Maria Böhmer (CDU), Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission (Foto: Imago, IMAGO / Metodi Popow - Montage: SWR)

Unesco-Kommissionschefin im SWR-Gespräch

Was der Unesco-Welterbetitel für den Tourismus in Baden-Baden bedeutet

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Die Freude über den Unesco-Welterbetitel für Baden-Baden ist groß. Der Heilbäderverband sieht eine Strahlkraft für alle Kurstädte im Südwesten. Der Titel trägt aber auch Verantwortung.

Über die Auszeichnung "Great Spas of Europe", die die drei deutschen Kurstädte Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen erhalten haben, hat SWR Aktuell-Moderatorin Astrid Meisoll mit Maria Böhmer (CDU) gesprochen. Sie ist Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission.

Astrid Meisoll: Wie wird man der Verpflichtung des Titels gerecht?

Maria Böhmer: Erst einmal glaube ich, dass es eine sehr überzeugende Bewerbung war. Dafür spricht die Rekordzeit von fünf Minuten, in der der Beschluss gefallen ist. Jetzt beginnt die eigentliche Arbeit. Denn es geht um Schutz und Erhalt dieser Kurstädte und um die Vermittlung des Erbes. Das sind die zwei großen Ansatzpunkte. Ich kann mir vorstellen, dass es für Kurstädte wie Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen auch die Frage ist, wie sie in die Zukunft gehen - wie sie sich mit dem Welterbestatus weiterentwickeln.

Städte wie Baden-Baden sind auch jetzt schon nicht gerade wenig besucht. Irgendwann kommt der Punkt, wo sich Tourismus und Nachhaltigkeit entgegenstehen. Wie sehen Sie das?

Das ist ein ganz wichtiger Punkt, den Sie ansprechen. Denn Touristenströme können auch eine Bedrohung für eine Welterbestätte sein. Baden-Baden weiß das sehr wohl, was es bedeutet, wenn viele Touristen kommen. Deshalb müssen wir als Deutsche Unesco-Kommission den Wert auf einen nachhaltigen Tourismus legen. Das ist eine große Chance für die Zukunft.

Kurstadt klingt für viele junge Menschen nicht gerade sexy. In Baden-Baden gibt es Pelz-Geschäfte und Juweliere. Das wirkt nicht so einladend auf "Otto-Normal-Verbraucher". Sind Weltkulturerbestätten zu elitär?

Ich glaube, dass auch junge Menschen es sehr schätzen, wenn zeitgemäße Wellnessangebote vorhanden sind. Diese Vorstellung hat man von einer Kurstadt: Heilquellen modern präsentiert, aber im alten Gewand. Das ist doch etwas sehr reizvolles. Das findet man sonst nirgendwo. Diese Kurstädte wie Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen strahlen ein solches Flair aus. Außerdem haben sie auch eine Geschichte zu bieten. Diese Vergangenheit zu erkunden, ist eine ganz neue Dimension, die das Wellness-Angebot in wunderbarer Weise ergänzen kann.

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Am Dienstag könnten als Unesco-Welterbestätten das jüdische Kulturerbe in Mainz, Speyer und Worms und der Niedergermanische Limes hinzukommen. Wie bewerten Sie die Erfolgschancen?

Die Chancen stehen gut. Denn der Weltdenkmalrat ICOMOS hat eine positive Empfehlung ausgesprochen. Insofern bin ich nicht nur sehr gespannt, sondern großer Hoffnung, dass es gelingt. Für Rheinland-Pfalz würde das insgesamt drei neue Welterbestätten bedeuten - das wäre großartig. Deutschlandweit hätten wir dann fünf neuen Welterbestätten.

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