Imfpstoff von verschiedenen Herstellern mit einer Spritze. (Foto: IMAGO, IMAGO / MiS)

Diskussion um Impfquote in Deutschland

Sind schon mehr Menschen mindestens einmal gegen Corona geimpft als angenommen?

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In Deutschland könnten mehr Menschen eine erste Impfung erhalten haben als gemeldet. Zweifel an den offiziellen Daten kommen vom Robert-Koch-Institut selbst.

Für viele gehört es inzwischen zum Morgenritual - der Blick auf die aktuelle Impfquote in Deutschland. Die gibt das Robert-Koch-Institut täglich im Internet bekannt. Im sogenannten Digitalen Impfquotenmonitoring (DIM) fließen alle Daten zusammen - von Impfzentren, Krankenhäusern, mobilen Impfteams, Betriebsmedizinern, niedergelassenen Ärzten und Privatärzten.

RKI spricht von "Unsicherheit" bei der Interpretation der Daten

Und es gibt noch eine weitere RKI-Erhebung namens Covimo. Hier werden regelmäßig Befragungen in der Bevölkerung durchgeführt. Doch zwischen der jüngsten Covimo-Erhebung und dem offiziellen DIM hat sich "eine Diskrepanz" ergeben, wie das RKI heute mitteilte. Bei der Interpretation von Impfquoten-Daten gibt es deshalb den Angaben zufolge eine "gewisse Unsicherheit".

Tatsächliche Quote bei Erstimpfungen liegt vermutlich höher

Laut Covimo-Erhebung wurden von Ende Juni bis Mitte Juli rund 1.000 Erwachsene befragt. Die Quote der mindestens einmal Geimpften fiel dabei "um einiges höher" aus, besonders in der Altersgruppe der 18- bis 59-Jährigen. 79 Prozent gaben in der Befragung an, geimpft zu sein, laut Meldesystem waren es aber nur 59 Prozent. Die tatsächliche Impfquote liege voraussichtlich zwischen den Werten, heißt es.

"Keinen wesentlichen Unterschied gibt es bei den Daten von vollständig Geimpften"

Wie kommt es zu den unterschiedlichen Quoten?

Für den SWR-Datenjournalisten Johannes Schmid-Johannsen gibt es mehrere Gründe. So gebe es in Deutschland zum einen eine systematische Untererfassung. "Da kann es vorkommen, dass bestimmte geimpfte Personen rausfallen aus der Statistik." Das heiße aber nicht, dass jetzt Millionen von Menschen nicht erfasst worden seien, so Schmid-Johannsen weiter.

Nur die Hälfte der Betriebsärzte nutzt Web-Anwendung

Ein Problem gibt es aber beispielsweise bei den Betriebsärzten. Laut RKI melden bisher nur etwa die Hälfte der beim Meldesystem registrierten Betriebsärzte Impfungen über die Web-Anwendung. Das könne ein Hinweis auf eine Untererfassung der Impfquoten durch das Digitale Impfquotenmonitoring (DIM) sein, hieß es weiter.

Probleme bei Johnson & Johnson

Ein weiterer Punkt sei, so Schmid-Johannsen, die Erfassung der Impfungen mit dem Präparat des US-Unternehmens Johnson & Johnson, da es hier nur eine Dosis für den vollen Schutz braucht. Vertragsärzte meldeten diese Immunisierungen, so das RKI, ausschließlich als zweite Impfdosen. Außerdem sei keine Zuordnung von Impfstoff und Altersgruppe möglich.

Inzwischen ist in den DIM-Daten ein Hinweis zu finden, dass die Impfquoten der mindestens einmal geimpften Erwachsenen nach Altersgruppe "systematisch zu niedrig ausgewiesen" werden. 

Impfkampagne kommt weiter voran, wenn auch nur langsam

Die Zahl der Corona-Impfungen in Deutschland nimmt weiter leicht zu. Vollständig geimpft sind nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums vom Mittwoch nun knapp 46,2 Millionen Menschen oder 55,6 Prozent der Gesamtbevölkerung. Mindestens eine erste Dosis bekommen haben 52,1 Millionen Menschen oder 62,7 Prozent aller Einwohner.

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