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In Baden-Württemberg wird seit Freitagmorgen wieder mit Astrazeneca gegen Corona geimpft. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA und das Bundesgesundheitsministerium gaben grünes Licht.

Wie sieht die EMA den Impfstoff?

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA sieht die Vorteile des Vakzins als deutlich größer an als die Risiken. Generell hat die EMA das Präparat nie negativ bewertet, aber nun nochmals überprüft. Auslöser waren Fälle von Thrombosen, also Blutgerinnseln, in Hirnvenen nach einer Impfung. Hinweise darauf, dass die Impfungen die Vorfälle verursacht hätten, hat die EMA aber nicht gefunden. Ausgeschlossen sei dies zwar auch nicht, aber EMA-Chefin Emer Cooke ist davon überzeugt, dass der Impfstoff folgende Voraussetzungen erfüllt: Er sei sicher. Er sei wirksam gegen Covid-19. Deshalb gebe es deutlich mehr Vorteile als Risiken.

Wie geht es weiter?

Der Impfstoff soll mit einer Warnung versehen werden. Demnach soll er in möglichen seltenen Fällen Thrombosen an Hirnvenen bei Frauen unter 55 Jahren verursachen können. Unterm Strich sehen EMA und das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in Deutschland aber keine unvertretbar höheren Gesundheitsgefahren.

Ärzte sollen Patientinnen und Patienten auf Aufklärungsbögen über die Thrombose-Risiken informiert werden. Solange die nicht gedruckt sind, können Ärzte diese Infos auch handschriftlich ergänzen, kündigte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) an.

Stuttgart

Auch Kretschmann lässt sich Freitag impfen Baden-Württemberg nimmt Impfungen mit Astrazeneca wieder auf

Grünes Licht für Astrazeneca: Baden-Württemberg nimmt die Impfungen mit dem umstrittenen Impfstoff wieder auf. Auch Ministerpräsident Kretschmann will sich am Freitag impfen lassen.  mehr...

Um welche Thrombosen geht es?

Es handelt sich um Blutgerinnsel in Hirnvenen. 13 Fälle sind im Zusammenhang mit einer Impfung in Deutschland inzwischen gemeldet. Drei endeten tödlich. Zwölf Frauen und ein Mann zwischen 20 und 63 Jahren erlitten eine solche Thrombose. Das ist nur ein kleiner Bruchteil der insgesamt 1,78 Millionen Menschen, die Astrazeneca mittlerweile laut Robert-Koch-Institut (RKI) erhalten haben. Diese Thrombosen treten auch sonst auf, statistisch gesehen sind sie aber noch seltener zu erwarten.

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Ursache für Thrombosen gefunden?

Forscher der Universitätsmedizin Greifswald haben offenbar die Ursache für Hirnthrombosen nach einer Astrazeneca-Impfung gefunden. Demnach löst das Vakzin bei einigen Menschen einen Abwehrmechanismus aus, nämlich dass Blutplättchen aktiviert werden. Normalerweise passiert das im Körper nur bei einer Wundheilung. Betroffenen könnte nun ein Wirkstoff verabreicht werden, der gegen die Thrombose helfe.

Wie weit sind die Corona-Impfungen in Deutschland?

10 Millionen Impfdosen sind mittlerweile verabreicht worden - davon laut den aktuellen Zahlen des RKI rund 8 Millionen von Biontech/Pfizer, 1,78 Millionen von Astrazeneca und 0,35 Millionen von Moderna. Rund 198.000 Impfdosen wurden am Mittwoch, zwei Tage nach dem Astrazeneca-Stopp, noch verabreicht. Zuvor waren es bis zu 294.000 am Tag gewesen. 3,7 Prozent der Bevölkerung sind vollständig mit zwei Dosen geimpft. 6,97 Millionen Menschen haben mindestens eine Impfung erhalten. In Baden-Württemberg sind mittlerweile knapp 918.000 Menschen geimpft (Stand 18.3.), knapp die Hälfte hat durch eine Zweitimpfung den vollen Schutz.

Welche Auswirkungen hätte ein Aus von Astrazeneca für die Impfkampagne gehabt?

Millionen Impfungen wären erst einmal weggefallen. Denn bis April sollen die Lieferungen von Astrazeneca auf insgesamt 5,6 Millionen Dosen wachsen. Im zweiten Quartal sollen 16,9 Millionen Dosen des Astrazeneca-Vakzins geliefert werden. Der Rückschlag wäre allerdings mit der Zeit aufgeholt worden. Bereits bis April sollen die Lieferungen von Biontech/Pfizer auf 12 und die von Moderna auf 1,8 Millionen Dosen anwachsen. Im zweiten Quartal sollten von beiden Impfstoffen zusammen 46,6 Millionen Dosen geliefert werden. Bis alle Erwachsenen in Deutschland eine Impfung erhalten können, dauert es laut Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung mit Astrazeneca bis Ende August - ohne dieses Vakzin bis Ende September.

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