wäre die Pandemie besiegt, meint Grupp.

Handwerk hadert mit 3G und Testpflichten

Das Handwerk bezweifelt, dass sich 3G am Arbeitsplatz überall vernünftig umsetzen lässt. Der Präsident des Branchenzentralverbandes, Hans Peter Wollseifer, sagte in einem Zeitungsinterview, bei großen Betrieben, bei denen Beschäftigte direkt zu Baustellen und täglich wechselnden Objekten fahren, sei das extrem schwierig. Außerdem wehrt sich Wollseifer dagegen, dass Arbeitgeber künftig Mitarbeitern womöglich werktägliche Corona-Tests anbieten sollen. "Viel testen ist auch gut. Aber wenn jetzt noch mehr Testen eingefordert wird, können das natürlich nicht allein unsere Betriebe noch zusätzlich übernehmen."

Familienunternehmen gehen verantwortlich mit ihren Mitarbeitern um

Der Präsident des Familienunternehmerverbandes, Reinhold von Eben-Worlée, kritisierte im Handelsblatt eine Ausweitung der Homeofficepflicht: "Ich empfände das als tiefes Misstrauenssignal der Regierung gegenüber der Verantwortungsfähigkeit der Unternehmen, ihre Mitarbeiter zu schützen." Betriebe seien wegen ausgeklügelter Schutzkonzepte nicht die Infektionstreiber der Pandemie und würden derzeit Homeoffice so gut wie möglich ausweiten.

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