Astrazeneca-Impfstoff (Foto: imago images, IMAGO / Fotostand)

Corona-Impfung in Baden-Württemberg

Priorisierung aufgehoben: So kommt man jetzt an eine Astrazeneca-Impfung?

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In Baden-Württemberg ist die Priorisierung für die Corona-Impfung mit Astrazeneca beim Hausarzt aufgehoben. Wir erklären, wer sich jetzt impfen lassen kann und wie man an einen Termin kommt.

Warum wurde die Impfpriorisierung für Astrazeneca aufgehoben?

In Baden-Württemberg sind bereits alle Menschen über 60 Jahren für eine Impfung mit Astrazeneca zugelassen. Es hat sich allerdings herausgestellt, dass die Verunsicherung über den Impfstoff von Astrazeneca offenbar so groß ist, dass viele Impfberechtigten diese Impfung nicht wollen. Deswegen haben die Gesundheitsminister der Länder entschieden, dass jetzt auch jüngere Menschen die Chance haben sollen, eine Corona-Impfung mit dem Astrazeneca-Impfstoff zu bekommen. Damit soll verhindert werden, dass Impfdosen liegen bleiben oder weggeschmissen werden müssen.

Die Aufhebung der Priorisierung von Astrazeneca gilt derzeit nur für die Impfungen in Arztpraxen. In den Impfzentren in Baden-Württemberg gilt weiterhin für alle Impfstoffe gegen das Coronavirus die Priorisierung.

Wer darf sich nun mit Astrazeneca impfen lassen?

Der Vektorimpfstoff von Astrazeneca ist in der EU ab einem Alter von 18 Jahren bedingt zugelassen und wird für Menschen ab 60 Jahren empfohlen. Menschen unter 60 Jahren werden in Baden-Württemberg daher nur noch in Ausnahmefällen mit dem Mittel geimpft. Wer zwischen 18 und 59 Jahre alt ist, kann sich aber nun freiwillig für eine Impfung mit Astrazeneca beim Hausarzt entscheiden - unabhängig davon, ob die Person zu einer priorisierten Gruppe gehört oder nicht. Die Entscheidung erfolgt gemeinsam mit der impfenden Ärztin oder dem impfenden Arzt. Die Ärzte müssen das individuelle Risiko der jeweiligen Patienten analysieren und diese umfassend darüber aufklären.

Ist der Astrazeneca-Impfstoff für jüngere Menschen gefährlich?

Beim Impfstoff von Astrazeneca ist es in seltenen Fällen zu Hirnvenenthrombosen nach der Impfung gekommen. Diese Nebenwirkung ist vor allem bei Jüngeren und vor allem bei Frauen aufgetreten. Das Risiko wird allerdings als sehr gering angesehen. Die europäische Zulassungsbehörde EMA geht davon aus, dass solche Fälle bei einem bis zwei von 100.000 Geimpften auftreten, also bei 0,001 bis 0,002 Prozent der Impfungen. Der Nutzen der Impfung ist damit laut EMA fast immer höher als das Risiko dieser seltenen Nebenwirkungen. Wie viel höher, hängt stark vom Alter ab. Denn das Risiko, durch Covid-19 schwer zu erkranken oder zu sterben, steigt mit dem Alter deutlich an.

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Wo bekomme ich die Astrazeneca-Impfung?

Am einfachsten ist es, erstmal in der Hausarztpraxis anzurufen und zu fragen, ob dort der Impfstoff von Astrazeneca verimpft wird. Wenn ja, wird es vermutlich eine Warteliste geben, auf die man sich setzen lassen kann. Wenn der Arzt keinen Impfstoff von Astrazeneca bestellt hat, gibt es immer noch die Möglichkeit, einen Facharzt aufzusuchen, der Astrazeneca verimpft. Denn auch viele Facharztpraxen, etwa Frauen- oder Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, bieten Covid-19-Impfungen an.

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Wie schnell kann ich einen Termin bekommen?

Das hängt davon ab, wie lang die Warteliste des entsprechenden Arztes ist und wie viel Impfstoff dieser zur Verfügung hat. Der Impfstoff für die niedergelassenen Hausärzte und -ärztinnen wird von der Praxis selbst über die Apotheke bestellt. Die bekommen ihre Bestellung vom Pharmagroßhandel, der wiederum vom Bund beliefert wird. Der Bund entscheidet welche Menge an Impfstoffen er für die Praxen bereitstellt. Diese variiert von Woche zu Woche, so dass auch die Bestellmengen angepasst werden müssen. Die Bestellung der Arztpraxen für die folgende Woche soll laut Kassenärztlicher Vereinigung Baden-Württemberg immer dienstags bei den Apotheken eingehen. Donnerstags erhalten die Arztpraxen eine Rückmeldung über die Menge, die vom Pharmagroßhandel auch tatsächlich geliefert wird. Entsprechend können die Hausärzte dann planen.

Mit welchen Nebenwirkungen muss ich nach der Impfung rechnen?

Was Nebenwirkungen angeht, unterscheidet sich der Impfstoff von Astrazeneca kaum von den anderen Mitteln. Begleiterscheinungen wie Müdigkeit, Kopfschmerzen und Fieber kommen bei allen Covid-19-Impfstoffen ziemlich oft vor. Beim Mittel von Astrazeneca treten sie aber tatsächlich etwas häufiger auf. Genau genommen sind solche Nebenwirkungen aber sogar erwünscht: Sie deuten darauf hin, dass das Immunsystem auf die Impfung anspringt und sich ein Schutz entfaltet.

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