Auf einem Hügel sind Hochhäuser zu sehen. Dahinter ein roter Himmel. (Foto: SWR, Rebecca Lüer )

Sepiafarbenes Wetterphänomen

Sahara-Staub hüllt BW noch bis Freitag in goldgelbes Licht

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Dass der Himmel über dem Land im Winter trüb sein kann, geschenkt. Wenn dabei allerdings ein goldgelbes Farbenspiel und Sand auf den Ablagen entsteht, lohnt sich die Frage: Warum?

Seit Dienstag sorgt Sahara-Staub für ein Farbenspiel am Himmel über Baden-Württemberg. "Noch bis in den Freitag hinein wird es dieses Wetterphänomen geben. Das ist selten und ungewöhnlich", sagte ein Sprecher des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Leichte Niederschläge führten bei der Wetterlage zu sogenanntem Blutregen. Dieser ist weniger martialisch als sein Name. Hierbei werde der Wüstensand ausgewaschen. Das Wasser färbt sich laut DWD dann bräunlich. Der Sand werde dann beispielsweise auf Autos oder Gartenmöbeln sichtbar. Zum Freitag hin soll die Konzentration des Sahara-Staubs nach Angaben des DWD deutlich abnehmen.

Impressionen aus Baden-Württemberg in der Bildergalerie:

Bäume sind auf einem Berg zu sehen. Der Himmel darüber ist rötlich gefärbt. (Foto: SWR, Rebecca Lüer)
Bei Überlingen strahlt der Himmel rötlich - wegen des Sahara-Staubs. Rebecca Lüer Bild in Detailansicht öffnen
Seltene Fotomotive durch ungewöhnlichen Hintergrund - abgestorbener Baum vor Saharastaub-Himmel in Gomaringen (Kreis Tübingen). Harry Röhrle Bild in Detailansicht öffnen
Auch über Tübingen war der Himmel gelb. Matthias Neumann Bild in Detailansicht öffnen
Stellenweise war der Himmel tiefgelb wie in Pfullendorf-Denkingen (Kreis Sigmaringen). Alfred Knödler Bild in Detailansicht öffnen
Ein seltenes, aber völlig ungefährliches Wetterphänomen - hier über dem Überlinger Stadtteil Burgberg (Bodenseekreis). Rebecca Lüer Bild in Detailansicht öffnen
Dichte Wolken bei Überlingen über dem Bodensee. Durch das Sonnenlicht und den Staub ergibt sich ein besonderes Licht. Rebecca Lüer Bild in Detailansicht öffnen
Auch am Schnetztor in Konstanz war der Himmel rötlich vom Sahara-Staub verfärbt. Bild in Detailansicht öffnen
Der Himmel über Freiburg ganz gelb gefärbt. Felix Ginter Bild in Detailansicht öffnen
Sahara-Staub über den Dächern von Stuttgart. Foto: Matthias Roman Schneider Bild in Detailansicht öffnen
Blick vom Killesberg auf den Stuttgarter Kessel - gehüllt in Sahara-Staub. Foto: Eva Laun Bild in Detailansicht öffnen

Der Sahara-Staub kommt tatsächlich, wie der Name schon sagt, aus der gleichnamigen Wüste im Norden Afrikas zu uns geweht. Mehr als 2.000 Kilometer ist er durch die Luft gewirbelt, bis er bei uns ist: "Über Tunesien hält sich derzeit ein kräftiges Tiefdruckgebiet und das wirbelt Sahara-Staub in große Höhen auf", erklärte Wetterexperte Roland Roth von der Wetterwarte Süd dem SWR. Durch die südliche Höhenströmung fliege der Staub zu uns und könne auf dem ein oder anderen Auto landen.

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Klimawandel begünstigt das Wetterphänomen

Fast schon mystisch, mit Ockertönen, Rottönen und ein bisschen Grau sei die Stimmung, so der Wetterexperte begeistert im Interview. Neu ist das sepiafarbene Wetterphänomen jedoch nicht. Doch durch den Klimawandel werde es begünstigt. Denn die Großwetterlagen blieben beständiger und es gebe häufiger als früher Süd- und Südwestströmungen, so Roland Roth. Daher könne es künftig öfter dazu kommen, dass Sahara-Staub zu uns geweht werde. Das passiert vor allem zwischen März und Juni sowie zwischen Oktober und November - sagt hier der Deutsche Wetterdienst (DWD) und das etwa zwischen fünf und 15 Mal im Jahr.

Friedrichshafen/Konstanz

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Trockenheit weiter ein Problem

Während der Sahara-Staub ein seltenes, aber harmloses Naturschauspiel ist, wird die derzeitige Trockenheit ein größeres Problem. Denn es hat über mehrere Wochen kaum geregnet. Und auch die Niederschläge am Dienstag reichten kaum aus, um den Pflanzen dringen benötigtes Wasser zu spenden, so Roland Roth. Und die Trockenheit wird nach seiner Einschätzung auch in der kommenden Woche weitergehen. Der nächste Landregen sei derzeit noch nicht in Sicht. Stattdessen stehe das nächste Hochdruckgebiet schon wieder vor der Tür, so der Experte der Wetterwarte Süd.

Experten sind sich uneinig: Staub und die Gefahr für die Gesundheit

Der Saharastaub sei nicht gefährlich, betont etwa das Zentrum für Medizin-Meteorologische Forschung Freiburg. Die Feinstaubbelastung sei durch den Saharastaub zwar erhöht und auch das Wohlbefinden könne dadurch beeinträchtigt werden, die Partikel würden aber schon im Rachenbereich abgestoßen. Für unbedenklich hält auch der DWD den Saharastaub. Die österreichische Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik schreibt hingegen: "Feinstaub kann aufgrund der geringen Partikelgröße über den Kehlkopf bis tief in die Lunge gelangen und ist daher besonders gesundheitsschädlich. Zu den natürlichen Feinstaubquellen gehört auch der Saharastaub." Wie auch immer: Die als Corona-Infektionsschutz zu tragenden FFP2-Masken schützen auch vor Saharastaub im Körper.

Sahara-Staub hat auch was Positives

Der Sahara-Staub ist Nahrung für die Böden. Der Grund: Wo sich heute die Sahara befindet, war früher ein riesiger Süßwassersee, der austrocknete. Der nährstoffreiche Staub dient vor allem in Südamerika, wohin der Saharastaub regelmäßig verfrachtet wird, als Dünger - etwa für die Regenwälder des Amazonas. Aber auch Spaniens Böden profitieren spürbar vom Calcium und Magnesium aus der Wüste. Pro Jahr werden etwa eine Milliarde Tonnen Staub verblasen.

Es dauert aber nicht mehr lange, dann ist der Wüstensand aus der Luft wieder verschwunden. Die höchste Staubkonzentration erwarteten die Wetterfachleute für den Donnerstag in Baden-Württemberg und Bayern. Bereits am Samstag soll sich laut Wettervorhersage der Himmel über Baden-Württemberg wieder aufklaren.

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SWR