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Massiver Schneefall in vielen Teilen Baden-Württembergs hat am Freitag auf den Straßen teils zu Chaos geführt. Zahlreiche Lkws blieben liegen. Im Kreis Lörrach endete ein Hundespaziergang aufgrund der Schneemassen tödlich.

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Starke Schneefälle haben in der Nacht und am Freitag in vielen Regionen Baden-Württembergs zu chaotischen Zuständen auf den Straßen geführt. Auf der Bundesstraße 31 zwischen Friedrichshafen (Bodenseekreis) und Lindau behinderten seit Donnerstagnacht liegen gebliebene Lastwagen und Autos den Verkehr. Erst am Freitagmittag wurden die Fahrzeuge nach und nach freigeschleppt.

Lastwagen stehen auf der Bundesstraße 31 bei Eriskirch zwischen Lindau und Friedrichshafen. Mehrere Fahrer mussten die Nacht über in ihren Wagen verbringen.  (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance/Felix Kästle)
Lastwagen stehen auf der Bundesstraße 31 bei Eriskirch (Bodenseekreis) zwischen Lindau und Friedrichshafen. Mehrere Fahrer mussten die Nacht über in ihren Wagen verbringen. Picture Alliance/Felix Kästle

Die Polizei richtete ein Lagezentrum in Friedrichshafen ein. Dort koordinierten mehr als 60 Einsatzkräfte von Polizei, Technischem Hilfswerk (THW) und Rettungsdiensten ihre Einsätze. Es ging vor allem darum, die liegen gebliebenen Fahrzeuge abzuschleppen und die Menschen mit warmen Decken und Getränken zu versorgen. Die Fahrer saßen zum Teil zehn Stunden und länger fest.

Stundenlange Sperrung - Decken und Getränke für Fahrer

Die Polizei rät weiterhin, die B31 möglichst zu umfahren. Von einer gespenstischen Stimmung berichtete unser Reporter vor Ort.

Das Polizeipräsidium Konstanz meldete in seinem gesamten Zuständigkeitsbereich mit den vier Landkreisen Konstanz, Tuttlingen, Rottweil und dem Schwarzwald-Baar-Kreis am Morgen weiterhin teils erhebliche Verkehrsbehinderungen. Polizei, Räum- und Abschleppdienste seien im Dauereinsatz, vereinzelt auch Rettungsdienste sowie Feuerwehr und THW.

Chaos auf der B31 bei Friedrichshafen: Starker Schneefall sorgte für liegengebliebene Lkws (Foto: SWR)
Für viele Fahrzeuge wie hier auf der B31 bei Friedrichshafen (Bodenseekreis) war an ein Weiterkommen nicht zu denken.

Zahlreiche Lastwagen stehen auf B314

Auch auf der Bundesstraße 314 standen die Räder aufgrund der winterlichen Verhältnisse still. "Derzeit stehen jeweils an die einhundert Lastwagen in beiden Fahrtrichtungen", teilte die Polizei am Morgen mit. Zwischen Stühlingen (Kreis Waldshut) und dem "Randen" (Schwarzwald-Baar-Kreis) blockierten Lastwagen, die nicht mit Schneeketten oder mit schlechter Bereifung ausgestattet waren, die Fahrbahn. Auch die eingesetzten Räumdienste seien behindert worden. Viele der schon in den Abendstunden steckengebliebenen Lastwagenfahrer mussten demnach in ihren Fahrzeugen übernachten. Laut Polizei war der Abschnitt am Freitagnachmittag wieder annähernd ungehindert befahrbar.

Frau wird durch umstürzenden Baum getötet

Einen tödlichen Ausgang nahm ein witterungsbedingter Unfall nahe Wittlingen (Landkreis Lörrach). Dort wurde eine Fußgängerin am späten Donnerstagabend von einem umstürzenden Baum getroffen, der wohl unter der Schneelast zusammengebrochen war. Die 72-Jährige war mit ihrem Hund spazieren, als der Baum sie traf, wie die Polizei mitteilte. Ihr Sohn fand sie in einem Wald. Die stark unterkühlte Frau konnte zunächst von Polizisten reanimiert werden - starb jedoch später im Krankenhaus.

Im Landkreis Waldshut blieben in der Nacht ebenfalls viele Lastwagen stehen, umgestürzte Bäume blockierten Straßen. Besonders betroffen waren das Schlüchttal, das Steintal und das Albtal. In der Nacht knallte zudem ein Baum auf das Führerhaus eines Sattelzugs. Dieser stand auf einem Parkplatz an der B314. Der 62 Jahre alte Fahrer blieb unverletzt. Bei Todtmoos (Kreis Waldshut) wurde eine 32-jährige Frau von der Schaufel eines Traktors erfasst und schwer verletzt. Der Scheibenwischer des Fahrzeugs hatte nicht funktioniert und die Sicht des 19 Jahre alten Fahrers versperrt. Die Spaziergängerin wurde in ein Krankenhaus gebracht. 

Blechschäden und leichte Verletzungen

Umgestürzte Bäume gab es wegen des Neuschnees auch in Freiburg. Autos blieben stecken, die Polizei musste mehrere Straßen sperren. Bei einem schneebedingten Verkehrsunfall bei Heitersheim (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) mit drei beteiligten Autos ist eine Person am Freitagmorgen leicht verletzt worden. Bei Wutöschingen (Kreis Waldshut) ist auf der B314 eine Frau gegen einen umgefallenen Baumstamm gefahren. Verletzt wurde sie bei dem Unfall nicht.

Autos fahren durch den Schneematsch. Starker Schneefall während der Nacht hat für erschwerte Verkehrsbedingungen in Freiburg gesorgt. (Foto: dpa Bildfunk, Philipp von Ditfurth)
Schneematsch und Schrittempo in Freiburg: Starker Schneefall während der Nacht hat für erschwerte Verkehrsbedingungen gesorgt. Philipp von Ditfurth

Auf mehreren Bahnstrecken im südbadischen Raum fielen die Züge wegen umgestürzter Bäume aus. Betroffen waren die Rheintalbahn, Hochrheinstrecke, die Höllentalbahn, die Schwarzwaldbahn und Bahnstrecken rund um Rottweil und Tuttlingen.

Polizei warnt vor tödlicher Gefahr durch Schneemassen

Die Polizei warnt eindringlich davor, die Gefahr, die von den Schneemassen ausgeht, zu unterschätzen. Zahlreiche Bäume drohen unter der Last zu brechen und stellen eine tödliche Gefahr dar.

Polizei Freiburg mit deutlicher Warnung

Im Schwarzwald besteht aufgrund der Schneemassen in einigen Teilen Lawinengefahr. Aufgrund der Gefahr eines Erdrutsches musste im Landkreis Emmendingen eine Straße gesperrt werden. Vereinzelt fielen Bäume auf parkende Autos und verursachten Sachschäden. Im Zollernalbkreis waren einige Straßen wegen Schneebruch gesperrt. Auch der Albaufstieg wurde gesperrt. Im Kreis Freudenstadt waren Bäume unter der Schneelast zusammengebrochen und blockieren einige Straßen. Bereits den ganzen Donnerstag über hatte dichter Schneefall für teils chaotische Verhältnisse gesorgt.

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